Denk mal weiter: Gartendenkmalpflege

Christiane Hartleitner

Wie gut, dass es die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg gibt. Seit der Diskussion um den Umgang mit dem Gartendenkmal der Villa Schröppel – deren „denkmalpflegerische“ Sanierung soll heute nicht Thema sein – müht sie sich um Aufklärung und erinnert an gesetzliche Vorgaben im Umgang mit historischen Gärten (die vergleichbar mit denen für Baudenkmale sind). Die Schutzgemeinschaft hat ihre letzten beiden Publikationen diesem Thema gewidmet – ein Thema, das besondere Aufmerksamkeit vor allem in Bamberg verdient. Denn schließlich ist Bamberg auch Dank seiner jahrhundertealten Gärtner- und Gartentradition zu Recht zum Welterbe erklärt worden. Den Gärtnern widmet man sich mit Hingabe, doch auch die Gartenanlagen haben diese verdient. Die Autorin hat in 2010 die historischen Gartenanlagen am Schiffbauplatz mit Hilfe des Bauforschers Arnold Kreisel vermessen und dokumentiert und ging der Tradition der Bamberger Kunstgärtner nach, die bereits ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer wieder an Internationalen Gartenschauen, ja Weltausstellungen, teilnahmen, nachzulesen in „Heimat Bamberger Land“ 1/2010. Ambitionierte Anregungen trafen in Bamberg auf ebenso ambitionierte Kunstgärtner und potente Auftraggeber. Deren fruchtbares Miteinander brachte seinerzeit die Bamberger Gartenkunst auf internationales Niveau, der Name Gustav Haeberle spielt hierbei eine wichtige Rolle. Umso bedauerlicher, dass dessen Gartengestaltung am Michelsberg 8e, im Schröppel-Garten, jüngst vernichtet wurde (Villa Schröppel: ehemals ein Kleinod am Michaelsberg 8e – Garten kaputt saniert).

Der Wegbereiter der Gartendenkmalpflege hielt Fachvortrag

Nun ist es der Schutzgemeinschaft gelungen den deutschen Gartendenkmalpflege-Papst für einen Vortrag nach Bamberg zu holen: Dr. Klaus von Krosigk. Von Krosigk baute das erste Fachreferat für Gartendenkmalpflege in der Bundesrepublik Deutschland in Berlin auf und wurde Gartenbaudirektor in Berlin. Seit 1993 ist er Mitglied des International Committee of Historic Gardens and Landscapes (ICOMOS-IFLA) und viel Jahre Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst und Landschaftskultur e.V. (DGGL), zuvor 10 Jahre lang als Vorsitzender des Arbeitskreises „Historische Gärten“ der DGGL. 1994 wurde er zum Stellvertretenden Landeskonservator von Berlin ernannt. Zahlreiche Fachpublikationen im In- und Ausland säumen seinen Weg. Von Krosigk ist Mitglied der Wissenschaftlichen Kommission der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

An seinen jahrzehntelangen Erfahrungen ließ er das Bamberger Publikum teilhaben, führte sie in die praktizierte Vorgehensweise ein: deren Wert erkennen, mittels wissenschaftlicher Forschung untersuchen und die Durchführung begleiten. Als Berliner Gartenbaudirektor konnte er zahllose historische Gartenkunstwerke wiederbeleben, wie in Glienicke, im Tiergarten, auf den vielen alten Friedhöfen und den zahlreichen städtischen Schmuckplätzen ebenso wie in privaten Villen- und Landhausgärten in allen Bezirken.

Glienicker Brücke. This image is available from the United States Library of Congress's Prints and Photographs division under the digital ID ppmsca.00362

Glienicker Brücke. This image is available from the United States Library of Congress’s Prints and Photographs division under the digital ID ppmsca.00362

Immer wieder waren wissenschaftliche Studien Grundlage der praktischen Arbeiten: Veduten, Aquarelle, Planzeichnungen, jegliches verfügbares Bildmaterial ergänzte fundamentales gartenhistorisches Wissen und war Grundlage denkmalpflegerischen Vorgehens. Während seines Vortrags durfte man über die Havellandschaft den Blick auf die Schinkel-Brücke genießen, Sichtachsen für selbstverständlich erachten sowie die Bedeutung des Pleasure-Ground erahnen. Die Bedeutung der Blickbezüge bekam eine neue Wertigkeit, Grabungen stießen auf die Fundamente der Beete, Wegenetze spannen sich, gartenarchäologische Grabungsprogramme stießen auf historisches Wegenetz, längst vergessene Baumstumpen wurden gesucht und gefunden.

Tiergarten

Tiergarten

Auch bei der Erstellung des Parkpflegewerks für den Großen Tiergarten waren historische Pläne Ausgangspunkt der Durchdringung der Gesamtanlage und ihrer Zusammenhänge. Das barocke Alleensystem in feiner Kombination mit einem weitläufigen Landschaftsgarten konnte so interpretiert werden, Plätze wieder hergestellt werden.

Der Pariser Platz in Berlin mit Brandenburger Tor. Foto: Manfred Brückels (CC BY 3.0)

Der Pariser Platz in Berlin mit Brandenburger Tor. Foto: Manfred Brückels (CC BY 3.0)

Das Bamberger Publikum wurde an jenem Abend auch an den Pariser Platz geführt, dank sorgfältiger und wissenschaftlich fundierter Untersuchungen war auch hier eine qualitätvolle und wissende Gartendenkmalpflege möglich. Weiter wandelte man durch den Garten der Villa Konschewski.

Villa Konschewski. Foto: Lienhard Schulz (CC BY-SA 3.0)

Villa Konschewski. Foto: Lienhard Schulz (CC BY-SA 3.0)

„Jeder alte Stein wurde natürlich beibehalten.“

Die Praxisberichte waren sehr erhellend, weitreichende Parallelen zur Baudenkmalpflege und dem sorgsamen Umgang mit dem Denkmal deutlich erkennbar. Dem Bamberger Publikum fielen diese Parallelen in der Vorgehensweise auf. Manchem auch, dass im Schröppel-Garten so viel so falsch lief. Im ehemaligen Schröppelschen Anwesen war alles noch vorhanden, die Terrassierung, die Wegeführung, der Baumbestand. Aufmaßuntersuchungen gab es ebenso wie die Durchsicht vorhandener Archivalien (lies Villa Schröppel: ehemals ein Kleinod am Michaelsberg 8e – Garten kaputt saniert). Von Krosigks selbstverständliche Äußerung „Jeder alte Stein wurde natürlich beibehalten“ löste bei so manchem Zuhörer den Wunsch nach einem solchen Fachmann aus, gerade in Bamberg.

Treppe der Villa Konschewski

Treppe der Villa Konschewski. Vorzustand

„Jedes Welterbe braucht Beratung, zusätzlich zur örtlichen Denkmalpflege und der Verwaltung.“

Der Vorzustand der Treppe der Villa Konschewksi kam bekannt vor. Während man in Bamberg die Stufen rausriss und veräußerte, Angeber-Punktbeleuchtung auf die neuen Stufen setzte, den Eingangsbereich zum Kloster aufmotzte – und damit das Aussehen und die Stellung des Grundstücks zum Kloster völlig neu interpretierte – verzeichnete man in Berlin in der Villa Konschewksi „höchstens 25-30% Verlust an Substanz, jeder Stein wurde nummeriert, auf die Seite gepackt und minutiös wieder eingebaut.“ Das Mitglied von ICOMOS-IFLA gab den Rat: „Jedes Welterbe braucht Beratung, zusätzlich zur örtlichen Denkmalpflege und der Verwaltung.“ Diese Beratung möge man im Vorfeld und als ständige Begleiterin denkmalpflegerischer Aufgaben einholen.

Wie gut, dass es die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg gibt. So stieß dessen Vorschlag, die Berliner Gartendenkmalpflege vor Ort zu erkunden, auf große Zustimmung. Man bleibt also am Thema dran. Der Vortrag des Wegbereiters der Gartendenkmalpflege war erst der Auftakt. Der Auftakt zu einer Vortragsreihe (Näheres hier), bei der sich Denkmalpflege-Experten das Mikrofon weiterreichen. Gleich am kommenden Donnerstag geht es mit Prof. Dr. Rolf Snethlage „Denkmalfassaden an Bamberger Verkehrsadern: In Feinstaub und Schadgas gehüllt“ weiter: Save the Date!

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Garten der Villa Schröppel: Muttertag kein „Tag der offenen Tür“ – die Patina reift nur langsam / Schröppel-Villa: Garten derzeit nicht präsentabel / Sachstandsbericht Villa Schröppel im Bausenat: nichts schriftlich /Villa Schröppel: ehemals ein Kleinod am Michaelsberg 8e – Garten kaputt saniert / Gartendenkmalpflege geht anders: Offener Brief der Schutzgemeinschaft – Hätte der FT die Schutzgemeinschaft zuvor kontaktiert, hätte man die eigene, durchaus selbst recherchierte Sicht über die Vorgangsweise bei der Sanierung des Bau- und Gartendenkmals Villa Schröppel darlegen können, die sich im Übrigen mit der von Frau Hartleitner deckt. / Villa Schröppel – Der FT-Artikel von Jutta Behr-Groh: Möge dem geneigten Leser ein Licht aufgehen! Oder: Das Ministerium für Wahrheit hat zugeschlagen – Richtig- und Gegendarstellung tut not. / Sanierung Kloster Michelsberg: FDP fordert Expertenbeirat aus der Bürgerschaft

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