Bahnausbau: Stadt Bamberg will keine vollendeten Tatsachen akzeptieren

Mitteilung Ursula Sowa (GAL)

Beim Planfeststellungsverfahren für den Bahnausbau zwischen Hallstadt und Zapfendorf könnten Vorentscheidungen fallen. Auf Initiative der GAL stellt sich die Stadt nun quer und fordert ein Entscheidungsmoratorium.

Bericht aus der Vollsitzung

Der GAL-Antrag zum Planfeststellungsverfahren Hallstadt-Zapfendorf stieß in der letzten Vollsitzung des Stadtrats auf offene Ohren und wurde einstimmig angenommen. Wir hatten beantragt, die Stadt Bamberg müsse sich beim Planfeststellungsverfahren positionieren und diese Stellungnahme dem Stadtrat vorlegen. Die Stadt Bamberg ist zwar nur auf einer Strecke von 200 m tangiert, aber gerade in Bambergs Norden werden die wortwörtlichen Weichen gestellt, ob die Ausbaustrecke mitten durch Bamberg auf der bestehenden Achse geführt wird oder doch östlich neu gebaut wird. Diese Varianten werden derzeit noch auf ihre Machbarkeit überprüft und erst am 27. November im Stadtrat vorgestellt, während die Frist für die Eingaben zur Planfeststellung schon einen Monat vorher (30. Oktober) endet. Der GAL-Antrag hatte also einen ganz konkreten Hintergrund – Handeln war angesagt, und zwar jetzt.

Das positive Ergebnis: Die Stadt Bamberg wird tatsächlich eine Stellungnahme abgeben, die sich eindeutig dagegen wehrt, dass vollendete Tatsachen geschaffen werden, vielmehr „muss zunächst eine endgültige Trassenentscheidung abgewartet werden, bevor das Planänderungsverfahren weitergeführt wird.“ Des weiteren wird die Ableitung des Oberflächenwasser als ungelöst kritisiert, die unklaren Grundstücksvereinbarungen, der unzureichende Immissionsschutz und die Trinkwassergefährdungen.

Auf Vorschlag der GAL wurden noch zwei weitere Aspekte aufgenommen, nämlich die Einhaltung des barrierefreien Zugangs zu den Bahngleisen auf der Gesamtstrecke und die Forderung nach einer Baulogistik während der jahrelangen Bauphase, die Lärmschutz und Gebäudeschutz verankert. Und auch die Interessen der Bamberger Gärtner wurde gestärkt, indem die Forderung nach Beteiligung unterstützt wurde.

Alles in allem: erfreulich, dass die Verwaltung unseren Antrag positiv aufgegriffen und der Stadtrat sich einstimmig hinter die genannten Forderungen gestellt hat!

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5 Gedanken zu „Bahnausbau: Stadt Bamberg will keine vollendeten Tatsachen akzeptieren

  1. Ich bin Betroffener und wohne ca. 100 m vom Gleis am Distelweg.
    Ich kann nicht einordnen wie eine Mauer das Welterbe unserer geliebten Heimatstadt schaden soll.

    • Sie können es wahrscheinlich deswegen nicht einordnen, weil Sie nicht wissen, dass ein nicht unerheblicher Anteil am Weltkulturerbestatus den Gärtnervierteln und dem Gärtnerland zu verdanken ist. Barock gibt es fast überall. Gärtnerkultur wie in Bamberg ist da schon seltener.

    • Sagen Sie das mal der Bahn und dem Verkehrsministerium!
      WIR wissen das und können sogar beweisen, dass die Strecke unwirtschaftlich ist. Doch was hilft uns das wirklich? Richtig – NICHTS

      Fragen Sie doch bitte mal die Bamberger CSU, FW und SPD, warum sie mit aller Macht mitten durch die Stadt und mitsamt den Umweltvereinen FÜR die unqualifizierten, alten Bahnpläne und FÜR Wände mitten durch die Stadt kämpft. Sogar gegen den Willen der allermeisten Bürger – sogar mit Hilfe von falschen Behauptungen! Manche (nicht Alle) lehnen selbst die neutralen Gutachten ab. Fragen Sie mal – ihnen werden die Ohren klingeln.

      Vielleicht hilft eine Denk-Aufgabe:
      WARUM fordert ausgerechnet die Partei mit den Umwelt-Fachleuten, eine exakte Untersuchung der Umfahrung in Tieflage? Vielleicht weil man das Ausmaß aller Zerstörungen fachlich abwägen sollte, bevor man sich entscheidet? Aber scheinbar ist Wahlk(r)ampf wichtiger als Verstand und Weitblick. Sogar wichtiger als die Zukunft unserer Kinder?

      Eine kleine Hoffnung sind die zig-tausend Einwendungen im Landkreis. Wir wissen darüber hinaus von einem ganz besonderen Einspruch eines Spezial-Anwalts für Bahnrecht von rund 100 Seiten (einhundert!). Dort wird sogar die Vernichtung der alten Pläne gefordert und mit Strafanzeige wegen Umweltzerstörung in Schutzgebieten gedroht! (Flussverlegung bei Ebing)

      Warum man von den sonst so aktiven „Umweltvereinen“ darüber rein gar nichts hört, können wir Ihnen jedoch nicht erklären. Auch das ist höchst seltsam und kann mit fehlenden Spenden aus dem Landkreis kaum erklärt werden.

      • Ich brauche niemanden zu fragen, denn mir ist die Lage seit Langem klar. Vielen Betroffenen fällt eben erst jetzt auf, was für eine Schneise der Zerstörung durch das Land getrieben wird. Das ist doch immer so. Hauptsache nicht vor meiner Tür. Ich bin selbst nicht direkt betroffen, setze mich aber für einen kompletten Baustop ein. Das ist Verantwortungsbewusstsein und ein Blick für die Zukunft kommender Generationen, nicht für die Zukunft einer bestimmten, monetär ausgerichteten Generation.
        Im Umland steht man den Umweltschützern sowieso sehr sketisch gegenüber. Kein Wunder, dass das Engagement sich da in Grenzen hält. Bahnausbau passt ja auch gewissermassen ins Konzept. Die Naturzerstörung nimmt man da wohl hin. Ein Verbrechen. Im Umland hält man es mit der vermeintlichen Heimatpartei. Was für ein Irrglaube.
        In diesem Sinne.

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