Public Viewing: Stadtrat und Innenstadtbewohner in der Zange der Veranstalter

 Redaktion
PublicViewing am Maxplatz

PublicViewing am Maxplatz. Foto: Christiane Hartleitner

„Leben findet Innen statt“ – ein Bekenntnis, das nicht nur Jahrhunderte Jahre alt ist, sondern in Bamberg zum Motto eines ganzes Viertels wurde, dem Sand („Leben findet Innenstadt“). Lebensmodelle und Grundbedürfnisse werden tangiert, wohnen, arbeiten und feiern sowieso. Ansätze einer Diskussion gab es reichlich, doch scheuen die Verantwortlichen bislang grundsätzliche Überlegungen. Die Belastung der Innenstadtbewohner ob der zunehmenden Eventisierung des öffentlichen Raums sind unbestritten, daher war das Ansinnen nach einer Entzerrung und die Suche nach weiteren Standorten für geplante Events ein Fortschritt. Nicht nur Betroffene schalteten sich ein, sondern auch Bürgervereine »Profiteure sind nur die Veranstalter«. Doch die am kommenden Mittwoch anstehende Diskussion über die WM-Meile zeigt, dass vor allem die Veranstalter den Ton angeben. Von einer Abwägung von Interessen aller Betroffenen ist man weit entfernt.

Die Suche nach Alternativen orientiert sich an den Wünschen der Veranstalter

Bereits die Suche nach etwaig anderen Standorten zeigt die Orientierung vor allem an den Vorstellungen der Veranstalter. Das Fuchspark-Stadion fällt als Eventlocation raus, weil es lediglich 5.000 Besucher aufnehmen kann, eine Rendite für den Veranstalter aber erst ab 7.000 Besuchern zu verzeichnen ist. Von einem neuen Sicherheitskonzept und Investitionen ist da die Rede. Auch die Brose-Arena fällt durchs Raster, weil die Beschwernisse für die Veranstalter schier unüberwindlich sind. Die Jahnwiese hält die Verwaltung grundsätzlich für geeignet, doch wieder macht der Veranstalter Einsprüche geltend, wie Erreichbarkeit, Aufbau einer Notbeleuchtung. Man hat sich so schön am Maxplatz eingerichtet und will nicht umziehen – sollen doch die Anwohner wegziehen.

Es geht um die Übertragung von mindestens 3 Spielen (Montag, 16. Juni 2014, 18 Uhr gegen Portugal / Samstag, 21. Juni, 21 Uhr gegen Ghana und Donnerstag, 26. Juni, 18 Uhr gegen die USA) und maximal 7 Spiele, je nachdem wie die deutsche Elf sich durchs Turnier kickt. Maximal drei Mal kann sich das Ende des öffentlichen Gemeinsamsehens und -feierns bis 1 Uhr in der Frühe hinziehen. Soviel zum Fußball, Basketball kommt mit 1-3 Spielen noch dazu.

Fußball-WM von „herausragendem öffentlichen Interesse“

Laut der Bundesregierung ist die Fußball-WM von „herausragendem öffentlichem Interesse“. In der Konsequenz schafft sie mit der „Verordnung über den Lärmschutz bei öffentlichen Fernsehdarbietungen im Freien über die Fußball-WM 2014“ analog zu den Weltmeisterschaften 2006 und 2010 Ausnahmevorschriften, mit denen der Lärmschutz für die Zeit der WM gelockert ist. Beim privaten Fernseh-Schauen gelten die allgemeinen Lärmschutzvorschriften. Die Atmosphäre des Public-Viewing kommt dabei der im Stadion oft nah – und der Geräuschpegel ebenfalls.

Die Bamberger Online Zeitung hat gut Schreiben, sie ist keine Veranstalterin

Beim Public Viewing geht es um gute Presse für den angeschlagenen Oberbürgermeister. Er ist auf positive Berichterstattung angewiesen. Mehr denn je. denn seine SPD hat bei den Stadtratswahlen gerade mal eben die Stärke der Fraktion halten können. Citymanager und Wahlkampfmanager der SPD Klaus Stieringer hat sich nicht als DER Stimmenbringer erwiesen, den man vielleicht von ihm erhoffte. Er schob sich zwar vom 7. auf den 3. Platz vor, doch vor ihm brillierte der ehemalige Fraktionsvorsitzende Heinz Kuntke mit über 10.700 Stimmen, rund 20 % mehr als Stieringer. Da hatte selbst der Junggärtner und Neueinsteiger Sebastian Niedermaier noch einen besseren Lauf (von Platz 9 auf Platz 2) und bestieg das Siegertreppchen noch vor Stieringer.

So spricht Radio Bamberg von einem „Kompromissvorschlag“, das Konversionsgelände wird ins Spiel gebracht, eine Dauerlösung wird auch dort nicht zu erwarten sein. Doch es ist kein Kompromiss, sondern zu 100% die Umsetzung der Veranstalterwünsche. Alle Übertragungen mit Beteiligung der deutschen Mannschaft sollen am Maxplatz stattfinden. Natürlich müssen sie Security-Personal einsetzen, das sind Vorschriften.

Mischa – nichts ist alternativlos! Auch und gerade der Maxplatz nicht! Denn der gehört allen Bambergern an 365 Tagen im Jahr

Vorsorglich teilt Radio Bamberg-Geschäftsführer Mischa Salzmann, der Veranstalter des Public Viewing, schon mal mit: „Zunächst freuen wir uns, dass die Verwaltung nach Abwägung aller Vor- und Nachteile unserer Argumentation gefolgt ist: der Maxplatz ist derzeit als Standtort für die Fanmeile alternativlos.“ Mischa, nichts ist alternativlos! – würden wir antworten, das musste auch Angela Merkel begreifen. Denn gerade der Maxplatz als der zentrale öffentliche Raum ist strapaziert ob der Eventisierung, jegliche Aufwertung der Aufenthaltsqualität wird mit solch einer Anmaßung im Keim erstickt. Radio Bamberg ist Hauptveranstalter und -verdiener des Public Viewings. Es geht vor allem ums Geld, da sollten wir uns nichts vormachen … und der auf positive Berichterstattung angewiesene Oberbürgermeister drückt mit am Hebel.

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Events am Maxplatz: Wo die CSU Recht hat, hat sie Recht / Events in der Innenstadt: Das sagen die Innenstädter / „Starkes Event-Management“ lässt die Korken knallen / Event oder ein ganz normales Straßenfest? / Bamberg übt den Mauerbau / Nun öffentliches „Hearing“ zu den Veranstaltungen in der Innenstadt / Veranstaltungen in der Innenstadt – Stadtrat beschließt mehr Aufgaben für die Verwaltung und für die Betroffenen / Sinn und Unsinn von Umfragen / Bürgerbeteiligung – das LippenbekenntnisKritische Anmerkungen zu „Die Nacht gehört uns“ / „Meine Nächte gehören mir“ – Studenten gründen Initiative gegen die Sperrstunde

21 Gedanken zu „Public Viewing: Stadtrat und Innenstadtbewohner in der Zange der Veranstalter

  1. Als Anwohnerin am Maxplatz schlage ich Herrn Salzmann vor, einfach während der WM in meine Wohnung zu ziehen und sich diesen Fußballterrorismus live vor Ort zu geben! Ebenso möchte ich die Stadträte dazu aufrufen, die für diese Veranstaltung gestimmt haben. Offensichtlich muss man das Elend immer am eigenen Leib erfahren, bevor man die Interessen der Anwohner verstehen kann.
    Die Jahnwiese ist eine perfekte Alternative, denn wenn man dort ein Holifestival veranstalten kann, dann auch Public Viewing.
    Es ist eine Tatsache, dass die Veranstaltungsdichte am Maxplatz für die Anwohner mittlerweile nicht mehr zumutbar ist.
    Und wer fordert, dass man als Anwohner wegziehen soll, von dem möchte ich hören, was er sagen würde, wenn man dieses von ihm gleichermaßen forderte. Allein diese Forderung ist eine bodenlose Frechheit und zeugt von großer Ahnungslosigkeit, wie gutes Innenstadtleben zustande kommt und stattfindet. Bestimmt nicht durch betrunkene Fußballfans, die nachts grölend durch die Straßen ziehen!

  2. Sehr schwaches Catering; zur Halbzeit kein Radler mehr und die Verpflegung mit einem Pizza Stand ein totaler Witz!
    Dem Veranstalter gehört mal ein gewaltiger A…tritt verpasst, dass so eine Veranstaltung mit solchen Amateuren zugelassen wird!

  3. Von „herausragendem öffentlichem Interesse“ und „alternativlos“ das sind Floskeln die der Bevölkerung nahelegt werden, damit sich das Hirn auszuschalte, da andere ja schon für sie gedacht haben. Genau wie damals „alternativlose Banke(rte)nrettung“, „systemrelevant“ u.a. demagogische Begriffe, was? Klingelt´s?

    Die Sportveranstaltungen werden zum Betäuben der Hirne staatlich gefördert, damit über wirklich wichtige Themen im Land nicht nachgedacht werden kann. Lieber Sportgroßveranstaltungen, schön konsumieren und Klappe halten. Dabei noch denen die sich einen Restkopf bewahrt haben den Schlaf rauben und die Innenstadt ganzjährig vollwerben; und wenn sie sich wehren wollen, ihnen Spaßbremsigkeit und Kurzsichtigkeit vorwerfen. Herzlichen Glückwunsch zu der Logikkette.
    Aber mit einer neuerlichen Gentrifizierungsfraktion voller Breitseite im Rathaus, hat sich das der Bürger ja auch neulich wieder sauber erwählt. Vielen Dank auch!

  4. Public und private viewing: sehen und gesehen werden: muss in stadt & land sein:
    auf dem max- & domplatz sein
    aber:
    wenn es technisch möglich ist lärm zu erzeugen, so ist es auch möglich public-viewing-noice z.b. nur auf den maxplatz zu beschränken.
    das wäre durchaus ‚machbar‘: man verhängt alle fassaden mit schallabsorbierenden folien, die auch als werbeträger für bamberger hörakustikgeschäfte bzw. ohrenärzte oder für veranstaltungen vom typ ‚kultur der stille‘ verwendung finden könn(t)en.
    schrägschnitt

  5. Der Staat soll für seine Bürger da sein. Rund 10.000 Bamberger wohnen zwischen Dom und Bahnhof. Familien, Berufstätige, Alte und Studenten. Nicht alle sind an den Sportereignissen interessiert. Sie alle brauchen jedoch ihren Schlaf. Es muss eine Entzerrung erreicht werden. Die Jahnwiese ist groß und fußläufig sehr gut erreichbar, mit dem Fahrrad sowieso, für Autos ist dort ebenso Platz: demnach eignet sie sich als Ort für gemeinsames öffentliches Sportschauen, Freuen und Jubeln. Ob überhaupt angesichts der späten Stunde sooo viele Fans gemeinsam schauen, ist fraglich. Durch die späte Stunde eignet sich die Jahnwiese umso mehr.

  6. Kaum sind Stadtratswahlen vorbei: Schon geht es wieder los, Minderheiten an die Macht. In ein paar Monaten wird Stadtrat wieder anfangen, über die Südliche Promande zu reden. Weil die Busse da weg müssen, genauso wie die Events am Maxplatz. Kein Wunder: Das 56% der Bürger in Bamberg, nicht gewählt haben.

    • dafür haben wir ja dann solche schlaumeier wie sie.

      wer busse an der promenade gut findet, hat wohl den knall noch nicht gehört, der in seinem kopf am stolpern ist. die südliche promenade ist ein paradebeispiel einer starken augen-zu-politik der stadt. dort fahren ja auch alle autos rein und wieder raus – trotz verbote. und von den stinkenden, dreckigen bussen aus ganz osteuropa mit laufenden motoren redet hier auch schon lange keiner mehr.

      da sind die events nur ein langweiliges dauerthema weil sich die veranstalter weigern, bessere plätze zu suchen.
      mir wäre es zu unbequem und zu schmuddelig, teuren eintritt und fremdartige essen 2. qualitätsniveaus ertragen zu müssen. da suche ich lieber eine der vielen kneipen, die unter der gewinnsucht des veranstalters leiden müssen.

      aber von irgendwas muss ja dieses kränkelnde medienhaus leben, oder?

      • Erst neulich im Stadtrat: TKS-Führer Christel weiß ganz genau: in Bamberg generiert der Tourismus 5.000 Arbeitsplätze. Die hat er zwar nicht gezählt, aber er weiß das halt. Da er das so genau weiß, will ich es genauer wissen: Wieviele dieser Arbeitsplätze sind sozialversicherungspflichtige Vollzeitarbeitsplätze? Wieviele Teilzeit? Wieviele Ein-Euro-Jobs? Wieviele studentisch? Wieviele schwarz? Also Herr Christel, wie siehts aus? Da Sies so genau wissen, wirds ja kein Problem sein, die Statistik vorzulegen, aus der Sie ihr so exaktes Wissen schöpfen! 225,4 Mio. Umsatz soll der Tourismus in Bamberg bringen. Das ergibt nach Ihren Worten 1,2 Mio. Gewerbesteuer. Sie finden das toll, herausragend, klasse. Ich sage, das sind gerade mal ca. 0,5 %.

        • Sorry, zu früh den Knopf gedrückt. Ca. 0,5 %. Könnte das auch daran liegen, daß z.B. die meisten Flußtouristen-Gästeführungen vom Nürnberger Verein “Geschichte für alle” oder selbst mitgebrachten Führern gemacht werden, oder daß die Flußtouristenbusunternehmer ihr Gewerbe womöglich nicht in der Stadt angemeldet haben? Sind ja nur mal so Fragen.

        • die südliche promenade ist auch einbahnstraße – interessiert aber keinen.

          an der südlichen promenade ist pkw-verkehr vom sogar verboten – interessiert aber keinen.

          nicht die polizei, oder parkgebühren-räuber und schon gar nicht die touri-bus-fahrer, die neuerdings auch noch angelockt wurden. als wenn die flusstouris (boat-people? wer sagt denn so nen quatsch?) nicht schon reichen würden.

          • Bei soviel selbstgefälliger Arroganz muß es sich bei „moe“ um einen Eunuchen handlen: Ständig über etwas daherschwätzen von dem er selbst keine Ahnung hat.

          • Von Minderheiten wie den lieben Braun und Merger braucht man sowieso hören.

  7. Wer den Maxplatz „unter Abwägung aller Vor- und Nachteile als alternativlos“ bezeichnet, muss Scheuklappen an den Augen haben. Dass das ein Verantalter nur aus seiner Brille sieht, ist noch verständlich, aber der Stadtrat hat nicht die Interessen der Veranstalter zu bedienen!

    • Teile des Stadtrats bezeichnen auch die südliche Promenade als „alternativlose“ Bushaltestelle und schicken tausende und tausende von Bussen dorthin quer durch die Stadt mitten ins Welterbe und wieder zurück in den Hafen. TKS und Gästeführer sagen: das muß so sein. Muß das sein? Die denkmalgeschützten Häuser an der südlichen Promanade werden dafür jedenfalls rücksichtslos zerstört. Ausgerechnet die, die maßgeblich von Welterbebauten leben, nehmen ihre Zerstörung für schnellen Gewinn in Kauf, und TKS-Christel und BGM Hipelius kommen aus dem Jubeln über den tollen Erfolg gar nicht mehr heraus. Ein Irrsinn. Wo wohnt der Christel eigentlich? Sieht der, was dort los ist, oder lebt er lieber beschaulich am Land?

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