bimbamberger obererbrückenglühwein – »Jungfrau« – »Alter Schwede« – »Bauernfänger«

der reinen ist alles rein
dem schwein ist alles schwein
dem reinen ist alles rein
im glühwein ist nicht alles wein

doch:
weine nicht, weine nicht
„balde, ach balde“
glühweinst auch du
„balde, ach balde“
rotkotzt auch du

warte,
warte, noch ein weilchen“
dann, ach dann:
glühst auch du

für fränginnen und frangen:
nein glühwein komm
d so manchs nei.
du nuch
awäng wasser nei, damid die leud was ham vo ihrn geld.

franz fichtl

 

„Am Grab von Rainer Maria Rilke“

Erich Weiß

Ein außergewöhnlicher Einzeldruck eines Gedichtes von Andreas Reuß – inspiriert von einem Besuch des Grabes von Rainer Maria Rilke in Raron/Schweiz
Mutig und gelungen!
Machen Sie sich die Freude mit diesem Einzelblattdruck.

Am Grab von Rainer Maria Rilke
Gedicht von Andreas Reuß
Erhältlich im Buchhandel.
DIN A 5, 8 Seiten, 5 Abb.
Erich Weiß Verlag
1,50 Euro

 

 

 

 


 

Deutscher PEN schreibt Lyrikpreis aus

Das PEN-Zentrum Deutschland schreibt den Kurt Sigel-Lyrikpreis 2018 aus. Er wird an eine/n Lyriker/in für Gedichte von hoher ästhetischer Qualität verliehen und ist mit € 4.000 dotiert. Stifter des Preises ist der Frankfurter Schriftsteller Kurt Sigel, der sich als Autor von Romanen, Erzählungen, Gedichtbänden sowie von Büchern in hessischer Mundart, die er teilweise mit eigenen Zeichnungen und Cartoons illustrierte, einen Namen gemacht hat. Kurt Sigel ist seit 1974 Mitglied im deutschen PEN. Weiterlesen

LETZTER TRUMPF

Um Amerika zur Feste umzubaun
Und Europa zu zermürben ganz und gar,
Als am Euro es schon fast gescheitert war,
Tauchte höhnisch grinsend auf ein Horrorclown:

Meere? Wälder? Arme ausgelaugte Erd?
Heizt ein heißres Klima die nicht prima ein?
Erst mein Deal und meine Yankees hinterdrein –
Und dann exklusiv das Siegerglück vermehrt!

Höllenfürstlich streckt er seine Zunge raus:
Immer übertrumpfen heißt mein Hauptgebot!
Loser, ab in eure wohlverdiente Not!
Weicher Westen, wisse nicht mehr ein noch aus.

Werner Schwarzanger

 

BANKGELD

Geld wahrt Wert solang sichs an
Seine bare Schranke hält.
Generaleinzugsbestellt
Blährts sich leer um jedermann.

Um den Markt zu überwachen,
Lösten auf den baren Grund
Die Konzerne, Banken und
Die davor Staatsmannchen machen.

Neu zu starten die Finanz
Hoben sie das Bargeld auf,
Dass man kaufend sich verkauf
An die smarte Allianz.

Ins technototale Eis
Unterhaltne Konsumenten,
Die als Konto sich verwenden,
Haben ihren Sonderpreis.

Einverkaufsgespeichert steigen
Gläsern sie als Datensätze
Auf und ab auf Rankingplätze,
Die stets ihren Wert anzeigen.

Für ihr Filterbubbleleben,
Das dem Markt sie vorbehält,
Haben durch die Bank „ihr“ Geld
Ins Kontrollbuch sie gegeben.

Die Bezahlchiprechte legt
Der verkaufte Käufer an.
Sparen? Dalli Rechte ran,
Dass das Ranking sich bewegt!

Werner Schwarzanger

 

BIGDATUR ODER RÊVEPRAIRIE

Man hat das Menschsein abgeschafft.
Kierkegaard

O trinke Morgenlüfte,
Bis dass du offen bist.
Hölderlin

Das war noch nie: An seinem Grundzerstörpunkt
Schleift der entgrenzte totale Markt
Mit Big Data die todkranke Welt
Immer weiter gen West.
Alles beziehend wildert ein untotes Superhirn
Alle instant zunicht
Und erfindet informmaschinisch
Sie sich verführerisch neu.
Mit dem transbinomischen Globotriller
Alles immer überall sofort vorgebend
Stellt der Menschheitsentmündigungstunnel
Mustergültiges Datenliefergefolge her.

Menschen? Datenverwertbarer Tross!
Unsichtbar Alle belauschend vermessen
Neofeudale Hippies den durch.
Personagenalgorithmen bilden daraus
Bubbleselfies, die immer kaufverkäuflicher.
Neu sich erfinden:
Klickselig panoptikumangefixte Maschinchenbediener
Geben dem Tunnel sich preis,
Der ihrer Rêveprairie die Zukunft absaugt.
Und das anbiederverpimpfte
Slamgenicht feiert
Diesen Sieg mit.

Weder her mehr noch zu
Süchte wider dich selbst entzukünftigt
Unersättlich dir schwindend dich
In dein Maschinchen hinaus,
Bis du dich kaum noch spürst.
Spur in die Summe hinein,
Die dich beschließen will
Als deine Datenbank
Für den gefilterten Kaufverkauf.
Dass effizientere Daten dich bieten, vermesse,
Shoppingproduktiv, selflogging dich durch,
Bis du maschinisch parierst.

Fitt dir den Augenblick,
Der dich erholen könnte,
Prompt aus der Zukunft ab.
Massenhypnotrendtrainier
Mustergültig dich durch.
Und erinner dich nie,
Wer du: da-
Hinter längst schon gewesen,
Hättest geworden sein können.
Geh zur Ware verschütt.
Nie im Überflussglobus der Waren
Stell deine Zukunft dir wieder her.

Je gelenkter von außen,
Umso weniger kommst du noch
Selbst: Immer mehr kaufend verkaufst
Unauffällig dahin du dich mit,
Warlich als Cyborg ganz neu zu erstehn:
Armageddon zwischen 2.0 und Futurzwei!
Im reaktant verrechneten Augenblick
Dorrt dein Zukunftskeim ab.
Mit profilärem Input gespeist
Stellst du dich Cyberbinäro in die Verwertung durch.
Bubbleselfieshoppingdressiert plusterst die
Größte Blase du aller Zeiten mit auf.

Die im Grundgesetz verdorrten
Performanten Prokuristenstaaten
Überlassen die Selbstausverkäufer
Dem bigdatären Globotrust.
Frei halten lokal sie
Den Performaglobus
Dieser Allhaberschaft.
So wird nichts auf Erden
Je wieder gut.
Am verfehlten Erdenmaß
Gehen Alle
Annulliert sich fehl.

Grundrechtverfasst allein regulierend den Markt
Schütze der Staat den privaten Selbwerderaum.
Nur in mauerdichter innrer Sphäre
Kann sich selber verfassend
Jeder Verbürger besserer Zukunft sein.
Gründlich entdaddelt euch wieder, Menschenskinder,
Um gedeihliche Bürger der
Wohlbehüteten Lebesphäre zu werden.
In der wohlständigen Welt
Geht geschwisterlich auf.
Für den dichtrischen Dom, in dem der Zukunftsbogen
Weither sich spannt, legt den Grundstein jetzt.

Aus der Oberflächentotenmaske des Verwarungsglobus,
Der die Erde zukunftslos übergrinst,
Kehrt in die dichte Weile der
Erde selber zurück und beginnt die Zukunft von vorn.
Träumt ihren Schlummer weitheriger mit,
Bis aus dem Traum sie morgenrötlich erwacht.
Harrend des anderen Anfangs hegt
In der Rêveprairie der Seelenriten
In den wunden Punkt eingelauscht
Ihren notwendigen Fehl,
Bis ihr Regenbogen
Über dem Anfang steht.

Werner Schwarzanger