Arena 4: „Städte brauchen Flächen – keinen Gebäudebestand“

Redaktion

Nachdem in vergangenen Veranstaltungen allzu leichtsinnig durchgesickert war, dass die Planer davon ausgehen, einige oder mehrere Gebäude auf dem Konversionsgelände abzureißen, bemühte man sich, diesen Eindruck etwas abzumildern bzw. verdaulicher zu präsentieren.

Zu Beginn stellte Professor Dr. Selle seine Vision von einer städtebaulichen Einbindung des Konversionsgeländes in die bestehende Stadt dar. So sollen parkartige Grünflächen z.B. parallel zur Zollnerstraße eine Verbindung schaffen, um den bislang durch Bahnlinie und Berliner Ring von der Stadt abgetrennten, neuen Stadtteil zu integrieren. Für das Gebiet selbst stellt er sich ein „kompaktes Wachstum“ vor, d.h. verdichtetes Bauen und neu bauen.

Das Gebiet biete zukünftig Platz für 5.000 Menschen. Das wäre für die Stadt Bamberg eine Entwicklungschance, die aber auch genutzt werden möge – und auch erreicht werden will. 5.000 Menschen bringt man nicht ohne weiteres in eine Stadt der Größenordnung von Bamberg. So werde diese Größenordnung, nach Aussagen der Professoren Selle und Wachter, wenn überhaupt, dann frühestens bis ca. 2030 erreicht.

„Qualitativ hochwertiger Osten“

Man wolle einen „qualitativ hochwertigen Osten“ schaffen. Diesem Ziel stünden die derzeit bestehenden „Einfachwohnungen“ und „anonymen Freiflächen“ entgegen. Zielführender wäre die Beibehaltung einiger stadtbildprägender Gebäude und die Ergänzung durch schicke Neubauten: also wachsen, abreißen und neubauen.

„Der Mantel ist zu groß“

Zwei Probleme wurden hierbei in den Vordergrund gestellt: einmal der nicht kalkulierbare Bedarf (bzw. der noch nicht quantitativ erhobene, tatsächliche Bedarf) und die hohen Unterhaltskosten leerstehender Gebäude. Momentan würden in den Bestandsflächen ca. 2.000 Menschen Wohnraum finden. Andererseits biete die Fläche insgesamt die Chance Wohnraum für 5.000 Menschen. „Der Mantel ist zu groß für den Bedarf“, so das Credo der Professoren. Derzeit gibt man sich Mühe, die Wohnungen eher schlecht zu rechnen: Es handele sich um Einfachwohnungen, die den Bedürfnissen nicht standhalten, es gäbe technische Probleme mit der Versorgung für Gas, Wasser, Strom und außerdem gäbe es keine gewachsene Sozialstruktur. Und tatsächlich würden die ersten neuen Bewohner wohl in einer Art Geisterstadt leben bis der Leerstand drumherum langsam mit neuen Nachbarn, Mietern oder Eigentümern, gefüllt wird.

Die Wortmeldungen der anwesenden Bürger relativierten diese Aussagen sofort

Die Wohnungen befänden sich in einem hervorragenden Zustand, hätten großzügige Grundrisse. Technische Probleme müsse man halt lösen. Über die Sozialstruktur wurde nicht diskutiert, kein Neubau eines Quartiers verfügt über eine gewachsene Sozialstruktur, sondern diese müsse sich immer erst bilden – bei jeglicher Neuansiedlung in einem bislang unbewohnten Gebiet. Die Zuhörer wollten fast alle den Bestand erhalten. Sie sehen darin eine Chance für sich selbst und/oder zur Entspannung der strapazierten Wohnsituation in Bamberg. Der frühere Baureferent der Stadt Bamberg, Professor Carsten Jonas, stellte fest, dass der Wohnbedarf nicht nur durch mehr Menschen, sondern auch durch einen immer höher werdenden Bedarf an Wohnfläche pro Person und der Tendenz zu immer kleineren Haushaltsgrößen (Schlagwort Singlehaushalte) zunimmt. Insgesamt bescheinigt das Publikum dem Konversionsgebiet eine hohe Wohnqualität.

Die Vortragenden machten demnach drei Hauptprobleme aus:

  1. einen geringen Bedarf
  2. hohe Kosten für Erhaltung der Bausubstanz im Leerstand
  3. die Bundesagentur für Immobilienaufgaben (BIMA) sei angehalten, möglichst hohe Erlöse zu erzielen

Fehlende Bedarfsanalyse

Nach Harald Lang vom Konversionsmanagement und Heinrich Kemmer von der Stadtbau GmbH existiert bislang keine Wohnbedarfsanalyse. Weder Stadtentwickler noch die Stadt Bamberg selbst wissen, wie viele Wohnungen tatsächlich gesucht werden. Es gibt schlicht keine Erhebung darüber. Die einzige Zahl die man hat: im Durchschnitt der letzten 10 Jahre werden 250 neue Wohnungen pro Jahr neu erstellt. Sozialer Wohnungsbau wurde allerdings vernachlässigt, denn laut www.menscheninnot-bamberg.de, kamen 2012 167 Personen zur Beratung, mit seit Jahren steigender Tendenz. Diese Menschen suchen vor allem eine Wohnung. Allerdings ist das wohl kein gutes Geschäft.

Die Kosten für den Leerstand wurden auf ca. 3,8 Millionen pro Jahr kalkuliert. Keine Kostenrechnung gab es allerdings für die gewünschten Abbrucharbeiten, Neuplanungen und Neubauten.

Die Verhandlungen mit der BIMA würden mindestens 3 Jahre dauern. Bestätigt von dieser und nach Erfahrungen mit anderen Konversionstädten. In diesen 3 Jahren ergeben sich tatsächlich Probleme mit dem Leerstand der Wohnungen. Von einer Zwischennutzung mittels Wächtern, wie von der GAL vorgeschlagen (Konversionsgelände schon ab 2014 nutzen), war keine Rede. Mit 100 Wohnungen als „Versuchsballon“ will die Stadtbau an der Zollnerstraße, Ecke Hauptsmoorstraße herausfinden, wie die Wohnungen nachgefragt werden – wenn die BIMA diesem Vorhaben positiv gegenüber steht und dieses Vorhaben noch vor Vertragsabschluss ermöglicht. Allerdings handelt es sich bei der BIMA um eine Anstalt des Bundes, die nach Richtlinien des Parlaments bzw. der Regierung handelt. Somit sind die Richtlinien der BIMA dem politischen Prozess unterworfen – wenn man will.

Als Resümee lässt sich wohl festhalten, dass man versucht, etwas cleverer vorzugehen, aber bei seinen Maximen bleiben will: wachsen / bauen / abbrechen / bauen / (verdienen).

Herr Professor Stelle versprach die gezeigten Folien zu den Zahlen und Planungen im Internet der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen.

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Konversionsgelände schon ab 2014 nutzen / Vortragsreihe KONVERSION.CHANCEN FÜR BAMBERG / Bima verkauft Konversions-Wohnungen überteuert / Was kommt nach den Amerikanern? Konversion am Beispiel Darmstadt / Bedingungen zur Veräußerung der US-Konversionsliegenschaften verbessern / Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer: Was andere mit den Konversionsflächen vorhaben, am Beispiel Mannheim und der Musikpark von Xavier Naidoo / IBA als fruchtbarer Keimboden für Stadtentwicklung

5 Gedanken zu „Arena 4: „Städte brauchen Flächen – keinen Gebäudebestand“

  1. Herr Wachten zeigte nur für Sekunden, wie er sich das neue Gewerbegebiet entlang der Armeestraße und auf der Muna vorstellt. Da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt – und das auf ca. 200ha Fläche! Es werden nicht nur wertvolle Biotope auf den Army-Flächen großzügig überplant, sondern auch noch der Staatsforst bis zur Grenze des Landschaftsschutzgebietes. Wer als Ostbamberger demnächst in den Wald will, darf dann zunächst die großzügig angelegten Gewerbegebiete durchqueren.
    Ich bin ja mal gespannt, ob die Vortragsfolien von Prof. Wachten wie versprochen tatsächlich im Internet veröffentlicht werden – bisher ist das nicht der Fall…

  2. Einfachwohnungen: so ein Schwachsinn! Glauben die von der Stadt, irgendjemand würde diesen Quatsch glauben? Die Amis wollten natürlich in guten Wohnungen leben und das taten sie auch. Die Wohnungen sind einwandfrei.
    Keine gewachsene Sozialstruktur: auch so ein Angstmach-Argument! Aber egal, ob man die Siedlung bezieht oder sie abreißt, eine neue Siedlung baut und die dann bezieht. In jedem Fall muss eine Sozialstruktur erst wachsen. Was soll dieser Blödsinn? Wollen die uns verarschen?

    • ja
      das machen sie doch schon die ganze zeit und seit den wahlen noch deutlicher. mit 2 ministranten als stellvertreter und einem programmdirektor im rücken geht scheinbar alles

      die (bamberger) welt gehört eben den egomanen selbstdarstellern. wetten dass sie niemand mehr gewählt haben will?

  3. Bamberg braucht Wohnungen für Familien, Studierende, junge Berufstätige mit kleinem Gehalt und Rentner mit kleiner Rente. Luxuswohnungen und gehobener Bedarf wird der Markt immer hervorbringen, wobei eine gewisse soziale Durchmischung in jedem Viertel wünschenswert ist.

    Aber Bamberg ist die attraktivste Stadt ganz Oberfrankens, eine der attraktivsten unter den kleineren Städten Deutschlands und hat nun die einmalige Chance durch bezahlbaren Wohnraum auch für junge Familien sowie zugleich für Kleinrentner zugleich demografiefest zu werden.

    Wünschenswert wäre freilich den Bestand energetisch zu ertüchtigen und im Rahmen eines Modellprojektes regenerativ zu beheizen. Hier böte sich für die schöne, alte Stadt die Chance auch ein Vorreiter zu sein. Kulturelle Belebung könnnen Studenten und studentische Infrastruktur bringen.

    • na na na, das geht ja mal gar ned!
      dafür ist doch die partygang aus dem hohen norden (bremen/hamburg) zuständig. wie kann man nur daran denken, dem kulturpapst in die suppe zu spucken, oder dem oberhäuptling fehler einreden zu wollen.
      vom sozial vernünftigen wohnungsbau (30%-quote) – ausgerechnet nach dem vorbild von hamburg – hat in unserem total verfilzten dorf noch keiner was gehört.
      aber abholzen um die investoren gefügig zu machen. irgend einer muss doch all die partys bezahlen.

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