Fahrrad-Klima in Bamberg schlechter als 2005

Redaktion

Parken auf dem Fahrradweg am Kunigundendamm. Foto: Erich Weiß

Wie fahrradfreundlich sind Deutschlands Städte? Diese Frage will der „5. ADFC-Fahrradklima-Test“ beantworten (ADFC). Im Oktober machten wir auf diese Umfrage aufmerksam Wie Fahrrad-freundlich ist Bamberg? und mehr als doppelt soviele Teilnehmer haben im Vergleich zu 2005 teilgenommen. Insgesamt zeigt die Umfrage: Es gibt eine Menge Handlungsbedarf.

Besonders in Bamberg, denn im Vergleich zum letzten Test aus dem Jahr 2005 ist die Entwicklung unterdurchschnittlich – und das ist beschämend.

Der Fahrradklima-Test fand 2012 zum fünften Mal statt und wurde unterstützt vom BMVBS sowie der Fahrrad-Fachhandelsgruppe ZEG. Rund 80.000 Radfahrer machten mit – beim letzten Fahrradklima-Test 2005 waren es 26.000. Mit ihren Antworten auf 27 Fragen in fünf Kategorien konnten die Teilnehmer beschreiben, wie willkommen sie sich auf den Straßen ihrer Städte fühlen. 332 Städte haben die für die Wertung notwendige Mindestanzahl an eingeschickten Fragebögen erreicht, darunter alle 80 deutschen Städte mit über 100.000 Einwohnern. „Das ist ein großer Erfolg, der uns sehr freut. Damit ist der ADFC-Fahrradklima-Test die größte Untersuchung ihrer Art weltweit“, so Ulrich Syberg.

In einer Einschätzung der ARD heißt es: Wenn man nur auf das Gesamtergebnis sieht, hätte tatsächlich eine einzige Frage, nämlich die zweite des umfangreichen Fragebogens gereicht: „Werden Radfahrer/innen als Verkehrsteilnehmer akzeptiert?“ Tatsächlich zeigt nämlich die Antwort auf diese Frage eine deutliche Übereinstimmung mit der durchschnittlichen Bewertung der Fahrradfreundlichkeit der 332 Städte im aktuellen Test. Die Tendenz weist in diesem Wertungspunkt, wie in anderen auch, eindeutig nach unten. Das „Fahrradklima“, also die von Radfahrern empfundene Fahrradfreundlichkeit ihrer Städte wird messbar schlechter – und dass, obwohl viele Kommunen und Kreise in eine explizite Radverkehrsförderung eingestiegen sind.

Das Klima wird frostig

Die Stadt Bamberg belegt Platz 141 von 252 teilnehmenden Städten mit weniger als 100.000 Einwohner. Insgesamt wurden 115 Interviews geführt. Die Wertung von 3,83 ist einer Schulnote vergleichbar: ausreichend. Während Bamberg 2005 noch einen Platz im Mittelfeld (Platz 46 von 92 Städten) belegen konnte, wird das Fahrradklima als frostig eingestuft und die Entwicklung seitdem als unterdurchschnittlich. Auch auf Landesebene sieht es nicht besser aus: In Bayern belegt Bamberg Platz 17 von 29 Kommunen unter 100.000 Einwohner.

Wir haben die Kategorien herausgegriffen, in denen die Bamberger besonders schlecht abschneiden: 2. Der Stellenwert des Radverkehrs (4,17), 3. die Sicherheit beim Radfahren (4,04), 4. der Komfort beim Radfahren (4,33), 10. Inhalt von Zeitungsberichten (4,41), 11. Förderung in jüngster Zeit (4,09), 12. Falschparker auf Radwegen (4,54), 14. Ampelschaltungen für Radfahrer (4,54), 15. Winterdienst auf Radwegen (4,06), 17. Konflikte mit Fußgängern (4,08), 18. Konflikte mit Kfz (4,17), 21. Fahren auf Radwegen und Radfahrstreifen (4,15), 22. Fahren im Mischverkehr mit Kfz  (4,14), 23. Breite der Radwege (4,83), 26. Führung an Baustellen (4,74), 27. Fahrradmitnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln (4,44), 32. öffentliche Fahrräder (4,32).

Die besten Werte erhielt Bamberg für die Erreichbarkeit des Stadtzentrums (2,21) und für die Möglichkeit, zügig mit dem Rad unterwegs zu sein (2,56).

3 Gedanken zu „Fahrrad-Klima in Bamberg schlechter als 2005

  1. In Bamberg sind Kommunalpolitik und Stadtverwaltung zu feige, das beschämende, vor rund einem Monat bekanntgegebene Ergebnis des Fahrradklimatests 2013, eine schlechte 4 plus, öffentlich zu diskutieren. Das Verkehrsmittel Fahrrad aktiv zu befördern, ist man auch nicht bereit.

    Erlangen, in seiner Größenkategorie bestbenotete Kommune, hat hingegen erkannt, daß man sich auf der alles andere als glorreichen 3 minus nicht ausruhen darf. Die „Sieger“ in den anderen Kategorien, allesamt aus Nordrhein-Westfalen, erreichten Werte von 2 bis 2,5. Pro Einwohner und Jahr sollen 13 bis 18 Euro für den Radverkehr aufgebracht werden. Eines der wesentlichen Ziele ist die weitere Stärkung des Alltagsverkehrs mit dem Rad:

    https://ratsinfo.erlangen.de/bi/vo0050.php?__kvonr=2127073

    Bamberg hatte in seiner gehaltsarmen „Radverkehrsstrategie“ vor knapp drei Jahren immerhin 5 Euro ins Auge gefaßt gehabt. Tatsächlich ausgegeben wurde nur ein Bruchteil – und davon vieles für sinnlose bzw. zweckentfremdende Maßnahmen:

    * Markierung von überflüssigen Einfahrgassen in gegenläufig freigegebene Einbahnstraßen, die kaum Lenkerbreite aufweisen und unmittelbar auf ausgewiesene Kfz-Stellplätze, gar Behindertenparkplätze führen;

    * Anbringung der Geisterradlerwarnschilder, teils an Schildermasten, die auf (!) dem Radweg stehen – warum Radler die Fahrbahnquerung scheuen, wurde hingegen nie hinterfragt;

    * Wo es nachweislich besonders gefährlich ist, linksseitig auf dem Radweg zu fahren, wird es eigens angeordnet (Magazinstraße, Regensburger Ring – es gab bereits mehrere Unfälle) – dort versuchte man, wieder aus dem Fahrradetat, durch das an Kreuzungen und Einmündungen nicht (!) zulässige Warnschild „Radfahrer“ die rechtswidrige Benutzungspflicht zu „entschärfen“.

    * Der hochgefährliche „Schutzstreifen“ auf der Pfisterstraße und der vorgesehene auf dem Laubanger haben den Zweck, die Radler weitestmöglich an den Rand zu drängen. In Kauf genommen wird (angesichts zahlreicher Warnungen muß man behaupten: bewußt!), daß zu wenig Abstand zum Bordstein oder Parkstreifen verbleibt und Autofahrer durch die „trennende“ Markierung (12 cm) ermutigt werden, ohne ausreichende seitliche Distanz zu überholen. Durch die Rechtsprechung sind mindestens 1,5 bis 2 m vorgeschrieben.

    Woher also Bamberg den Mut nimmt, sich als „fahrradfreundlich“ einzustufen (Radverkehrsstrategie), wird zunehmend rätselhafter – zumal nicht eine Radverkehrsanlage den rechtlichen und fachlichen Anforderungen genügt.

    • Selbstverständlich wurde im vergangenen Februar das Ergebnisses des Fahrradklimatests 2014 (!) bekanntgegeben. Ich bitte, den Tippfehler zu entschuldigen.

  2. Ich bin etwas erstaunt, in der Bamberger Onlinezeitung noch nichts zum Fahrradklimatest 2014 lesen zu können:

    https://www.adfc.de/fahrradklima-test/adfc-startet-fahrradklima-test/adfc-fahrradklima-test-2014—die-ergebnisse

    Bamberg hat die beschämende Benotung der 2012er Befragung bestätigt: eine schlechte 4+. Darin spiegelt sich, daß für den Radverkehr nur wenig getan wird – und etliche der Maßnahmen haben vorrangig das Ziel, dem Autoverkehr die Bahn freizuräumen. Der sogenannte „Schutzstreifen“ am Pfisterberg ist ein solches Beispiel:

    Radfahrer, die bergab einen ausreichenden Seitenabstand (gemäß Rechtsprechung 0,8 bis 1,5 m) zu den parkenden Pkw einhalten, können von Kraftwagen nicht überholt werden, wenn diese einen ausreichenden Abstand (1,5 bis 2,0 m) beachten sollen. Die jetzt markierte Spur bewirkt, daß die Radler innerhalb des Gefahrenbereichs aufschlagender Autotüren fahren. Zugleich gewinnen die Fahrer im fließenden Autoverkehr den (falschen) Eindruck, sie brauchten auf Grund der markierten Fahrspurtrennung keine seitliche Distanz mehr einzuhalten. Unfälle sind vorprogrammiert – die Stadt war lange vor Realisierung gewarnt worden.

    Zwar ist ein „Schutzstreifen“ gemäß StVO nicht benutzungspflichtig – Radfahrer dürfen ohne weiteres so weit links fahren, daß sie vor den Autotüren sicher sind. Doch viele Autofahrer kennen die Rechtslage nicht und werden versuchen, durch aggressive Fahrweise zu maßregeln.

    Leider befindet sich Bamberg in schlechter Gesellschaft: Nur fünf Kommunen im Freistaat Bayern mit jeweils weniger als 50000 Einwohnern konnten eine glatte Drei erringen (bundesweit auf dem ersten Platz: Reken in Nordrhein-Westfalen mit einer ebenso glatten 2). In der Kategorie 50000 bis 100000 Einwohnern liegt Landshut mit ebenfalls 4+ knapp vor Bamberg (Bocholt in NRW, glatte 2), zwischen 100000 und 200000 Einwohnern liegt Erlangen mit einer kümmerlichen 3- auf dem bundesweit ersten Rang. München (4+) führt in diesem Bundesland in der Kategorie über 200000 Einwohnern (Münster in NRW, genau 2,5).

    Insgesamt ist das jämmerliche Abschneiden im Freistaat kein Ruhmesblatt für den angeblichen „Fahrradminister“ Joachim Herrmann. So rächt sich, daß die ihm unterstehende Kommunalaufsicht untätig zusieht, wie örtliche und regionale Verkehrsbehörden reihenweise rechtliche und fachliche Vorgaben für die Gestaltung des Radverkehrs mißachten und mit Füßen treten.

    Der übergroßen Mehrzahl der Bamberger Ratsmitglieder ist es augenscheinlich auch vollkommen gleichgültig, mit welchen Bedingungen Bambergs Radfahrer zurechtkommen müssen. An den erforderlichen Fachkenntnissen scheinen sie jedenfalls wenig Interesse zu haben.

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