Neues zum „Quartier an der Stadtmauer“

Redaktion

Tatsächlich beschäftigt das „Quartier an der Stadtmauer“ seit Jahrzehnten. Denkmalpfleger, Vereine, Bewohner, europaweit tätige Investoren, ICOMOS, städtische Ämter. In der letzten Bausenatssitzung zu diesem Thema im Januar 2014 vermied der neuer Baureferent Beese es, eine Stadtplanung anzuregen: Quartier an der Stadtmauer: hohe Erwartungen. Eine Stadtplanung, die angemessene Antworten für Neues Bauen im Herzen eines Welterbes betreibt, nämlich relevante Punkte zu diskutieren: Denkmalverträglichkeit, Entwicklung der Stadt mit den räumlichen und sozialen Strukturen, wie das Verhältnis von Wohnen, Arbeiten und Handel, Verkehrsanbindung und Anspruch der Architektur. Eine Abwägung aller öffentlichen und privaten Belange fand nicht statt. So stand auch seine Empfehlung auf wackligen Beinen. Denn nach den von engagierten Vereinen initiierten Diskussionsforen „Neues Bauen in alter Stadt“ und dem fachlichen Austausch bezüglich des Quartiers an der Stadtmauer sind zum einen die Wertschätzung des Areals enorm und der Anspruch auf dessen Gestaltung und Nutzung gereift. Ein Investor, mag dieser auf einzelne Punkte noch so einfühlsam agieren, kann Stadtplanung nicht ersetzen. Ein zentraler Punkt wird künftig die „Durchwegung“ des Quartiers sein. Inwieweit überhaupt eine Änderung des historischen Straßenverlaufs mittels einer Durchwegung dem Stadtdenkmal verträglich, ob sie dem Einzelhandel zuliebe erforderlich ist, welche Folgen dies für das Straßengefüge und die dabei entstehenden Platzwände haben würde, ob eine hierarchische Ordnung der neu zu schaffenden Wege angedacht ist – denn diese sind für die Inselstadt existent mit den Hauptarmen und den schmaleren Gassen – diese Antworten blieb er schuldig.

Die GAL schildert nun den derzeitigen Stand der Dinge aus ihrer Sicht: Hü und Hott beim „Quartier an der Stadtmauer“. Wobei anzumerken ist, dass der Investor „denkmalneu“ Finanzier der Gabelmann-Bühne bei Bamberg zaubert ist: Bamberg hat den Blues: Banker-Immobilieninvestoren-Bühnen, “Kultur zum Nulltarif” und die Bamberger Bratwurst

Mitteilung der GAL
Die Vorstellungen der Stadtratsmehrheit zum Projekt „Quartier an der Stadtmauer“ folgen einem beeindruckenden Zickzack-Kurs.

Hintergrund

Was oder wer reitet eigentlich neuerdings die schwarz-rote Stadtratsmehrheit (CSU und SPD) samt ihrem lila Anhängsel (BuB)? Und werden alle schwarz-rot-lila StadträtInnen gleichermaßen geritten, oder manche mehr, manche weniger, manche gar nicht? Und: Wohin reiten sie eigentlich, und vor allem warum?

Das Quartier an der Stadtmauer (vormals City-Passage, ehemals Metzner-Gelände, heute im Eigentum der Sparkasse) beschäftigt den Stadtrat seit Jahrzehnten. Ein drohendes Bürgerbegehren gegen Planungen für mehrere hundert Parkplätze sowie vehemente Bedenken der UNESCO-Kommission wegen Verunstaltung des Weltkulturerbes verhinderten eine große Einkaufspassage mit weit über 10.000 Quadratmetern Gewerbefläche. CSU und SPD waren damals dafür gewesen. Auch später noch, als 16.000 Quadratmeter für Einzelhandel, Gewerbe und Gastronomie vorgesehen waren, gingen Rot und Schwarz mit.

Doch nun ist alles anders.

In ihrem neuesten Antrag an den Oberbürgermeister fordern CSU, SPD und BuB, dass die Büroflächen auf 1.500 qm und der Einzelhandel auf 1.800 qm begrenzt sein sollen (kein Druckfehler). Stattdessen sei die Wohnnutzung bei 4.000 qm anzusiedeln. Staunen allerorten. Dieser Antrag ist von Ende September 2014 und wird also demnächst im Stadtrat behandelt.

Die zitierten Flächenangaben entsprechen haargenau einem Konzept, das eine auch anderswo in Bamberg aktive Firma (ERBA-Denkmäler, Schaeffler-Gelände) beim Wettbewerb einreichte, den die Sparkasse Bamberg ausgelobt hatte. Der Entwurf war aber ausgemustert worden und nicht – wie zwei Konkurrenten – in die Endausscheidung gekommen. Jetzt soll die Firma Denkmalneu GmbH also über die Hintertür eines Stadtratsantrags wieder ins Rennen kommen, ohne allerdings im Antrag selbst namentlich erwähnt zu werden.

Im Zweckverbandsrat der Sparkasse sind selbstverständlich sowohl CSU als auch SPD mit ihren Fraktionsvorsitzenden Müller und Stieringer vertreten. Die haben jedoch nicht den Antrag ihrer Fraktionen unterschrieben, sondern die Bausenatssprecher/in Dietz und Kuntke. Man fragt sich also schon nach dem Hü und Hott in den beiden großen Bamberger Fraktionen.

Abgesehen davon, dass die rot-scharz-lila-gesprenkelte Initiative schon sehr nach Firmen-Protektion riecht, ist die GAL nicht unbedingt unglücklich über die aktuelle Entwicklung. Denn die Gewerbeflächen zugunsten der Wohnflächen zu reduzieren und auch insgesamt das Projekt abzuspecken, war seit jeher grünes Ziel. Es bleibt spannend, ob es bei der jetzigen Linie bleibt, oder ob demnächst mal wieder auf Zickzack umgestellt wird.

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Nächste Runde “Quartier an der Stadtmauer” / Quartier an der Stadtmauer: Die Bürger fordern Bewahrung der Denkmäler / Quartier an der Stadtmauer: Totgeburt oder Quadratur des Kreises? Gibt es Auswege aus dem absoluten Planungsdilemma? / Quartier an der Stadtmauer – Neue Ideen für ein altes Viertel / Masterplan Innenstadt: Bürgerbeteiligung erwünscht oder nicht? / Ein Desaster: Wenn ein Investor Geschichte erlebbar machen will / Quartier an der Stadtmauer: Landesdenkmalrat wird im Herbst erneut beraten / “Dann sollen sie halt klagen …” / Die Bausünden der Sparkasse / Podiumsdiskussion zu Neuem Bauen in alten Städten / Verraten wir unser Erbe? / Masterplan Innenstadt: Bürgerbeteiligung erwünscht oder nicht? / Verkehr macht Denkmäler kaputt – die Bahn setzt den Weltkulturerbetitel aufs Spiel – die Stadt auch / Welterbe-Zentrum unterm Dach und Shopping-Mall im Basement

4 thoughts on “Neues zum „Quartier an der Stadtmauer“

  1. Das Quartier an der Stadtmauer als neuestes Jagdgebiet. – Wann wird den Bambergern endlich bewußt, daß die Stadt von einigen Machtmenschen und Selbstdarstellern in Geiselhaft genommen wird und deren Lobbyisten und Freunderlwirtschaftern die Bälle zugespielt werden, daß es einem schlecht wird. Die Herren Starke und Stieringer, beide kennen sich ja noch aus Bremen, kümmern sich in rührender Weise um die Belange der Stadt, wie etwa deren Entwicklung und deren Vorarbringern: Bei Denkmalneu hat nur das Denkmal im Namen was mit Denkmal zu tun. Der Rest ist Abbruchmaterial, siehe Schäffler 2.0. Wieso wird dieses künftige neue Gereuth als Denkmal vom Steuerzahler subventioniert und den Kunden die in dortigen Buden dann noch derart teuer verkauft? Wie schön, daß auch der als MdB gestrandete Denkmalneu-Angehörigen Sebastian Körber hier so gut daran verdient. Man kennt sich halt.

  2. Zur angesprochenen Firmenprotektion hier ein Kommentar zu einem Artikel der Freien Webzet zu dem Thema:
    „Was ich sehr interessant finde: die SPD-Fraktion wird ja vom Klaus Stieringer geführt,der somit quasi der Chef vom Heinz Kuntke ist. Daneben ist er aber auch bekennender Freimaurer und gemäß dem Grundsatz der Brüderlichkeit zur Fürsorge gegenüber den anderen Freimaurern verpflichtet. Zu denen gehört übrigens auch der ehemalige MdB Sebastian Körber (https://www.winkelmass-das-magazin.de/shop/VERANSTALTUNGEN/QC-Tagung-in-Bamberg.html).Der ist darüber hinaus auch Gesellschafter der Denkmalneu GmbH (Denkmalneu.com/Personen)…“

  3. Es sollte so viel hstorische Bausubstanz wie möglich erhalten werden, auch das Haus „Da ma Eck“ (von mir aus Aufstocken, das wäre okay), auch das alte Fabrikgebäude, auch die Häuser an der Hellerstraße.

    Selbst beim modernen Frontbau der Sparkasse sehe ich den Abriss nicht zwingend, er fügt sich wenigstens einigermaßen in die Umgebung ein.

    Mit moderner Klotzbebauung ist die Inselstadt nun wahrlich genug verunstaltet – C&A-Gebäude, Kreiswehrersatzamt, Bau der Sparkasse am Schönleinsplatz,..

    Wer etwas Abreißen will: Es gibt da so einen Klotz neben dem Bahnhof, der gerade leersteht…

    • abreissen geht ned.
      das ist doch ne schallschutzwand fürs landratsamt. oder umgekehrt?

      außerdem dürfen da doch die stadträt gar ned abstimmen. jeder von denen haben a konto dort und viele sogar nen kredit. die müssen quasi der spaßkass nach der pfeiffe tanzen.

      das sieht ma schon an dem schwachsinn vom schönleinsplatz. der war illegal aber das wurde im sinne der finanzen unterm teppich gekehrt. so läuft stadt-verplanung

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