Events in der Innenstadt: Das sagen die Innenstädter

Redaktion

„Events in der Innenstadt: Das sagen die Bamberger“ – so titelt der FT den Bericht über die von ihm selbst in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage, die vom Bamberger Centrum für Empirische Studien BACES durchgeführt wurde. Der FT gab die Fragestellungen vor, das Institut beriet dabei. Die Studie finden Sie hier.

Events in der Innenstadt: Das sagen die Innenstädter – so berichten wir, denn die Innenstädter sind die Genießer und Leidtragenden gleichzeitig. Sie dürfen die Musik vom Wohnzimmersessel aus hören – ob sie wollen oder nicht. Sie erfahren die Sportergebnisse und den Jubel, auch wenn sie gerade Kinder ins Bett bringen. Innenstädter sind wohl besondere Menschen: entweder sind sie es, weil Mama, Oma oder Uroma es schon waren, vielleicht auch weil sie ihre Wohnung und/oder die kurzen Wege lieben, weil sie keine Lust aufs Autofahren haben, vielleicht auch einfach weil Bamberg so lebenswert ist. Wahrscheinlich treffen mehrere Punkte zu.

19,7 % der Befragten sind Innenstädter

In jedem Fall gibt es jede Menge Innenstädter, einige Tausend im Innersten, um die 10.000 zwischen Dom und Bahnhof. Die Telefonumfrage sprach mit insgesamt 1.107 Bambergern (218 Innenstadt, 170 Berggebiet, 107 Gartenstadt, 103 Gaustadt, 232 Ost, 82 Wunderburg, 195 Sonstige).  19,7 % der Befragten sind demnach Innenstädter und somit mehr und auch weniger stark Betroffene.

Grundsätzlich, so Dr. Juhász vom BACES, gehen die unmittelbar Betroffenen zwar seltener zu Veranstaltungen, meiden sie aber nicht grundsätzlich. Die Sandkerwa gilt als die beliebteste Veranstaltung. Es gibt Veranstaltungen, die Innenstadtbewohner vermehrt als der Durchschnittsbamberger besuchen, das sind neben der Sandkirchweih, Bamberg zaubert, Straßenfest Lange Straße, Weltkulturerbelauf, Blues- und Jazzfestival, besonders Canalissimo, auch der Antikmarkt gehört dazu. Laut Juhász sind das vornehmlich solche, an denen die Anwohner sowieso vorbei kommen. Weniger gern als der Durchschnitt gehen die Innenstadtbewohner zum Bamberger Fasching und zu den Public Viewings Fußball und Basketball.

Zudem stelle er – im Vergleich zu den anderen Befragten – eine große Skepsis der Innenstädter ob der Attraktivitätssteigerung ihrer Innenstadt fest. In den offenen Fragen sei dies zum Ausdruck gekommen. Uns fällt auf, dass nur der Antikmarkt bei den Innenstädtern beliebter ist als bei der Gesamtheit der Befragten (S. 6).

Absolut gesehen hat eine große Zahl der Innenstadtbewohner eine erhöhte Schutzbedürftigkeit (S. 9, 11). 77 % aller Befragten sprachen sich dafür aus, dass die Bürger in Entscheidungen bzgl. der Veranstaltungen miteinbezogen werden sollten. 71 % erkannten, dass die Veranstaltungen eine Belastung für die Innenstadtbewohner darstellen, gleichzeitig meinten 68 %, dass die innerstädtischen Veranstaltungen die Lebensqualität der Stadtbewohner erhöhen: ein Widerspruch? Nein, meint Dr. Juhász, denn die Veranstaltungen, die ohne Lärm sind, funktionieren wunderbar und würden von den Bewohnern auch angenommen. So würden ja auch einige Veranstaltungen von der Bürgerschaft selbst ausgerichtet, wie die Sandkirchweih, der Antikmarkt und der Welterbelauf.

Mit Urin, Erbrochenem, Müll und Lärm durch feiernde Personen verursacht, sehen vor allem die unter 35 Jährigen darin weniger ein Problem als die Altersstufen darüber. Doch mehr als die Hälfte der Befragten sieht darin ein großes bis sehr großes Problem. Darüber hinaus plädieren Innenstadtbewohner in größerem Umfang für die Kürzung und Verlagerung von Veranstaltungen als der Durchschnitt der Befragten.

Interessant sind die Übereinstimmungen in der Einschätzung, dass es „Probleme in der Innenstadt auch ohne Großveranstaltungen“ (80 %, Innenstadt 83 %) gäbe und dass „mehr auf Qualität als auf Quantität der Veranstaltungen geachtet werden sollte“ (75 %, Innenstadt 77 %). Allerdings meinen nur 62 % der Innenstadtbefragten, dass mehr Sicherheitspersonal eingesetzt werden muss, wohingegen der Durchschnitt mit 71 % dieser Meinung war. 65 % der Innenstadtbefragten meinten, dass Raucher vor Gaststätten Lärm machen, wobei der Durchschnitt bei 60 % liegt. Einig, nämlich bei 58 %, war man sich, dass Anwohner mehr Ruhe und weniger Belästigung verdient hätten.

Die Diskussion ist nun eröffnet. Dass es ein Problem gibt, steht fest, dass es gelöst werden kann, dürfte möglich sein. Innenstadtbewohner sind keine Veranstaltungsmuffel, brauchen aber Ruhephasen, wie jeder. Nicht alle Veranstaltungen sind gleich beliebt und wohl auch nicht gleich geeignet für eine bewohnte Innenstadt. Laut Citymanager Klaus Stieringer hat Bamberg die höchste Veranstaltungsdichte Bayerns nach München. Die bayerische Landeshauptstadt hat 20 Mal mehr Einwohner. Ob sich Bamberg etwas Gutes tut, hier mithalten zu wollen, sollte hinterfragt werden. Um differenzieren zu können, wünscht man sich ein Profil von jeder Veranstaltung (Dauer, Lärm, Kosten, Gewinn für die Gemeinschaft bzw. Händler).

Damit kann ein Abwägungsprozess stattfinden und der Frage nachgegangen werden: Was geht und was geht nicht?

4 Gedanken zu „Events in der Innenstadt: Das sagen die Innenstädter

  1. Was nutzt den Bewohnern ,beispielsweise in der Letzengasse ein abzuarbeitender Katalog, um ihre Anwesen urinfrei zu halten?
    Danke Bürokratiedenken.
    Die Veranstaltungen an sich sind doch nur ein Problem für relativ wenige direkt im Umfeld Wohnende. Das weitere Umfeld der Veranstaltungen in Begleitung mit dem Sozialverhalten der Besucher stellt die Gesellschaft meines Erachtens nach vor die größere Herausforderung.
    Als einer der Befragten der Studie (ich wohne nicht im direkten Umfeld) kann ich anmerken, dass die Studie alleine von der Fragestellung her nicht unbedingt geeignet war, relevante Daten zu gewinnen.

    • sehr viel, wenn man bei veranstaltungen mehr toiletten aufstellt, so wie es bei der sandkerwa zueltzt war.
      denn die bamberger toiletten werden ja zwischen 20 und 21 uhr schon dicht gemacht.

      übrigens war ausgerechnet der samstag vorm welterbelauf der lauteste abend der letzten zig jahre. das war wie durch zauberei fast doppelt so laut wie das jazzfest! veranstalter war der scheinheilige prediger müller – welch ein zufall?
      außerdem war die müllabfuhr für sonntag nachmittag gar nicht eingeteilt und deswegen sah die innenstadt auch viel zu lange wie ein schlachfeld aus

  2. In der heutigen Sitzung des Stadtrates wird der seit März vorliegende Prüfkatalog der Verwaltung vorgelegt. Diesen Katalog muss ab März jeder Veranstalter abarbeiten….hier geht es um die ordnungsrechtlichen Fragen…das ist ein Schritt zu mehr Transparenz..das ist sehr gut, was mir aber dabei fehlt, sind qualitätssichernde und kulturpolitische Aspekte…ich werde dies einbringen…und hoffe auf Unterstützung der anderen Fraktionen.

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