„Gott will keinen Krieg“

Erzbischof Schick ruft zum Dialog der Religionen auf

Bamberg. (bbk) Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat eine „geistig-geistliche Offensive“ für den Weltfrieden gefordert, in deren Mittelpunkt der Dialog zwischen Religionen und Kulturen stehen müsse. „Es gibt nur einen Gott des Friedens und der Liebe, egal ob wir ihn Jahwe, Allah oder Jesus Christus nennen“, sagte Schick am Freitagabend bei der jährlichen Ottoprozession in Bamberg. „Der einzige und allein wahre Gott will keinen Krieg, deshalb kann es niemals Krieg im Namen Gottes geben.“ Wichtig sei, dass sich die Religionen begegnen und sich über diesen einen Gott austauschen. Der Dialog der Religionen müsse zwischen den Theologen, aber noch wichtiger zwischen Arbeitskollegen und Nachbarn, Schülern und Studenten geführt werden.

Auch wenn im Kampf gegen den IS-Terror im Irak und in Syrien derzeit Waffengewalt hingenommen und Waffenlieferungen an die Kurden zugestimmt werde, dann nur zu dem Zweck, dass die Zahl der tödlichen Waffen in der Welt minimiert werde. Schick begrüßte, dass Deutschland in den Irak Geräte zum Aufspüren von Landminen schicke, die von den sogenannten IS-Gotteskriegern gelegt wurden und heimtückisch unschuldige Menschen töten. Wir müssen aber auch fragen, wo die Landminen herkommen, deren Herstellung und Vertrieb seit 30 Jahren verboten sei. „Waffenproduktion und Waffenhandel sind Übel. Um Krieg zu vermeiden, muss man die Waffen reduzieren und nach und nach vernichten“, sagte Schick. Konflikte müssten mit Dialog und Gesprächen überwunden werden, und nicht mit Gewalt. „Das Beispiel des heiligen Otto lehre, jeden Krieg und Terror abzulehnen, vor allem in Glaubensangelegenheiten“, sagte Schick.

Die Bamberger Ottoprozession erinnert an den heiligen Bischof und Missionar Otto, der im 12. Jahrhundert die Pommern mit der Predigt des Evangeliums bekehrte und Gewalt bei der Missionierung strikt ablehnte. Otto ist einer der drei Bamberger Bistumsheiligen und in der Michaelskirche begraben. „Der heilige Otto regt uns an, Menschen des Friedens zu werden und alles für den Frieden zu tun“, fügte Schick hinzu. „Zugleich hat er uns aufgetragen, täglich um den Frieden zu beten. Das Gebet schafft und verbreitet guten frischen Wind des Friedens, der die verpestete Luft des Krieges vertreibt!“

Ein Gedanke zu „„Gott will keinen Krieg“

  1. Den großen christlichen Kirchen laufen die Gläubigen davon. Offensichtlich gelingt es nicht, den Wert einer Institution wie der Kirche glaubhaft, glaubwürdig zu vermitteln: Seien es Skandale, in denen (meist) Fehlverhalten einzelner dem Ganzen angelastet wird, seien es überkommene oder überkommen scheinende, als Fesseln empfundene Regeln, sei es der Eindruck, es werde eher Gehorsam eingefordert als liebender Glaube überzeugend vermittelt.

    Bei all dem wird übersehen, wie viele – gerade auch junge – Menschen sich in der Nachfolge des Herrn versuchen. Unzählige Ministrantinnen und Ministranten dienen am Altar. Alljährlich ziehen Scharen von Sternsingern aus, um Spenden für karitative Hilfe und Entwicklungsprojekte zu Gunsten notleidender Menschen zu sammeln. Nicht zu beziffern ist die Menge derer, die ihre Stimme zum Gesang erheben bzw. diesen mit ihren Instrumenten begleiten.

    Am vergangenen Wochenende hatte ich Gelegenheit, als Gast zwei Veranstaltungen im Jugendhaus Burg Feuerstein der Erzdiözese Bamberg zu besuchen. Die Werkstatt „Neues Geistliches Lied“ feierte Jubiläum: das 25. Festival religiöser Lieder. Zahlreiche Kinder, Jugendliche, junge und junggebliebene Erwachsene bereiteten sich zunächst in mehreren Arbeitsgruppen vor. Am Samstagabend gaben sie ein rund dreistündiges Konzert, am Sonntagmorgen stellten sie die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes in der prall gefüllten Kirche der Burg.

    „Beeindruckend“ wäre eine weit untertriebene Wertung. Voller Hingabe, Inbrunst und Überzeugung besangen die Musikerinnen und Musiker ihren Glauben, die Frohbotschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen, der Liebe der Menschen zu Gott und zueinander. Mahnende Worte, für den Frieden einzutreten und die Schöpfung zu bewahren, komplettierten die Verkündigung.

    Mit Ausnahme des Feuersteinchores traten sämtliche Gruppen zum ersten Mal in dieser Zusammensetzung auf – mehr oder weniger zufällig aus den anwesenden Teilnehmern des Festivals gebildet. Die jeweiligen Gruppenreferenten hatten ganze Arbeit geleistet, so daß die Darbietungen durchgehend eine hohe Qualität aufwiesen – und das abendliche Publikum ebenso wie die morgendlichen Gottesdienstbesucher in ihrer Begeisterung mitrissen.

    „Jedes Kind, das geboren wird, ist ein Beweis, daß Gott die Hoffnung auf die Menschheit noch nicht aufgegeben hat“, habe ich vor vielen Jahren gelesen. Die Hoffnung ist berechtigt, wenn derart viele ihr musikalisches Talent nutzen, den Glauben zu bekunden und andere mitzunehmen.

    Woran es vielfach fehlt, ist indes unverkennbar: Zu wenige erfahren von solchem Engagement. „Man zündet doch nicht ein Licht an und stellt es unter den Scheffel, sondern man stellt es auf einen Leuchter, auf daß jeder das Licht sehe“, heißt es im Buch der Bücher. Viele Rattenfänger haben es scheinbar leicht, mit einfachen Botschaften Anhänger zu ködern – für nicht selten menschenverachtende Zwecke. Man denke an die politische Rechtsaußen-Szene, linksradikale Gruppierungen oder religiöse Extremisten.

    Auch Christi Botschaft ist einfach: „Du sollst den Herrn, Deinen Gott, lieben von ganzem Herzen! Und Du sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich selbst!“ Sollte diese Botschaft, überzeugend vermittelt, von überzeugten Christen und gern mit zu Herzen gehender Musik, nicht in der Lage sein, Menschen zu versammeln, zu einigen?

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