Bamberg hat den Blues: Banker-Immobilieninvestoren-Bühnen, „Kultur zum Nulltarif“ und die Bamberger Bratwurst

 Redaktion

Beobachtungen abseits der Musik

„Nutzen Sie unsere Sponsoren!“, so die Begrüßung des Geschäftsführers von Stadtmarketing e.V., Klaus Stieringer, bei seinen Bühnenauftritten. Die drei Hauptbühnen des Festivals am Maxplatz, am Gabelmann und auf der Böhmerwiese haben – vergleichbar mit Sportstadien – einen Namen und sind vortreffliche Werbeträger.

Sparda-Bühne. Foto: Erich Weiß

Sparda-Bühne. Foto: Erich Weiß

Als Eventveranstalter führte Stieringer mit drei weiteren Moderatoren durch’s mehrtägige Programm, stellte nicht nur Musiker vor, sondern viel lieber die Bühnennamensgeber: „Auch der Chef der Sparda-Bank hat einen großen Applaus verdient! (Applaus des Publikums) Sie können online gleich ein Konto bei der Sparda-Bank eröffnen.“ Sogar einen Bühnenauftritt durfte Peter van de Ven von der Bamberger Bankfiliale absolvieren.

Sparda-Kultur zum Nulltarif. Foto: Christiane Hartleitner

Sparda-Kultur zum Nulltarif. Foto: Christiane Hartleitner

Das Festival rühmt sich einer Kultur zum Nulltarif. Ein Umstand, der mittlerweile (endlich!) zu Irritationen führt: Beschwerden über Eintritt im Live-Club, wo nach Ausklang der Musik im öffentlichen Raum Musikfreunde noch einen klanglichen Absacker zu sich nehmen können, wirft die Frage in den Raum, inwieweit mit dieser Ansage ein Weg in die Irre eingeleitet wird. Man könnte dies auch „Verdrängungswettbewerb“ nennen und darf auf eine grundsätzliche Diskussion über die Aussage „Kultur zum Nulltarif“ hoffen.

Denkmal neu-Bühne. Foto: Erich Weiß

denkmalneu-Bühne am Gabelmann. Foto: Erich Weiß

Wie viele Freunde der Straßenmusik der Aufforderung „Kaufen Sie sich ein Haus oder eine Wohnung auf dem Schaeffler-Gelände!“ von Klaus Stieringer, nicht nur Chef von Stadtmarketing-Verein, sondern auch Vorsitzender der SPD-Fraktion, bei der Eröffnung der Bühne am Gabelmann nachkommen, ist nicht bekannt. Die denkmalneu-Gruppe gehört zu den Großinvestoren in Bamberg und wirbt mit „Sanierungsobjekten als Kapitalanlage“, nicht nur auf dem ERBA-, sondern auch auf dem Schaeffler-Gelände. Eher im hochpreisigen Segment. Ebenjene Investorengruppe um Jürgen Dziumbla profitiert vom anziehenden Bamberger Immobilienhype und dient Stieringer seit mehreren Jahren als Unterstützer seines Festivals. Eine win-win-Situation eben. Anfang Juni schlug Stieringer als frischgebackener SPD-Fraktionsführer diese als Projektanten im „Quartier an der Stadtmauer“ vor (lies Nicht nur die GAL ist gespannt auf Koalitionsvertrag von CSU/SPD/FDP): Nach gemeinsamer Volksbelustigung reicht man sich das Handtuch.

denkmalneubühne. Foto: Christiane Hartleitner

denkmalneubühne. Foto: Christiane Hartleitner

Kann man Altes neu erschaffen? – Praktiker und Philosophen würden dies verneinen.

Engel und Völkers Bühne. Foto: Erich Weiß

Engel & Völkers-Bühne auf der Böhmerwiese. Foto: Erich Weiß

Der focus nannte Christian Völkers einst den mächtigsten Immobilienmakler Europas. Völkers selbst: „Wir versuchen an jedem Standort als teurer Jakob aufzutreten. Nur so kommt man an die besten Immobilien.“ Das Franchising-Unternehmen aus dem Bereich der Vermittlung von Wohn- und Gewerbeimmobilien sowie von Yachten war Sponsor der Böhmerwiese-Bühne und  jazzte als Bamberger Ableger mit einem Messe-Zelt.

Bamberger Bratwurst. Foto: Christiane Hartleitner

Bamberger Bratwurst- Standbetreiber Stadtmarketing. Foto: Christiane Hartleitner

Nicht nur Sparda, denkmalneu und Engel & Völkers sind – neben zahlreichen kleineren „Sponsoren“ – präsent, auch der Stadtmarketing-Verein selbst werkelt mit. Eher unerkannt, weil anonym (kein Adressschild im Stand zeichnet jenen Bratwurststand am Gabelmann als Standbetreiber „Stadtmarketing“ aus) bräunt die „Bamberger Bratwurst“. Die sonst in der Fußgängerzone brutzelnden Bratwurststände verbleiben während des publikumsstarken Events auf ihren Plätzen, den 1a-Standort übernimmt der Veranstalter. Man könnte dies auch „Verdrängungswettbewerb“ nennen.

VIP Bereich. Foto: Erich Weiß

VIP Bereich. Foto: Erich Weiß

Besonders sorgfältig die Behandlung der VIPs. Auch das könnte man „Verdrängungswettbewerb“ nennen.

Tucher Kubus. Foto: Erich Weiß

Tucher Kubus. Foto: Erich Weiß

Tucher – als Hauptsponsor im mit der höchsten Brauerei-Dichte gesegneten Bamberg – allgegenwärtig präsent. „Kaufen Sie ein Tucher-Bier und unterstützen Sie somit unser Fest!“ Wer? Natürlich Klaus Stieringer bei seinen Bühnenauftritten. Auch das könnte man  „Verdrängungswettbewerb“ nennen.

Fazit: Der öffentliche Raum ist ein attraktiver Raum, im Alltag steht hin und wieder die Aufenthaltsqualität im Mittelpunkt der Überlegungen. Während der Events erfolgt eine Umnutzung als Werbeträger. Als Werbeträger von Firmen, die über Umwege politischen Einfluss beabsichtigen, diesen – Bebauung ERBA, Schaeffler 2.0 – erreichen und zukünftig – Quartier an der Stadtmauer, Planungen auf dem Konversionsgelände – beabsichtigen. Allgegenwärtig läuft der Verdrängungswettbewerb auf Hochtouren. Auch zu Ungunsten heimischer Firmen.

9 Gedanken zu „Bamberg hat den Blues: Banker-Immobilieninvestoren-Bühnen, „Kultur zum Nulltarif“ und die Bamberger Bratwurst

  1. @ „DDT sagte am 18. August 2014 um 18:10 „:
    Feindlichkeit gegenüber Studierenden ist der falsche Weg. Die treffen in dieser Stadt nicht die Entscheidungen.

  2. Der Artikel und sein bringen die Entwicklung in Bamberg auf den Punkt: die Einheimischen (sowohl Bürger als auch Unternehmen) geraten immer mehr ins Hintertreffen. Die Verantwortlichen scheint das nicht zu stören, da für die Einheimischen genug finanzkräftige Neubürger und -unternehmen nachkommen, die ihnen ein bisschen Glanz und Glamour bescheren. Die Ursache für diese Entwicklung kann sicherlich nicht nur in einer Person liegen. Es ist eher eine politische Gemengelage mit einer sich selbst nicht einigen und entsprechend schwachen CSU und einer SPD die zumindest an der Fraktionsspitze nichts von den ursprünglichen sozialdemokratischen Werten erkennen lässt, sondern die beschriebene Entwicklung noch unterstützt.
    Wartet mal ab, wie rasant sich Bamberg dann entwickeln wird, wenn Herr Stieringer erst mal den OB-Sessel erklommen hat. Ein Paradies für neureiche Yuppies und finanzkräftige Ruheständler, die mit tollen Events bei Laune gehalten werden. Die sind dann zwischenzeitlich schon Tradition, so dass dann auch die Ballermann-Moderationen von Herrn Ehlers als typisch Bambergerisch gelten werden.
    Da ist es dann doch durchaus positiv, dass ich es mir trotz Vollzeitjob nicht mehr leisten kann, in Bamberg vernünftig zu leben…

  3. der Stieringer soll bloss die Hände von der Sandkerwa lassen, nicht daß sie nächstes Jahr heisst wie z.B. das „große Brose-Stadtfest“ o.ä.. Das Canalissimo ist auch nicht auf seinem Misthaufen gewachsen und das ist ebenfalls toll.

  4. Verdrängt sind die echten Bamberger doch schon längst.
    So auch ich. Bamberg ist zu einer Kulisse für Geldparker und solvente Studenten verkommen. Stillstand vor dem Abstieg.
    Ahoi.

  5. loswerden? aber aber

    habt ihr noch nicht gemerkt, wie er gerade in position gebracht wird? wofür sind denn eigentlich die beiden geburtstags-kasperle da, wenn zur zeit ständig der fischkopf den OB bei den veranstaltungen vertritt?

    da motzt noch nicht einmal der kleine lach-august und 3. bgm bei soviel darstellungssucht. und der 2. bgm ist eh mehr mit seiner asylfeindlichen jammertruppe beschäftigt, als mit politischem weitblick.

    also, was soll da noch kommen? bamberg wird die geilste stadt der welt? so hat dumm-wendler oder der mallorca-könig auch schon mal gedröhnt

  6. Das Tucher-Biere (bis aufs Zirndorfer) eine untrinkbare Industrieplörre sind, unterschreibe ich. Ihr müßt das aber mal so sehen: Für die Marketingabteilung eines Industrieplörrenkonzerns ist Bamberg und Umgebung so das kleine gallische Dorf, wo partout keine akzeptablen Umsatzzahlen zu erreichen sind. Also pumpt man jedes Jahr ein Heidengeld aus dem Werbeetat nach Bamberg, bereitet uns damit kostenlos das Bluesfest und hofft daß wir das Zeugs doch kaufen.

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