Bernd Wagenhäuser: Die „Neue“ trifft die Alten und die Jungen

 für bernd von felix forsbach

Wagenhäuser_Neue_11.

eine von Regen verwaschene Geflechtträne
rinnt aus Pupillenrund herab
eine Rille der verwitterten Zeit
umgeben von meterologischen Schlieren im Cortenstahl
zeugen von Zeit
Zeit fließt herab an Deinen stählernen Spurenträgern
Deine Werke wittern nach Vergangenheit auch in Zukunft
die Gegenwart ist eine Ellipse

 

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Die Neue vor den Alten. Foto: Christiane Hartleitner

 

2.

Schwermetall preßlufthämmert
Hügel unters Gras
flüstert der Boden
schwere metallern klingende Worte
hallen wieder
wieder ein Kreis
mit drahtseilenden Sehnen
den Berg hinan gerollt
Rollen aus Stahl
schwer
bearbeiten die Landschaft
Landschaft schafft sich ab Ausblick auf
sisyphotisch geschaffene Kreise
die Verwertungsumlaufbahn
brechend an diesem Platz
Hier

 

Die Tanzenden. Foto: Christiane Hartleitner

Die Tanzenden. Foto: Christiane Hartleitner

3.

sich zueinander drehende
Halbmonde am Himmel
ein Lächeln
auf dem Sterntalergesicht
Geld glänzt nicht
Edelstahl schon
ein Kreisgesicht in die Massen geschnitten
seh ein Gesicht im Edelstahlspiegelbild
rund das Stück
soll seins sein

 

Wagenhäuser_Neue_45.

serpentia!
Umschlungen von ein paar Frauen
sehe mehr Schlangen
die nicht beißen
wache aus dem Traum auf
verknoten sich Gedanken
in Träumen der letzten Nacht
es glänzt das Gleißen
Schweiß schweißt zusammen
so nah
ich sehe seine Schweißtropfen
über deine Wange rollen
mich spiegelt es darin
verzerrt verzehrt mich der Gedankenstrudel
wächst er nun in den Himmel
oder korkenziehermäßig in die Erde
festgekettet möchte ich sein
im Hier und Jetzt verschlungen
schweiße alle Handinnenflächen aneinander
das ein Reigen getanzt wird
der niemals endet und sich
um deine Neue dreht
bis alle umschlungen
drum herum stehen
und das Lied der serpentia singen

 

 Redaktion

Es gibt sie noch: die besonderen Ereignisse. Die „Neue“ durfte sich wohlaufgenommen fühlen, an einem lauschigen Spätsommer-Nachmittag, klanglich begleitet von Rhythmen erzeugt auf den Corten-Ellipsen der Vorgänger und einer E-Gitarre. Die Hymne von Felix Forsbach ebnete den Weg für die Tänzer, die die Neue in den Reigen der Alten aufnahmen.

Die Generationen gaben sich die Hand – nicht nur die Objekte. Auch die Akteure durften die Mächtigkeit künstlerischer Verbundenheit verspürt haben. Natürlich war dies Bernd Wagenhäuser, dessen Skulpturengarten vor dem Welcome-Hotel in der Mußstraße nun ein weiteres Objekt beherbergt, aber besonders die Jungen mit Olga Seehafer, Felix Forsbach, Johannes Klütsch, Florian Federl, Guido Apel, David Grimm, Jakob Fischer haben ein Publikum berührt, wie es nur selten gelingt. Zahlreiche Kooperationen und Engagements – die Organisation des kontakt-Fests, als Schauspieler bei den Anonymen Impronikern, beim TiG & ETA-Hoffmann Theater, Musikmachen bei verschiedenen Bands z.B. Brotmüller, Mellosheen, Dr. Umwuchts Tanzpalast – dürfen sie ihr Eigen nennen. Man darf auf ein Mehr hoffen.

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Bernd Wagenhäuser – der Stahlwerker / „Das Geheimnis liegt in der Sauce …“

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