Online-Handel schwächt die Einzelhändler. Darum „Lass den Klick in Deiner Stadt“

Redaktion

Online-Handel schwächt die innerstädtischen Einzelhändler. Auch in Bamberg.

Grüner Markt, ehemalige Buchhandlung Görres. Foto:  Erich Weiß

Grüner Markt, ehemalige Buchhandlung Görres. Foto: Erich Weiß

Laut Statistiken hat der Online-Umsatz im vergangenen Jahr bereits über 8 Prozent betragen und für 2014 wird erneut eine Steigerung von 22 Prozent (!) erwartet. Diese Entwicklung entzieht den lokalen Einzelhändlern nötige Umsätze. Die Folgen sind in kleineren Städten und Gemeinden bereits spür- und erlebbar: Fachgeschäfte (Amazon macht vor allem den örtlichen Buchhändlern zu schaffen) schließen, Läden stehen leer, Fußgängerzonen veröden, Fachverkäufer sind arbeitslos, Vermieter müssen auf Mieteinnahmen verzichten, Kommunen und auch die ganze Bundesrepublik verzeichnen Steuereinbußen …

Während der Bamberger Citymanager Klaus Stieringer die Verödung der Innenstadt durch Großveranstaltungen als „Chefgastronom“ zu verhindern sucht, Events für Zauberer, Hunde und deren Anhänger vorbereitet und sich ob der Belastungen für die Innenstadtbewohner Rechtfertigungen überlegen muss und diesen den Wegzug empfiehlt, sind andere Städte dabei, den innerstädtischen Handel mittels einer zugegeben aufwändigen, doch sich offensichtlich lohnenden Aktion zu stärken: „Lass den Klick in Deiner Stadt“. Nicht nur in Würzburg, auch in Augsburg (hier und hier), in Sachsen und in Aschaffenburg machen sich Betroffene, Verantwortliche und städtische Wirtschaftsförderung meist im Schulterschluss mit den örtlichen Medien auf den Weg, das Einkaufverhalten zu thematisieren. Die Online-Shopper mögen in die Städte zurückkehren. Ganz nach dem Motto: Buy local!

Andernorts zieht man an einem Strang zur Unterstützung des Handels. In Bamberg gibt das Stadtmarketing den „Chefgastronom“ im Eigeninteresse

Es reift außerhalb Bambergs wohl die Einsicht, dass das Überleben der regionalen Geschäftswelt nur mit der regionalen Kundschaft zu bewältigen ist: eine Fokusierung der Geschäfte auf die Bürger der Stadt und des Umlands, die als Kunden den Umsatz im Alltag garantieren. Unterstützung erfährt „Lass den Klick in Deiner Stadt“ von den jeweils örtlichen Medien. In Bamberg hat sich diese Aktion noch nicht verbreitet. Bis auf die Bamberger Online Zeitung meiden die Bamberger Medien diesen Aufruf, versuchen sich bevorzugt als Veranstalter (und Mitverdiener) von Großereignissen, statt einen grundsätzlichen Aufruf zur Unterstützung des Handels zu starten. Die Bamberger Interessensverbände der Wirtschaft springen auf diesen, andernorts erfolgreichen, Zug nicht auf. Von Seiten der Stadtverwaltung übernimmt die Bamberger Wirtschaftsförderung in diesem Arrangement die Aufgabe der Beruhigung der Innenstadtbewohner, wie unlängst beim „Hearing“ zu den Innenstadtveranstaltungen. Umherziehende Menschenmassen, die sich durch Eventtourismus mal in dieser und mal in der anderen „Metropole“ vergnügen, genießen die Bespaßung ohnehin bevorzugt ohne lästige Einkaufstüten in den Händen. Immer größere Events führen lediglich zu Konkurrenz zwischen den „Zentren“ und lassen das Ziel, die Stärkung der heimischen Wirtschaft, aus den Augen.

Bayerische Staatszeitung: „Unsere Innenstädte werden leerer“

Auch die IHK Aschaffenburg hat bereits reagiert, wie die Bayerische Staatszeitung berichtet. Unter dem Titel „Unsere Innenstädte werden leerer“ wirbt sie für „Lass den Klick in Deiner Stadt“: „die Hörfunk- und TV-Kampagne soll in Ergänzung zu Promotionaktionen der Händler den lokalen Handel stärken und den Menschen zeigen, wie attraktiv die Geschäfte in der Region sind. Man wolle konkrete Vorteile für den Käufer und für die Stadt verdeutlichen und Kunden aus den „Online-Läden“ wieder zurück in die Geschäfte locken.“ Daneben unterstützt die cima GmbH (versteht sich als Kompetenzzentrum für Stadt- und Regionalentwicklung und für Marketing im öffentlichen Sektor im gesamten deutschsprachigen Raum) in ihren news ebenfalls die Aktion „Lass den Klick in Deiner Stadt“.

Erfolgreiche Kampagne für den lokalen Handel

Ein Hamburger Marktforschungsinstitut hat im Auftrag des Augsburger Privatsenders die Auswirkungen mittels einer Umfrage nachgehakt: 35 % der Befragten gaben an, ihr Einkaufsverhalten nach der Aktion geändert zu haben und wieder stärker beim lokalen Handel zu kaufen. Bei den befragten RT1-Hörern hat sich das sogar die Hälfte vorgenommen!

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2 Gedanken zu „Online-Handel schwächt die Einzelhändler. Darum „Lass den Klick in Deiner Stadt“

  1. Unser hoch ausgezeichneter norddeutscher Stieringer und sein Partei-/Busenfreund Starke haben doch im letzten Wahlkampf die Meinung Vertreten, dass es Bamberg gut gehe („Bamberg geht es gut“) und für ein weiter so geworben.
    Deshalb wird sich in Bamberg erst dann etwas zum besseren ändern, wenn Stieringer (und am besten auch noch Starke) von ihren Posten entfernt worden sind!

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