Wir sind Brückenbauer

Deutsch-Albanischer Kulturverein "Dardania" Bamberg e.V.
Aus dem Buch »Dunkle Reisen« von Till Mayer: »Kosovo 1999: Rückkehr in Ruinen. Der Mann fängt an zu weinen, als er verbeulte Töpfe aus den Trümmern seines Hauses zieht.«

Der deutsch-albanische Kulturverein Dardania Bamberg baut seit seiner Gründung Brücken: Brücken, die nicht nur Albaner und Deutsche, sondern auch Sprachen, Traditionen und Kulturen verbinden. Und auch Brücken, die das Gestern über das Heute mit dem Morgen verbinden.

Der Blick zurück scheint notwendig, damit Entscheidungen im Heute einen Segen für das Miteinander in der Zukunft entfalten können. Vor über 22 Jahren begann die friedensunterstützende Operation der NATO mit der Entsendung der KFOR-Truppen in den Kosovo. Auch die deutsche Bundeswehr war Teil dieser Operation.

Teilnehmer der Online-Veranstaltung „22 Jahre KFOR Mission im Kosovo – Reflexion und Zukunftsperspektive“, Juni 2021

Am Jahrestag, dem 12. Juni, trafen sich zu diesem Anlass der parlamentarische Staatssekretär des Bundesministerium der Verteidigung, Thomas Silberhorn (MdB), der Vorsitzende der Organisation deutsch-albanischer Akademiker (ODA) Hamburg e.V., Muhamet Idrizi, und der Vorstand von Dardania Bamberg, Florim Gashi, um den Erlebnissen des ehemaligen Angehörigen der Bundeswehr, KFOR-Veteranen und Zeitzeugen, Mersel Ljatifi, während seines Einsatzes zuzuhören: Die Lage sei explosiv gewesen, denn Paramilitärs waren allenthalben unterwegs, Mienen mussten geräumt, zerstörte Infrastruktur wieder intakt gestellt werden. Eindrücklich schilderte er das Leid der Geflüchteten, deren Rückkehr und Dankbarkeit sowie den Jubel der Erleichterung beim Eintreffen der deutschen Bundeswehr. Dank dieses Schutzschildes sollte das Zurückdrängen der Paramilitärs, der Aufbau und somit zukünftig Frieden möglich sein.

Dieses Schutzschild ist nach wie vor notwendig. Diese Feststellung wurde im weiteren Gesprächsverlauf deutlich. Die jüngst vom Deutschen Bundestag bestätigte Verlängerung dieses Einsatzes begrüßen die Teilnehmer ausdrücklich. Sie sind dankbar für die Unterstützung und das Miteinander – hier in Deutschland und in der Heimat im Kosovo.

Staatssekretär Silberhorn fasste die Entscheidungsfindung für diesen ersten Kampfeinsatz der Bundeswehr zusammen, umriss das Ziel, sämtliche Staaten auf dem Balkan in euro-transatlantische Strukturen zu integrieren. Und berichtete schließlich von seinen persönlichen Erlebnissen, u.a. bei der Übergabe des Feldlagers in Prizren/Kosovo in 2018: Einige Kosovaren fielen den deutschen Soldaten spontan um den Hals, sogar Tränen flossen. Eine junge Mutter mit ihrem Dreijährigen auf dem Arm sagte: „Wir sind dankbar dafür, dass die deutschen Soldaten unseren Kindern eine Zukunft gegeben haben und traurig, dass sie gehen.“ Eine andere ergänzte: „Die Deutschen waren unsere Helden und unsere Retter.“

Bezüglich der Zukunftsperspektive betonte Silberhorn die Notwendigkeit eines Austauschs innerhalb der Staaten des Westbalkans. Deutschland und Europa unterstütze jegliche Stabilisierung und somit den Frieden auf dem Balkan. Darüber hinaus betonte er die Bedeutung der Diaspora, der in Deutschland lebenden Kosovaren und deren Unterstützung der Landsleute.

Bedeutung der kosovarischen Diaspora in Deutschland. Florim Gashi und Thomas Silberhorn im Deutschen Bundestag Berlin 2019

Enge, freundschaftliche Kontakte im Heute sind das Fundament für Brücken ins Morgen. Der stete Austausch dient dem Verständnis füreinander. Dies und seinen Dank betonte Florim Gashi in seinem Schlusswort: „Herzlicher Dank gilt den Vereinen Dardania Bamberg und ODA Hamburg für die Organisation dieser Online-Veranstaltung. Darüber hinaus gilt mein Dank, jeder:m der 130.000 deutschen Staatsbürger:innen, die einen Beitrag im Rahmen der KFOR Mission im Kosovo in den letzten 22 Jahren geleistet haben. Besonders hervorheben möchte ich dabei die Soldatinnen und Soldaten, die unsere gemeinsame erfolgreiche Geschichte zwischen Deutschland und dem Kosovo geprägt haben. Abschließen möchte ich mit dem Wunsch auf ein zukünftiges erfolgreiches Miteinander.“

Hinweis der Redaktion

Der Journalist, Fotograf und Autor, Till Mayer, hat in mehreren Publikationen die Verheerungen von Kriegen dokumentiert. Über 15 Kriegs- und Krisengebiete hat er bereist, auch den Kosovo, obige Abbildung stammt aus seinem Buch „Dunkle Reisen“ von 2018. In 2010 entstand „Abseits der Schlachtfelder“, unter Mitwirkung des Deutschen Roten Kreuzes und des Roten Halbmond, und 2015 „barriere:zonen / barrier:zones“, das mit dem Coburger Medienpreis 2015 ausgezeichnet wurde. Mayers Publikationen sind stets mit Ausstellungen verbunden, die in Schulen, Rathäusern, Landtagen, an Universitäten sowie bei den Vereinten Nationen in Genf und New York präsentiert werden.

Immer steht der Mensch im Mittelpunkt: Einzelschicksale, die politische Dramen und nationale Tragödien, humane Katastrophen und inhumane Grausamkeiten exemplarisch verdeutlichen. So fasst Prof. Markus Behmer von der Universität Bamberg und Vorsitzender der Ludwig-Delp-Stiftung, die seit Jahren als Unterstützer der Mayerschen Projekte gelten, die Intension zusammen.

Die Bamberger Onlinezeitung möchte darüberhinaus eine bewährte Tradition pflegen und einen Filmtipp geben:

Zana von Antoneta Kastrati von 2019 erhielt den Publikumspreis von goEast, dem Festival des Mittel- und Osteuropäischen Films in Wiesbaden, der erstmals im April 2021 in 3Sat gezeigt wurde. Die gesellschaftliche Aufarbeitung von Krieg sowie dessen persönliche Folgen sind für den Weg der traumatisierten Lume entscheidend. Lumes Schicksal ist für Regisseurin Antoneta Kastrati repräsentativ für das vieler Frauen, Mütter, Witwen und Waisen – nicht nur in Bezug auf den Kosovokrieg. Ein Langfilmdebüt, das intensiv nachwirkt.

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