Ein Revival der Performance: Performancefestival im Skulpturenpark

Redaktion
Foto: Erich Weiß

Foto: Erich Weiß

Ein Revival der Performance. Und die Rückeroberung des öffentlichen Raums nimmt in Bamberg weiter ihren Lauf. Performancekunst ist tatsächlich „auditiv, visuell, körperlich und multimedial, sie ist Hoch- und Subkultur, politisch und gesellschaftlich, menschlich und schafft Augenblicke der Gegenwärtigkeit“ – wie die Veranstalter für den 25. Juli 2015 versprachen.

„Zahlreiche KünstlerInnen verschiedener Herkunft präsentieren Momentaufnahmen, die aufwecken, erinnern, uns tanzen, stolpern und aufhorchen lassen – so sollte es doch eigentlich immer sein!“

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Steht bei der Wahrnehmung von Kunst, besonders von Werken der Gattungen Bild, Plastik und Architektur, der Betrachter meist einem „fertigen“, einem „zu Ende gebrachten“ Werk gegenüber, so sind die Performance und mit ihr fast alle Formen der Aktionskunst dadurch gekennzeichnet, dass sich ihre Gestalt erst im Moment der Anwesenheit von Künstler und Betrachter, eingebettet in räumliche Kontexte und Zeitspannen, entwickelt. Der gesamte Raum, in dem die Wahrnehmenden wie die Akteure stark aufeinander bezogen sind, wird zum „Bild“ – oder anders: wird zu einem Handlungsbild und somit auch zu einem Zeitbild. In einem solchen Ereignisraum ist zumindest zeitweise die Distanz zwischen Betrachter und Werk im Geschehen aufgehoben. Beide sind Teilhaber am Gestaltungsprozess, in dem sie durch physische und psychische Präsenz gegenseitig auf sich einwirken.

Friedolin Kleuderlein („Erster Internationaler
Performancetag Bamberg“, Bamberg 2002)

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Am Skulpturenpark Bernd Wagenhäuser in der Mußstraße waren die Präsentation zweier neuer Plastiken angekündigt, das Kunstprojekt INGE, forschungsgruppe_f, Arild Vange, Schauspieler des E.T.A. Hoffmann Theaterensemble, Brigitta Muntendorf & Thomas Bismarck: Von Tuten und Blasen …, Der Täubling, Barbara Engelhard, kontakt-das kulturprojekt: Kopfhörerparty et cetera.

Hainschwimmer. Foto: Guido Apel

Hainschwimmer vom Kunstprojekt INGE. Foto: Guido Apel

Während bürokratische Hemmnisse formuliert und in Gesetzesform von einer Tippse punktgenau aufgenommen wurde, zog der Regnitzschwimmer unverdrossen seine Bahnen. Schließlich ist das Baden im Fluss ein Menschenrecht.

Foto: Erich Weiß

Roni spielt Golf. Foto: Erich Weiß

Roni hat die Linie „Loch-Ball“ exakt im Visier. Und mit jedem platzierten Versenken einen weisen Zettel mit klugem Text und Sinn.

Foto: Erich Weiß

Foto: Erich Weiß

Willkommen waren Groß und Klein, auf der Wiese und auch auf den Plastiken von Bernd Wagenhäuser.

Foto: Erich Weiß

Foto: Erich Weiß

Die Gruppe um Brigitta Muntendorf (auch sie ehemalige Stipendiatin des Internationalen Künstlerhauses Concordia) fragte nach dem Standpunkt, der Eigen- und Fremdwahrnehmung und empfahl und praktizierte den Rollentausch.

Foto: Erich Weiß

Perspektivenwechsel in Quizform. Foto: Erich Weiß

 „Ist das Tragen einer Burka Zeichen von Emanzipation? – Bitte wechseln Sie vor der Beantwortung der Frage die Perspektive.“

Ulrich Holbein. Foto: Erich Weiß

Ulrich Holbein. Foto: Erich Weiß

„Bitte wechseln Sie vor der Beantwortung der Frage die Perspektive.“

Iris ter Schiphorst bei der Aufführung ihrer Oper. Foto: Erich Weiß

Iris ter Schiphorst bei der Aufführung ihrer Oper. Foto: Erich Weiß

Iris ter Schiphorst, zusammen mit dem Klarinettisten Uros Rojko, verteilte Schächtelchen, in denen Aufgaben für die freiwilligen Teilnehmer der Opernaufführung auf Zetteln standen. Mit Händen oder Füßen wiederkehrende Bewegungen ausführen und/oder Sätze wie „Ich bin allein auf der Welt …“ deklamieren. Die ganze Oper dauerte etwas über 8 Minuten.

Währender der Oper von NN. Foto: Erich Weiß

„Imitiere für eine Weile einen Vogel“. Foto: Erich Weiß

Operngäste werden zu Akteuren.

Wurst oder Werk. Foto: Erich Weiß

Olga Seehafer. Foto: Erich Weiß

Wurst oder Werk. Die Wurst hatte das Nachsehen.

Skulptur von Wagenhäuser mit Ergänzung von Giovanni. Foto: Erich Weiß

„Die Neue“ von Bernd Wagenhäuser und „Tanz einer Puppe“ von Giovanni. Foto: Erich Weiß

Erneut wurde die Neue umtanzt, wie bereits in 2014: Bernd Wagenhäuser: Die „Neue“ trifft die Alten und die Jungen

Foto: Erich Weiß

Antifon. Foto: Erich Weiß

Arild Vange (Stipendiat vom Internationalen Künstlerhaus Concordia) erzeugte gemeinsam mit Jakob Fischer, David Grimm und Felix Forsbach einen Wechselgesang – an Stimmen, Gedichten und stählernen Tönen. Ein Klangbild von bezaubernder Schönheit.

Bernd Wagenhäuser, NN, NN, NN. Foto: Erich Weiß

Bernd Wagenhäuser, Christian Hübner. Arild Vange im Nachklang-Gespräch. Foto: Erich Weiß

Bernd Wagenhäuser, Christian Hübner. Arild Vange im Nachklang-Gespräch.

Weiße Linie von Giovanni. Foto: Erich Weiß

„Weiße Diagonale“ von Giovanni. Foto: Erich Weiß

Unterdessen, davor und danach setzt „Die Diagonale“ Stück für Stück Akzente.

Vermessungstechnik. Foto: Erich Weiß

Vermessungstechnik. Foto: Erich Weiß

Und die Vermessungstechnik? Sie sollte eigentlich die weiße Linie Stück für Stück quer durchs Gelände als „Diagonale“ führen. Am Tag der Performance mischt sich der immer wieder aufkommende Wind kräftig ein und (ver)formt die „Diagonale“.

Überschreitung. Foto: Erich Weiß

Überschreitung. Foto: Erich Weiß

Die „Weiße Diagonale“ forderte immer wieder Grenzgänger heraus, die auch mal den vorgegebenen Rahmen sprengen mussten.

Giovanni bei der Arbeit. Foto: Erich Weiß

Giovanni bei der Arbeit. Foto: Erich Weiß

 

Foto: Erich Weiß

Rotes Luftmännchen der forschungsgruppe_f. Foto: Erich Weiß

Heftige Windböhen verlebendigten nicht nur die „Weiße Diagonale“, sondern ließen die Gewänder der Puppen der forschungsgruppe_f tanzen – eine Augenweide. Nie planbar, aber immer im Spiel.

Der Täubling. Foto: Erich Weiß

Der Täubling (Amadeus Magnus Ephraima Täubling). Foto: Erich Weiß

 Dem Täubling machen Tautologien Spaß, Du Penner!

„Und Du liest mir in mein N(H)asenohr leise Georg Trakl vor …“

Der Täubling. Foto: Erich Weiß

Der Täubling. Foto: Erich Weiß

„Rilke soll aufhören zu lesen. – Steht auf Deiner Socke links und rechts, weil Du lesen willst?“

„Wenn man Nagasaki rückwärts liest, klingt das auch nach einer japanischen Stadt. Ist das jetzt auch schon rassistisch?“

Der Täubling. Foto: Erich Weiß

Der Täubling. Foto: Erich Weiß

„Ganz subjektiv find ich Dich objektiv scheiße.“

„Jean Baptist Reval spielt seit 25 Jahren für Herrn Täubling. Wir haben uns sehr gern.“

Foto: Erich Weiß

Foto: Erich Weiß

Die kleine Kätzling erobert die Bühne vom Täubling. Foto: Erich Weiß

Das kleine Kätzling erobert die Bühne vom Täubling. Foto: Erich Weiß

„Mach die Musik aus! Wir wollen die Leute nicht mit guter Laune entlassen!“

Kinder. Foto: Erich Weiß

Kinder. Foto: Erich Weiß

Gute Laune hatten die einen mit oder ohne Musik und die anderen feierten eine lautlose Kopfhörerparty bis in den Abend hinein.

Kopfhörerparty.  Foto: Guido Apel

Silentparty:Elektroblüte. Foto: Guido Apel

Des Nächtens gab man sich der eigenen Beweglichkeit hin, silent und party: Elektroblüte ermöglichte durch zwei Queer – Live Acts (Stella be Strange aus Hamburg und Crazy Bitch in a Cave aus Wien) unterschiedliche Rhythmen, Gefühle und Nähe.

Bitte mehr.

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Bernd Wagenhäuser – der Stahlwerker / Bernd Wagenhäuser: Die „Neue“ trifft die Alten und die Jungen / Das lichte Manifest 2014 Mit der Giovanni eigenen Präzision ist bereits alles gesagt. Alles. Eine Seltenheit. Einem ungewöhnlichen Künstler eigen, der, solange ich ihn kenne, auf der Suche nach dem absoluten Weiß ist.

 

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