Besonderheiten im Bamberger Wahlkampf, Teil 2

 Redaktion

Die Basis der SPD revoltiert

Offensichtlich ist die SPD-Basis mit der Ein-Personen- und Ohne-Inhalt-Wahlkampfstrategie nicht einverstanden. Die neuesten Beobachtungen im Feld und nach Rückfragen bei den Akteuren deuten auf eine flächige Unzufriedenheit mit der von wenigen SPD-Strategen ersonnenen Ausrichtung hin: Hiermit bekommt das Wort Wahlkampf eine neue Dimension.

SPD-Plakat am Schönleinsplatz. Foto: Erich Weiß

SPD-Plakat am Schönleinsplatz. Foto: Erich Weiß

Die Basis der SPD stört sich an den Plakaten

Einer Listenkandidatin (Name wurde auf Wunsch entfernt) nach lehnen vor allem die Jusos die Plakate so sehr ab, dass sie sich dem Aufhängen verweigern. Andreas Lehrl (SPD, Platz 27), Vorsitzender der Jusos, wollte das so nicht bestätigen. Doch stellt er fest, „dass sich einige daran stören, nicht nur junge Leute“. Er bemängelt zum einen die Festlegung der Bamberger SPD auf orange: „Das ist kein Corporate Design der SPD, die traditionell die Farbe rot wählt.“ Die Fixierung auf eine Person – in Bamberg ist das bekanntermaßen Oberbürgermeister Andreas Starke – würden ja viele Wahlkampfstrategen empfehlen, so setze Nürnberg auf Oberbürgermeister Ulrich Maly. Was für ihn jedoch schwerer wiegt, sei die Formulierung: Bamberg geht es gut. So muss es bleiben. „Sicher geht es Bamberg gut, auch vielen Bambergern geht es gut, aber doch nicht allen. Schließlich gibt es Probleme.“

Die Basis der SPD stört sich an den Plakaten – und reagiert

SPD Jusos Sozial is' Muss. Foto: Erich Weiß

SOZIAL IS‘ MUSS! Foto: Erich Weiß

Der Unmut einiger SPD-Kandidaten geht offensichtlich so weit, dass sie selbst Hand anlegen. Handgemalt, programmatisch und mit Namen versehen, hängen die Jusos ihre Plakate demonstrativ vor die Arbeitsstätte des SPD-Oberbürgermeisters am Maxplatz auf.

SPD Jusos Sozialer Wohnungbau JETZT. Foto: Erich Weiß

Sozialer Wohnungbau JETZT. Foto: Erich Weiß

Und auf der Rückseite propagiert ein weiterer, programmatischer Aufruf: sozialer Wohnungsbau JETZT!

SPD Jusos Jugend. Foto: Erich Weiß

Der Jungend stimmen geben. Foto: Erich Weiß

„Der Jugend stimmen geben.“ Kann mehrdeutig verstanden werden: als Aufforderung sowohl an den Wähler als auch an die Strategen. Hier auf der Kettenbrücke.

SPD Jusos Feminismus. Foto: Erich Weiß

Feminismus in den Stadtrat. Foto: Erich Weiß

Von der Oberen Königstraße aus, wo SPD-Wahlkampfstratege Klaus Stieringer (Platz 7) seinen Sitz hat, ist die Forderung „Feminismus in den Stadtrat!“ zu lesen. Diese Wegstrecke Maxplatz-Hauptwachstraße-Obere Königstraße dürfte nicht zufällig ausgesucht sein, denn andernorts sind solche Plakate noch nicht aufgetaucht. Der Wink am Laternenmast ist deutlich: Die Strecke scheint eine Verbindung der Strategen nachzuzeichnen.

SPD Bamberg geht es gut. Foto: Erich Weiß

MUSS ES SO BLEIBEN? Foto: Erich Weiß

Statt der Beschwörung eines Status Quo hätte der Vorsitzende der Jusos Bamberg-Stadt, Andreas Lehrl, eine Formulierung gewählt, die eher nach vorne gerichtet wäre, einen zukunftweisenden Slogan. Mit den selbstgemalten, nicht hochglanzpolierten Plakaten haben die Jusos reagiert. Auch altgediente KandidatInnen sind hinter vorgehaltener Hand nicht mit dem Marketing im Wahlkampf einverstanden.

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In lockerer Folge wollen wir Besonderheiten und Außergewöhnliches im Wahlkampf vorstellen – schließlich ist Bamberg besonders und außergewöhnlich, bewohnt und bereichert von besonderen Menschen, die mitreden wollen. Über Stilfragen und deren Grauzonen wurde berichtet, über die Materialschlacht ebenfalls. Die meisten Bewerber wollen mit besonderen Aktionen sich selbst und natürlich ihre Themen platzieren. Über Inhalte soll schließlich öffentlich diskutiert werden. Die engagierten Bürger haben damit begonnen: Wahlprüfsteine: Zeit, das eigene Versagen einzugestehen.

Der Wahlkampf dauert noch an

Der Wahlkampf dauert noch an. Es darf angenommen werden, dass kreative Aktionen und Reaktionen noch folgen. Aufmerksame WählerInnen werden den Fortgang beobachten und wir berichten.

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Besonderheiten im Bamberger Wahlkampf, Teil 1 / Wahlprüfsteine: Zeit, das eigene Versagen einzugestehen / Oberbürgermeister Starke weiter als Wahlleiter im Spiel, erhält aber die orangene Karte / Wahlkampf: Schnelle Hilfe gegen Armut in Bamberg / Städtische Pressestelle: „Ich möchte genau das rauchen, was Sie geraucht haben“. / Lesetipp SZ: Ohne “Andi” läuft nichts / Krieg ist Frieden; Freiheit ist Sklaverei; Unwissenheit ist Stärke / Der Bamberger Oberbürgermeister betreibt mit der gesamten Stadtverwaltung Wahlkampf / Wird der Oberbürgermeister seiner Funktion als Wahlleiter gerecht? / Der Stadtrat und nicht der Oberbürgermeister wird im März gewählt

2 Gedanken zu „Besonderheiten im Bamberger Wahlkampf, Teil 2

  1. jepp
    aber für die plakat-wütige CSU erst recht. deren chef steht übrigens auch nicht auf 1
    aber gut aufgepasst, die 2 leitfiguren werden eh nach der wahl gnadenlos abgesägt. ein paar köpfe gibts dort auch noch, die an den stühlen dieser blinden schönwetterakteure sägen.

  2. Eine zerrissene SPD, ein Wahlkampf ohne Inhalt, der Zugesel kurz vor der Ablösung als Wahlleiter, eine Kandidatinnen-Liste ohne Gesicht, ein abgetauchter Fraktionsvorsitzender, der nicht als Listenführer aufgestellt wird und die Parteien wechselt wie es der eigenen Karriere nützt, die letzten Jahre nur ein Stimmverein für den OB, 44 Kandidatinnen, deren Persönlichkeiten so groß sind, daß sie sie sich alle hinter einem OB verstecken können. Fehlt nur noch, daß die SPD jetzt hektisch anfängt Kandidatinnenplakate zu drucken, um ihren Wahlkampfstrategen die rote Karte zu zeigen. Der 16. März wird für die Bamberger SPD ein historischer Tag.

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