Flusstourismus: Schiffpendelverkehr vom Hafen in die Innenstadt

 Redaktion

Ausfahrt aus dem Hafen an der Inselspitze vorbei. Foto: Erich Weiß

Warum sollen Flusstouristen vom Schiff in den Bus? Diese Frage ist berechtigt. Zumal Bamberg eine Flussstadt ist, geprägt von den Flussarmen der Lebensader Regnitz mit prächtigen Ansichten vom Wasser aus. Menschen, die vom Fluss aus die Welt entdecken möchten, wissen das. Zugegeben, mittlerweile ist der Flusstourismus in die Kritik gekommen, v.a. seit der Havarie der „Costa Concordia“ vor der italienischen Insel Giglio und den enormen Folgen der Seeungetüme für die Stadt Venedig (Fanal Grande).

Der Bamberger Hafen ist Anlaufpunkt für zahlreiche Kreuzfahrtschiffe

Nun ist der Bamberger Hafen Anlaufpunkt für zahlreiche Kreuzfahrtschiffe (in 2012 waren es 586 Kreuzfahrtschiffe, für 2013 werden ca. 700 erwartet), deren Touristen per Bus über den nun wirklich nicht sonderlich attraktiven Hafen und das dortige Gewerbegebiet in die Innenstadt an die Promenade gefahren werden. Keine reizvolle Vorstellung, das Weltkulturerbe über diese Strecke zu erfahren.

Dem Weltkulturerbe angemessene Einfahrt in die Bamberger Innenstadt

Einblick in den Fischpaß. Foto: Erich Weiß

Ein anderes Kennenlernen der Flussstadt Bamberg ist per Schiff möglich – wie dies während der Landesgartenschau erprobt und erfolgreich durchgeführt wurde: vom Hafen regnitzaufwärts in die letzte noch in Betrieb befindliche Schleuse des ehemaligen Ludwig-Donau-Main-Kanals,

Fahrt durch die Schleuße. Foto: Erich Weiß

am Alten Krankenhaus und an Klein Venedig vorbei, einen Blick auf den Michelsberg und den Dom werfen, mit dem Alten Rathaus im Blick …

Am Schiffbauplatz vorbei. Foto: Erich Weiß

Fachwerk in Klein Venedig. Foto: Erich Weiß

Schöne Aussicht auch bei Regen. Foto: Erich Weiß

Da drängt sich die Frage auf, warum man ein Umsteigen in Busse vornimmt, um die für zahlreiche Busse ungeeignete und ungeliebte Promenade anzusteuern? Die Online Zeitung hat hierüber mehrfach berichtet (Zur Situation an der Promenade: Trouble in Paradise / Promenade / Alternativen zum Busverkehr an der Promenade: Ein Beitrag zur Debatte / Touristenbusse versus Denkmäler jüdischer Kultur / Verkehr macht Denkmäler kaputt und Sind die Bamberger Straßen der Innenstadt für Lastverkehr ausgelegt? / Verkehr macht Denkmäler kaputt – die Bahn setzt den Weltkulturerbetitel aufs Spiel – die Stadt auch). Wir greifen den Vorschlag von Peter Braun (unten) auf, der in einer Gegendarstellung auf ein Schreiben der Gästeführer (WebZet) den Vorschlag macht, die Wasserstraße vermehrt zu nutzen.

Anlegestelle Am Kranen. Foto: Erich Weiß

Die Bamberger Personenschifffahrt der Familie Kropf (hier) unternimmt gefühlt seit  Menschengedenken das beliebte Erkunden per Schiff. Die „Stadt Bamberg“ verfügt über eine Kapazität von 238 Personen, die der „Christl“ über 237, hinzu kommt noch die kleinere „Franken“. Anlegestellen sind sowohl am Leinritt als auch Am Kranen vorhanden. Für kleinere Schiffe steht zusätzlich die am Schloss Geyerswörth bereit, die sich während des Flussfestes Canalissimo bewährt hat. Ein Umsteigen in eine Gondel könnte das Schaukeln auf den Wellen perfekt machen.

Am Kanal mit Gerberhäuser, Treidelpfad und Gondelanlegestelle. Foto: Erich Weiß

Um die gastronomischen Einrichtungen und Einkaufsmöglichkeiten in der Langen Straße, die laut Aussage der Gästeführer vom Standort Promenade „profitieren“, müsste man sich keine Sorgen machen: Sie sind fußläufig vom Kranen ebenso gut zu erreichen – in Bamberg sind die Wege kurz. Ein weiterer Vorteil ist die bessere Erreichbarkeit des Doms und der dort angesiedelten Museen. 

Es wäre Aufgabe des städtischen Touristikamts eine Alternative zur Promenade zu prüfen.

Peter Braun

Stellungnahme Sprecherrat Bamberger Gästeführer (WebZet) – Widerrede

Was immer vermutet wurde, nun liegt es auf dem Tisch: der Halteort südliche Promenade für Flußtouristenbusse dient dem Geschäft, und nur dem Geschäft, vor allem auch dem der Flußtouristen-Gästeführer, die meist für Nürnbergs „Geschichte für alle“ arbeiten, und natürlich auf einen reibungslosen Durchlauf möglichst vieler Touristen in möglichst rascher Folge Wert legen. Je mehr Touristen desto besser ihr Verdienst, doch davon wird freilich nicht gesprochen. Bamberg braucht Tourismus, doch braucht Bamberg diesen 2-Stunden-Rein-Raus-Tourismus?

Sicher ist: Gästeführer brauchen ihn. Für sie ist er bares Geld, doch das wird natürlich verschwiegen. Und ebenso wird vom Sprecherrat verschwiegen, daß viele Gästeführer, sehr viele, mit dem Haltepunkt südliche Promenade so gar nicht zufrieden sind und sich ernste Sorgen ob des Massentourismus in der Stadt machen. Gesprochen wird daher lieber nur von den Flußtouristen, ihrer Bequemlichkeit, ihrem Geld, das wenigen Geschäften der Langen Straße dient.

Kein Wort zur ökologisch desaströsen Verkehrsbelastung der Innenstadt

Kein Wort des Sprecherrats aber zur Belastung der Altstadt durch den Ex-und-Hopp-Tourismus. Kein Wort zur ökologisch desaströsen Verkehrsbelastung der Innenstadt durch die An- und Abfahrten der Hafenbusse quer durch sie hindurch. Kein Nachdenken über Möglichkeiten eines sanften Tourismus: Müssen die Flußtouristen mit Bussen in die Stadt? Sind dafür Bambergs Regnitz-Schiffe und Gartenschau-Shuttleboot mit ihren Anlegestellen an Leinritt und Kranen ungeeignet? Wer sagt, daß die Stadtwerke Bamberg nur Busse betreiben müssen? Neue Herausforderungen brauchen neues Denken. Doch auch zu Alternativen kein einziger eigener Gedanke, und schon gar kein Wort dazu, daß die Flußtouristenbusse nur ein Bruchteil der Verkehrsbelastung der südlichen Promenade sind.

Am allererstaunlichsten aber: Kein Wort zu den busverursachten Schäden an den denkmalgeschützten Häusern der südlichen Promenade. Bambergs Gästeführer leben vom Welterbe Bamberg. Das Welterbe aber besteht aus den denkmalgeschützten Häusern der Stadt. Nehmen sie Schaden, nimmt das Welterbe Schaden. Gerade den Gästeführern stünde gut zu Gesicht, für die Abwehr der Schäden am Welterbe einzutreten, von dem sie leben. Der kurzfristige Gewinn aus dem Touristen-Tagesgeschäft scheint dem Sprecherrat jedoch wichtiger als der langfristige Erhalt der Welterbestadt. Auf den Punkt: Mögen die Häuser doch kaputtgehen, Hauptsache das Trinkgeld stimmt.

7 Gedanken zu „Flusstourismus: Schiffpendelverkehr vom Hafen in die Innenstadt

  1. 240 Plätze pro Schiff?! Das heißt: 1 Schiff statt 6 Busse, die sonst gebraucht werden, um alle Flußtouris auf einmal in die Stadt zu bringen, wenigstens im Sommer. Im Winter sinds zwar weniger Plätze, denn dann sind die Freiluftplätze oben vielleicht zu kalt. Macht aber nix, denn im Winter sinds eh nicht soviel Flußtouris und dann reicht auch der Innenraum des Schiffes.Und wenn ein Schiff nicht reicht, hat Bamberg schließlich 2 große und ein kleines Schiff! Perfekte Lösung des Flußtouristentransportproblems.

  2. Selbst im Winter wär das ein gutes Geschäft für unsere Schiffe. Und das Geld und die Gewerbesteuer bliebe endlich mal in Bamberg und nicht bei den Landbussen und im Landkreis.

  3. Flusstouristen auf dem Fluss befördern, ist eine Lösung mit Charme. Daß die armen, alten Touristen keinen einzigen Schritt weiter als bisher laufen können, hat sich damit auch erledigt. Mittendrinner aussteigen geht nicht. Und an der Unteren Brücke wäre sogar eine Toilette für die Touristen. Wenn jetzt Starke und Hipelius immer noch auf der südlichen Promenade beharren, dann haben sich endgültig als Geldbeschaffer für ihre Spezln Graupner, Beckstein und Regionalbusunternehmer geoutet.

  4. In der jetzigen Form brauchen wir die Boatpeoples (Schiffstouristen) überhaupt nicht, denn sie lassen so gut wie kein Geld in Bamberg, da sie auf ihrem Schiff rund um die Uhr verpflegt werden ansonsten nur die Straßen und Gassen von Bamberg verstopfen.
    Sinnvoll währe eine lange Liegezeit, so daß diese Touris die Stadt über längere Zeit geldausgebend individuell erobern könnten.

    So gibt es z.B. in Österreich (Linz) folgende Lösung:
    Ein Tag Liegezeit kostet den Betrag X (Es werden nur ganze Tage berechnet.)
    Zwei Tage kosten aber nur X – 20%
    Drei Tage koste dann X – 40%
    u.s.w.

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