Reaktionen auf Asyl-Appell: „nicht bei uns“ zu sagen, ist das Falscheste, was man tun kann.

 Redaktion

Asyl – ein heißes Eisen. Die Äußerungen in Bamberg politisch Verantwortlicher könnte disparater nicht sein. Der Bamberger Oberbürgermeister ist zwar in politischer Mission mit dem Fahrrad Richtung Berlin unterwegs, doch offenbar offline, denn seine Haltung bezüglich des Bamberger Asyl-Appell – Wir haben Platz für Asylsuchende ist (noch) sein Geheimnis. Der Fraktionssprecher seiner SPD, Klaus Stieringer, rückt in den Mittelpunkt der Debatte, man müsse die Bürgervereine mit den Vorsitzenden, den Groko_Kollegen Neller (CSU für Gartenstadt) und Partei- und Stadtratskollege Kuntke (SPD für Bamberg Ost), fragen. Überdies zeichnet er das (Schreckens)Bild eines Erstaufnahmelagers im Regierungsbezirk Oberfranken, das hier zukünftig entstehen werde – eine Unterstellung, die Ursula Sowa umgehend dementiert: „Es geht überhaupt nicht um eine Erstaufnahmeeinrichtung, sondern um die angekündigten fünf Asylbewerber pro Woche bis zum Ende des Jahres, also um etwa hundert Menschen! Auf dem Kasernengelände waren einstmals bis zu 7000 (!) Menschen untergebracht! Es ist also genug Platz für alle da, alle, die Wohnung suchen.“ Womit sie einer Neiddebatte den Boden entzieht.

Den Mitgliedern der GAL „Massenunterkünfte“ oder gar eine beabsichtigte „Ghettobildung“ zu forcieren, missachtet deren langjähriges Engagement in der fränkischen Asylpolitik. Von ihnen ging die viel gelobte Initiative „Freund statt fremd“ aus, auf sie gehen die ungezählten Anträge auf Verbesserung des Miteinanders in der Gesellschaft zurück, wie die Abschaffung der Essenspakete für Asylsuchende, eine Verbesserung der Obdachlosenunterkünfte, eine Anhebung der Beihilfen für Bedürftige u.v.m.

Stattdessen von einem „einfältigen Appell“ zu sprechen, wie Daniela Reinfelder das tut, der „viele Bamberger Persönlichkeiten“ täusche, reist Gräben innerhalb der Stadträte weiter auf. Auch der Hinweis auf eine Vielzahl der Unterzeichner ohne Bamberger Wohnsitz lässt die Debatte in eine Richtung abdriften, die die Flüchtlingspolitik, das Entstehen der Flüchtlingszwangs, der europäischen Abschottungspolitik – der Flucht an sich – aus dem Blick geraten lässt.

Das Konversionsgelände gehört dem Bund, nicht der Stadt Bamberg. Was hindert den Bund, die Wohnungen für Flüchtlinge zu öffnen, dies gleichzeitig für andere Wohnungssuchende zu tun, um eine gewünschte soziale Mischung und somit Integration zu erreichen. Mehrere Ziele ins Visier nehmen – das erwarten Bürger von ihren politischen Vertretern und keinen Leerstand oder gar Abriss von Wohnungen, die die Mietpreise auf dem niedagewesenen Niveau künstlich hochhalten oder gar noch steigen lassen. Aus dieser Sicht ist der Appell ein genialer Schachzug, den es zu verfolgen gilt!

Derweil sollten die politisch Verantwortlichen die Kommentare studieren, die einige der nahezu 1000 Unterzeichner des Bamberger Appells als Grund für ihre Unterschrift hinterlassen haben:

Dr. Tanja Kinkel (Bamberg) – 06.08.2014 16:15 Uhr
Angesichts einer akuten Notsituation wegschauen, die Hände in den Schoß legen, oder „nicht bei uns“ zu sagen, ist das Falscheste, was man tun kann.

Johannes Wagner-Friedrich (Bamberg) – 07.08.2014 16:05 Uhr
Eigentlich ist es ja schon unsinnig, funtionierende Häuser und Wohnungen allein aus wirtschaftlichen Gründen zum Abriss freizugeben. Das tut man in der Regel, wenn das Dach gerade eingestürzt ist oder der Bau sonst zusammenfällt. Stehen sie aber herum und nebenan werden Menschen in Behelfsquartieren auf Feldbetten untergebracht, dann ist das schon gleich gar nicht mehr einzusehen. Es ist Zeit, sich nicht länger hinter Paragraphen und Satzungen zu verstecken, sondern politischen Willen zu beweisen. Auch auf die Gefahr hin, dass man gegen rechtliche Regelungen verstößt – es geht um menschenwürdigen Umgang mit Menschen auf der Flucht.

Philipp Eise (Burgkunstadt) – 06.08.2014 13:30 Uhr
Gegen ein egoistisches Bamberg!

Jürgen Hemm (Pretzfeld) – 06.08.2014 09:23 Uhr
Der Abriß der Wohnungen auf dem Konversionsgelände wäre ein Schildbürgerstreich sondergleichen. Auch die „sanfte Methode“, die Häuser so lange dem Verfall preiszugeben, bis sie unrettbar unbewohnbar geworden wären, kann in einer Zeit, in der angeblich alle Kassen dauernd leer sind, nur als verschwenderische Vernichtung wertvollen Wohnraums angesehen werden. Ludwig Erhard, der Finanzminister und Kanzler des Wirtschaftswunders, stand für „Wohlstand für ALLE“ – diesen könnten wir haben, wenn wir nicht so viel Verschwendung und Vernichtung zuließen.

Edith Gottlieb (Bamberg) – 06.08.2014 09:11 Uhr
1945 wurden viele Deutsche aus dem Osten vertrieben oder flüchteten vor der roten Armee Richtung Westen. Wir heute sollten daher für Menschen, die vor Krieg und Not flüchten, Verständnis haben und ihnen hier in Bamberg den Platz anbieten, den wir zur auf dem Konversionsgelände bald zur Verfügung haben werden. Nicht wegen einer „Kriegsschuld“, sondern aus Mitmenschlichkeit.

Wolfgang Grader (Bamberg) – 06.08.2014 08:30 Uhr
Früher wohnten Tausende auf dem Kasernengelände, da ist genügend Platz für die vielen Wohnungssuchenden und den Asylbewerbern. Diese Art von humanitärere Hilfe sollte heute Selbstverständlichkeit sein.

Christoph Müller (Zirndorf) – 05.08.2014 17:06 Uhr
Zirndorf kann nicht mehr aufnehmen, toll das Bamberg sich um Besserung bemüht !!

Erwin Bartsch (Zirndorf) – 05.08.2014 16:23 Uhr
Verantwortungsbewußte BürgerInnen in Bamberg ergreifen die Initiative. Das ist unterstützenswert. Hut ab von den Bambergern, die wissen, wie man es besser machen könnte.

Wolgang Bönig (Bamberg) – 09.08.2014 16:41 Uhr
Menschen in Not zu helfen, ist zwingende Folge sowohl der Anerkenntnis der Menschenrechte als auch der christlichen Nächstenliebe. Letztlich dient die Aufnahme verfolgter Flüchtlinge der Völkerverständigung und somit langfristig dem Frieden. Im konkreten Fall hilft die Bereitstellung der „Konversionsgebäude“, deren vorläufigen Erhalt ohne gravierenden Substanzverlust, wie er unweigerlich Folge eines langen Leerstandes wäre, zu gewährleisten. Diese Möglichkeit nicht zu ergreifen, bedeutete, leichtfertig Sachvermögen dem Verfall preiszugeben, und wäre daher unverantwortlich. Was kann sinnvoller sein, als menschlich Gebotenes mit wirtschaftlich Vernünftigem zu verknüpfen?

Anja Enzenberger (Bamberg) – 09.08.2014 13:39 Uhr
Für mich ist es selbstverständlich, dass ein so wohlhabendes Land wie Deutschland Menschen, die um Asyl bitten, helfen muss und ihnen menschenwürdigen Schutz und Aufnahme bieten sollte. Was wäre das für ein erbärmliches Bild von uns, wenn wir uns dies nicht leisten könnten. Die Idee Flüchtline in der leerstehenden Kaserne unterzubringen halte ich für eine sehr sinnvolle Möglichkeit, von der die Stadt Bamberg selbst profitiert, da die Gebäude dann sinnvoll genutzt werden.

Ulrich Delles (Bamberg) – 09.08.2014 12:00 Uhr
Das Ziel der Petition hat nur Gewinner: 1. Flüchtlinge: Notleidenden Menschen kann eine würdige Unterkunft bereit gestellt werden, die oft problematische Anmietung ungeeigneter Gebäude auf dem Land entfällt. 2. Unser Staat: Vom Verfall bedrohtes Volksvermögen bleibt ohne umfangreiche Investitonen erhalten und wird sinnvoll genutzt. 3. Unsere Stadt: Eine langfristige Entwicklung des Geländes ist nicht behindert, da das Gelände zum einen riesengroß ist und zum anderen die Nutzung zeitlich entsprechend den Anforderungen der Stadt begrenzt werden kann. 4. Wir Wir können mal beweisen, dass wir es ernst nehmen mit Menschlichkeit, Toleranz und gesellschaftlicher Offenheit.

Irene Johanna (Hallstadt) – 09.08.2014 11:33 Uhr
wir sind hier in Bamberg verpflichtet, Asylsuchende dort unterzubringen; Platz ist genug für „BEIDE“ – für die Einheimischen und die Asylsuchenden und das ist gut so

Klaus Achatzy (Memmelsdorf) – 09.08.2014 11:27 Uhr
Damit in dem ach so katholischen Bamberg eine intensive Diskussion zu Mitmenschlichkeit und solidarischer Verantwortung angestossen wird. Ausserdem ist es eine Schande, wie wir in unserem satten und reichen Deutschland mit der Zukunft sehr guter Bausubstanz umgehen, indem aus rein gewinnorientierten Gründen über die Nichtnutzung oder sogar den Abriss der ehemals von der US-Armee genutzten Liegenschaften gesprochen wird bzw. eine intensive und an den Interessen der Menschen orinetierte Diskussion verhindert werden soll!

Katrin Rackerseder (Bamberg) – 08.08.2014 19:44 Uhr
Damit Asylsuchende nicht weiterhin ab vom Schuss leben müssen. Langfristig sollten günstige Wohnungen im ganzen Stadtgebiet zur Verfügung gestellt werden.

Sperl Bettina (Bamberg) – 08.08.2014 12:06 Uhr
Heimstätte für Asylsuchende – Erhalt der Kasernengebäude, Zeit zum Nachdenken über eine künftige Nutzung des Kasernengeländes

Mitra Sharifi Neystanak (Bamberg) – 07.08.2014 23:29 Uhr
… weil mir die menschenwürdige Behandlung und Unterbringung von asylsuchenden Menschen wichtig ist.

Nicht öffentlich (Bamberg) – 07.08.2014 21:38 Uhr
Menschen werden unwürdig behandelt in überfüllten Aufnahmelagern und Unterkünften, während Gebäude leer stehen und praktisch dem Verfall preisgegeben werden, damit später großer Profit gemacht werden kann.

Jutta Haßler (Aschbach) – 07.08.2014 14:54 Uhr
Oberfranken wurde bereits aufgefordert eine Sammelstelle bereitzustellen. Bayreuth hat seine Örtlichkeit bereits anderweitig verplant. Irgendjemand muss Verantwortung übernehmen. Und warum nicht Bamberg? Wir Aschbacher haben alleine 1/3 der Asylbewerber im Ort, die der Landkreis Bamberg bislang insgesamt hatte. Auf 1000 Bewohner kommen bei uns 85 Asylsuchende. Wenn alle Orte gleich behandelt würden, könnte Bamberg fast 6000 Asylsuchende nehmen und sie hätten auch nicht mehr als wir zu verkraften. Also warum nicht?

Nikolas Savic (Berlin) – 06.08.2014 23:42 Uhr
Fremdes als Bedrohung zu betrachten ist wohl einer der Urreflexe menschlicher Zivilisation. Die heutigen Möglichkeiten des Wohlstandes, der Bildung und Information und der daraus resultierenden Reflexion erlauben aber doch über solch niederen Urängste die eigentlichen Belange und Dimensionen einer Situation sinnvoll zu beurteilen. Wo also liegt der Sinn in der Ablehnung einer Art Nachbarschaftshilfe? Menschen die Platz benötigen würden diese an dem vorgeschlagenen Ort erhalten. Nächstenliebe und die Möglichkeit zur Hilfe könnte man bieten, warum denn nicht? Es könnte so einfach sein und Menschen, die wirklich Unterstützung brauchen etwas geben, was in seinem Wert für uns nicht vollends nachvollziehbar ist, für die Betroffenen aber vielleicht ein ganzes Leben bedeuten. So einfach ist das..

Nicht öffentlich (Oldenburg) – 06.08.2014 21:15 Uhr
Weil Menschheit als „-heit“ Einheit impliziert. Einfacher: Weil „Menschheit“ eine ist.

Karl Heinz Ranftl (Bamberg) – 06.08.2014 19:56 Uhr
Die durch den Abzug der US Soldaten freiwerenden Wohnungen sind gebrauchsfertig und sicher geeignet für Asylbewerber. Vielleicht könnte man so eine größere Zahl gleichsprachiger (z. B. Syrer) Menschen unterbringen und für Dolmetscher und Lehrkräfte sorgen. Die einschränkenden Argumente der Stadt Bamberg scheinen mir doch in der Relation zur Not der Menschen sehr kleinkariert und bürokratisch. Ein interessierter OB könnte sich auch auf einer Fahrrasdtour über Telefon oder E-mail äußern.

Bernd Fricke (Stegaurach) – 06.08.2014 19:21 Uhr
Super Initiative, die ich gerne unterstütze. Es ist völlig unverständlich, daß die Verantwortlichen nicht von sich aus auf die Idee kommen. Auch der Landkreis wäre einzubeziehen, die Flüchtlinge gehören nicht in die Peripherie des Landkreises (Roßdorf, Aschbach), sondern dahin, wo es eine vernünftige und akzeptable Infrastruktur und Versorgung gibt. Bernd Fricke, 2. Bürgermeister, Stegaurach

Doris Ulich (Bamberg) – 05.08.2014 14:45 Uhr
Liebe spiegelt sich in Liebe wider.
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Die eingeschränkte Solidarität der Bamberger: CSU und SPD lehnen “Massenunterkünfte für Asylsuchende strikt ab”FDP: “Dezentrale Unterbringung von Asylsuchenden”/ Eine Woche Sorgentelefon zum Wohnungsmarkt – GAL sammelt persönliche Erfahrungen der Bürger zur Wohnungssuche in Bamberg / GAL will Essenspakete für Asylsuchende abschaffen / Regierung weist OB an, GAL-Antrag „Wohnraumbeschaffung“ zu behandeln – Wird damit die Blockade wohnungspolitischer Maßnahmen beendet? / GAL will Verbesserungen in Obdachlosenunterkünften / GAL fordert konkretes Handeln gegen Wohnungsnot / Beihilfen für Bedürftige dringend updaten

3 thoughts on “Reaktionen auf Asyl-Appell: „nicht bei uns“ zu sagen, ist das Falscheste, was man tun kann.

  1. mal ehrlich, und diese Frage sollte sich jeder Befürworter stellen: wie würde sich ein Asylheim in direkter, unmittelbarer Nachbarschaft auf die ganz persönliche Lebenssituation auswirken? Die Frage sollte jeder für sich beantworten.

    • Ich schließe mich Ihrem Kommentar an, Herr Ott, denn am lautesten „schreien“ die, die weit weg vom Konversionsgelände wohnen. Find ich nicht so ehrlich…

      Und ich glaube auch nicht, dass Frau Sowa, als Initiatorin der Aktion, diese so bereitwillig angestoßen hätte, wenn in Ihrer Nachbarschaft eine Unterbringung für Asylsuchende geplant wäre. Da will sich jemand nur in ein gutes Licht rücken, auf Kosten von Menschen die Hilfe brauchen.

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