Gartendenkmalpflege geht anders: Offener Brief der Schutzgemeinschaft

Schutzgemeinschaft Alt Bamberg

Bamberg, 8. Januar 2015
Sehr geehrter Fränkischer Tag!
Ihr Artikel vom 5. Januar „Schön saniert, schöner Ärger“ kann beim uninformierten Leser den Eindruck erwecken, dass der einzige „Fauxpas“ des Stiftungs- und Finanzreferenten bei der Sanierung der Schröppel-Villa und deren Garten darin bestanden habe, die Bürger uninformiert zu lassen, um ihnen eine „schöne“ Überraschung zu bescheren. Frau Hartleitner wird als Spaßverderberin hingestellt, und es wird dem Leser suggeriert, dass wir als einer der „dem Denkmalschutz verpflichteten Vereine“ unreflektiert einem Bericht gefolgt seien, entstanden durch falsche Rückschlüsse aus unbefugten Baustellenbesuchen.
Dem ist nicht so. Hätten Sie uns vor Ihrem Artikel kontaktiert, hätten wir Ihnen unsere eigene, durchaus selbst recherchierte Sicht über die Vorgangsweise bei der Sanierung des Bau- und Gartendenkmals Villa Schröppel darlegen können, die sich im Übrigen mit der von Frau Hartleitner deckt. So bleibt uns nicht anderes übrig, als Ihnen in diesem offenen Brief unsere Meinung zum „Sanierungsfall“ und Ihrer Berichterstattung mitzuteilen:
Gartendenkmalpflege geht anders
Wie Ihre Zeitung bekamen auch wir auf Nachfrage vom Baureferat die Auskunft, dass sämtliche Maßnahmen mit den verantwortlichen Behörden abgesprochen seien. Überdies seien an der „Revitalisierung“ des Gartens „Fachplaner und Fachhandwerker“ beteiligt gewesen. Anhand des Ergebnisses stellen wir jedoch die Mitwirkung eines Fachplaners aus dem Denkmalschutz in Frage. Die Aussage des Finanzreferenten in Ihrem Bericht, man habe „Platz für die Baustelleneinrichtung“ benötigt, bestätigt außerdem unseren Verdacht des fahrlässigen Umgangs mit denkmalgeschützter Gartensubstanz.
An diesem Gartendenkmal – und lt. Bayerischem Denkmalschutzgesetz sind Gartendenkmäler mit Baudenkmälern gleichzusetzen – ist so ziemlich alles falsch gemacht worden, wenn auch offenbar mit dem Einverständnis des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Auf dessen Internetseite findet sich übrigens der Hinweis für den richtigen Umgang mit dieser Denkmalgattung, denn als Grundlage für die Gartendenkmalpflege werden Instandsetzungs- und Pflegekonzepte aufgeführt, sogenannte Parkpflegewerke. Ein solches Fachgutachten, für das es selbstverständlich anerkannte Leitlinien gibt, scheint jedoch nicht angefertigt worden zu sein, sonst wäre es schon längst veröffentlicht worden.
Diese Leitlinien basieren auf der „Charta von Florenz“, die sich dem Schutz der Gartendenkmäler widmet (ebenfalls auf besagter Internetseite zu finden). Darin wird eindeutig festgelegt, dass zu einem Gartendenkmal nicht nur die Vegetation, sondern auch alle baulichen Elemente gehören.
Erst nach Erstellung einer historischen Analyse kann ein Konzept aufgestellt werden, das den denkmalgerechten Umgang mit schützenswerter Substanz vorschreibt und mit der geplanten Nutzung in Einklang bringt. Hat man aber vor, auf jeder Stufe und um das Brunnenbecken Bodenlämpchen zu installieren, „stören“ eben vorhandene Sandsteinstufen und im Original erhaltene Brunnenelemente, und so werden sie kurzerhand für nicht erhaltenswert erklärt. Danach ist alles „schön“, aber eben nicht mehr originär. Das ist NICHT im Sinne des Denkmalschutzgesetzes, egal, ob mit oder ohne Einverständnis der Behörden geschehen. Im Übrigen hegen wir Zweifel, dass die dafür zuständige Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Bamberg ausreichend am Entscheidungsprozess beteiligt wurde. Die Stadtheimatpflege jedenfalls war es nicht, das haben unsere Recherchen ergeben.
Es gäbe noch viel zu weiteren Entscheidungen anzumerken; so ist beispielweise der vom Planer um 1900 gewollt verwunsche Charakter der Grotte durch zu glatte, zu hohe und aus unpassendem Material gebaute Stützmauern nun völlig verunklärt. Wir wollen es an dieser Stelle jedoch dabei bewenden lassen.
Zu kurz gesprungen
Ihre Zeitung hat sich bisher nicht zu diesem Thema geäußert, und nun erscheint ein Bericht, der weder eine Stellungnahme unseres Vereins noch eine Nachfrage bei Frau Hartleitner beinhaltet. Bei uns entsteht dadurch der Eindruck, dass Sie sich zum Sprachrohr der Stadt Bamberg machen lassen. Sie sind also „zu kurz gesprungen“.

Und wieso hinterfragen Sie nicht solche Aussagen des Finanzreferenten, dass dank der vielen Zuschüsse nur etwa 90 000 Euro auf die Bürgerspitalstiftung entfallen? Fördermittel sind meist gedeckelt, und was für überteuerte Projekte ausgegeben wird, kann anderen nicht zugute kommen.
Sorgenvoller Blick in die Zukunft
Unsere Empörung über den wirklich erschreckenden Umgang mit Denkmälern durch den Stiftungs- und Finanzreferenten Bertram Felix lässt uns sorgenvoll in die Zukunft blicken; denn uns Bamberger Bürgern stehen große Aufgaben bevor – u. a. die Sanierung des Klosters St. Michael und des Geyerswörthschlosses. Hier gilt es, rechtzeitig ein Augenmerk auf die Verantwortlichen zu haben, damit unseren Denkmälern ein Umgang zuteil wird, den sie verdienen: einzig PRO Denkmal, ohne Selbstherrlichkeit und Gutdünken, denn die haben im Denkmalschutz absolut nichts zu suchen.
Wer glaubt, dass teuerste Sanierungen immer gut sein müssen, hat Denkmalpflege nicht verstanden. Für den Erhalt denkmalgeschützter Substanz kann ein schmales Budget durchaus ein Segen sein.

Bamberg ist Weltkulturerbe, weil die meisten privaten Denkmalbesitzer sich dessen bewusst sind und weil sie – auch unter Anleitung und mit dem Rat der zuständigen Behörden – mit viel Gefühl und Geschichtsbewusstsein durchaus in der Lage sind, den denkbar besten Denkmal- schutz umzusetzen und zu finanzieren.
Forderung nach einer Plattform für Vereine und kritische Bürger
Für diese Grundsätze steht auch unser Verein, dessen Arbeit von der Welterbestiftung mit der Verleihung des Welterbepreises gewürdigt wurde. Wir haben diesen Preis mit Stolz in Empfang genommen und erwarten von der ein- zigen Zeitung der Stadt, entsprechend Aufmerksamkeit und Platz in der Berichterstattung zu bekommen. Wir fordern Sie daher auf, den „erschreckt“ reagierenden, „dem Denkmalschutz verpflichteten Vereinen“ und den Kritikern dieses kostenträchtigen, unnötig edlen und Fördergelder verschleißenden Sanierungsgebahrens eine ebenso große Plattform einzuräumen, wie den Verantwortlichen der Stadt Bamberg, die sich offenbar zu Unrecht kritisiert fühlen. Geben Sie dieser nicht gerade kleinen Gruppe der Bürgerschaft in Ihrer Zeitung die Bühne, die ihr zusteht.
Mit freundlichen Grüßen
Schutzgemeinschaft Alt Bamberg e. V.

Dr. Jörg Händler 1. Vorsitzender

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