Tee mit viel Zucker

Eine Kriminalgeschichte in fünf Teilen

1. Teil

Es war ein einem trüben Novembermorgen. Der Himmel hing grau und schwer über der Welt. Auf dem alten Birnbaum, im Garten hinter dem Haus, saß eine Krähe. War sie ein Zeichen für Kommendes? Wer weiß das zu sagen. Und hätte es etwas geändert, hätte ich dieses Zeichen zu deuten gewusst? Unwahrscheinlich.

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War es nicht erst gestern,

dass ich Sandkuchen backte,
im Puppenhaus,
dem hölzernen …
dass ich Prinzessin spielte,
in Mutters Brautkleid,
dem weißen …
dass ich Frau sein wollte,
in zu großen Pumps,
den hochhackigen …
dass ich mit Freunden um die Wette rannte,
auf den Straßen,
den asphaltierten …
dass ich Lesen und Schreiben lernte,
in den Schulen,
den öffentlichen …
dass ich der Erwachsenenwelt den Krieg erklärte,
in Bundeswehrhosen,
den olivgrünen …
dass ich träumte,
mein Leben?
Wann hörte ich auf zu träumen?

© Cornelia Stößel 2020 / November

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Wortlos

Wortkarg war er und wenn er doch das Wort ergriff ein wenig ungeschickt in der Wortwahl. Dabei keineswegs dumm. Anfangs hatte es ihr gefallen, dass er ihr, wortgewandt die sie war, das Reden überließ. Doch irgendwann fing sie an sich über sein verbales Unvermögen lustig zu machen. Was mit kleinen spitzen Bemerkungen anfing, die von Anwesenden mit herzhaftem Lachen quittiert wurden, entartete schnell zu einer Bloßstellung, bevorzugt vor Freunden, vor den wenigen die er hatte, was schließlich zu Wortlosigkeit seinerseits und einer nur noch aus Gewohnheit existierenden Ehe führte. Hinter seiner Verschlossenheit wuchs Hass. Dieser unterdrückte Hass befeuerte ihre Bosheit und in dieser angespannten Atmosphäre stand er eines Tages vor ihrem Bett.

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