Peter Braun zur Situation an der Promenade: Trouble in Paradise

Die Promenade und deren Nutzung als Omnibusbahnhof wird seit Jahren heftig diskutiert. Mehrere Stadtratsentscheidungen liefen auf eine „vorläufige“ Nutzung hinaus.

Haltestelle vor der Villa Wassermann. Foto: Erich Weiß

Grundsätzliche Fragen sind unbeantwortet, stehen im Raum und warten auf eine Beantwortung: Betreibt die Stadt Bamberg dort einen Schwarzbau? Ohne ordentliches Raumordnungsverfahren, ohne Planfeststellungsverfahren, ohne Gutachten zur Straßeneignung (Bericht)?

Was für Venedig die Kreuzfahrtschiffe (SZ Berichte Invasion der Seemonster, Verkehrskollaps in Venedig), sind die Busse für Bamberg. Die Auswirkungen des zunehmenden Verkehrs zu Wasser und zur Straße können den Welterbestädten den Todesstoß versetzen. Langsam, aber nachhaltig, denn wenn Massen in Bewegung geraten, erzeugt das – ganz nüchtern und physikalisch betrachtet – Wellen. Wellen, die sich niederschlagen und erschüttern. Mit jedem Wellenschlag ein wenig mehr, ein wenig tiefer, doch gezielt und destruktiv. In Venedig hatte vor zehn Jahren bereits eine Unesco-Studie den schlechten Zustand der kanalseitigen Palastmauern bemängelt. Hauptursache seien die von Motorbooten verursachten Wellen – der Moto Ondoso.

Während dort dem empfindlichen System der Lagune nachhaltig die Zerstörung droht, sind es hier die über Jahrhunderte entstandenen Gebäude.

Intellektuelle und ihre gesamtgesellschaftliche Verantwortung

Peter Braun. Foto: Erich Weiß

Zur Situation an der Promenade: Trouble in Paradise? – Nur Trouble? Nein, Verschweigen, Hinhaltetaktik, bewusstes Inkaufnehmen von Schäden an Leib und Eigentum anderer, Entscheidungen nur auf Verwaltungsebene. Dabei sind Einschätzungen, die eine ganzheitliche Sicht in Betracht nehmen, dringend nötig. Daher kommt Intellektuellen eine besondere Rolle zu. Ihnen ist es möglich, den Blick auf das Große und Ganze zu richten. Und somit eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Gerade im Diskurs mit den Entscheidungsträgern kann und muss ihr Wort eine gewichtige Position einnehmen. Peter Braun, der Bamberger Schriftsteller (hier), ist seit Jahren einer, dem diese wichtige Position zusteht.

Interview der Bamberger Onlinezeitung mit dem Autor Peter Braun

Herr Braun, Sie sind Schriftsteller. Warum engagieren Sie sich für die denkmalgeschützten Häuser an der südlichen Promenade?

Um es gleich zu sagen: ich wohne dort nicht, ich habe dort kein Büro und ich habe dort keinen Besitz, Eigentum oder persönliche Interessen. Was ich aber seit Jahren tue: ich helfe mit meiner Hände Arbeit zusammen mit der Besitzerin und guten Freundin, Frau Hochmuth, das ehemalige jüdische Bankhaus „Villa Wassermann“ zu erhalten. Wieviele Wochenendstunden ich schon in der Villa verbracht habe, weiß ich nicht, aber da kommt was zam. Dennoch: Abgesehen davon, die Villa für Bamberg und die Nachwelt zu erhalten, ist es die Geschichte des Hauses, die den Einsatz verdient. Die Wassermann-Bank hatte bayerische, deutsche, europäische Bedeutung, bis zum finstersten Kapitel unserer Geschichte, und das Haus selbst ist ein Zeugnis hervorragender Baukunst. In ihm verbinden sich also Zeitgeschichte und Welterbe. Erbe aber bedeutet „Verantwortung und Erinnerung“. Nun bekommt dieses Welterbe Risse, und wer es kaputt macht, der zerstört die jüdische Vergangenheit Bambergs (Offener Brief). Grund genug sich zu engagieren.

Sprechen Sie für die IG-Promenade?

Nein, ich spreche für mich und sage meine Meinung.

7.000 Transferbusse der Flusskreuzer, 20.000 Regionalbusse, 140.000 Busse STWB/VGN pro Jahr an der südlichen Promenade – woher stammen die Zahlen?

Man nehme die Fahrpläne und Streckenführungspläne der Regional- und Stadtbusse und zähle die Durchfahrten und Halte. Beides kann sich jeder jederzeit im Internet besorgen. Für die Transferbusse braucht man nur die Hafenverwaltungen fragen. Der Rest ist Addition. Reisebusse aus anderen Städten, Shuttle-Busse für die Basketballspiele, Liefer- und Lastverkehr, Dienstfahrten, Verstärkerbusse, Taxi-, PKW- und Parksuchverkehr in Richtung und oft auch entgegen der Einbahnstraße, sind in den Zahlen noch gar nicht drin. Kommt das „Quartier an der Stadtmauer“, wirds mit deren Lieferverkehr noch heftiger.

Der Baureferent bejaht den Handlungsbedarf und stellt „ordentliche“ Verhältnisse in Aussicht. In der Praxis heißt das wohl eine Neuasphaltierung.

Daß eine Pinselsanierung der Straßenoberfläche bei weitem nicht genügt, dürfte Baureferent Ilk bekannt sein. Daß die Ertüchtigung des ein paar Meter entfernten nördlichen Promenadenteils Millionen kostete, ist bekannt. Daß die Ertüchtigung der Oberfläche und des Unterbaus der Südpromenadenstraße ähnlich teuer wird, steht zu vermuten. Daß im Stadthaushalt gewaltige Finanzlücken klaffen, wissen wir. Ich denke, die Millioneninvestition für die Gesamtertüchtigung der südlichen Promenade soll daher wohl unter allen Umständen vermieden werden, und deshalb der augenwischende Vorschlag, nur die Straßenoberfläche aufzuhübschen, die es zweifelsohne eh nötig hat, für das „Quartier an der Stadtmauer“ sowieso asphaltiert werden soll und jetzt für die ZOB-Erweiterung nur vorgezogen wird.

Von einer Erweiterung des ZOB war bisher nie die Rede.

Das Baureferat wehrte sich heftig, den Begriff „ZOB-Erweiterung“ in die Öffentlichkeit zu bringen, obwohl im Nachhinein festgestellt wurde, daß Baureferat und Stadtplanungsamt den Begriff seit Jahren in Stadtpapieren selbst verwenden. Warum das? Einen Busbahnhof mitten in eine Stadt zu setzen, dürfte mit erheblichen Auflagen verbunden sein. Vielleicht sollten die und ihre Kosten umgangen werden, indem die ZOB-Erweiterung als „Schwarzbau“ gemacht wurde? Vielleicht geht das ja gar nicht, einfach mal so Gehsteige zu Haltestellen zu machen? Ich weiß es nicht. Allein schon: hunderttausende von Busbenutzern und keine Toilette. Wird erwartet, daß Hotel-Restaurant Messerschmitt und Hotel Central weiterhin die Rolle des öffentlichen Pissoirs spielen? Fragen zumindest gäbs viele, Antworten gibts keine. Die Veröffentlichung der IG-Promenade hat den Plan jedenfalls auffliegen lassen, die Erweiterung des ZOB in aller Heimlichkeit durchzuführen. Das ist gut so.

Fragen der Anwohner werden nicht beantwortet?

Wurde vor der ZOB-Erweiterung der Straßenunterbau der Südpromenade auf Schwerlasteignung geprüft? Wurde von Seiten der Stadt ein Beweissicherungsverfahren durchgeführt? Planfeststellungs-, Raumordnungsverfahren, Bürgerbeteiligung, Bebauungsplanänderung? Wie lauten die Vorschriften für die Umnutzung von Straßen und den Bau eines Busbahnhofes? Warum schweigt das Denkmalamt einer Weltkulturerbestadt? Wird Klientelpolitik für Touristen, Gastronomie und Busunternehmer betrieben? Werden 2-Stunden-Ex-und-Hopp-Flußtouristen über die Belastung der Bamberger Bürger und den Denkmalschutz einer Welterbestadt gestellt? Wurde die ZOB-Erweiterung gemacht, um dem künftigen „Quartier an der Stadtmauer“ per Bus Kunden zuzuführen, weil es keine Kundenparkplätze geben wird? Ein Fragenkatalog liegt den zuständigen Stellen seit Monaten vor. Antworten: Keine. Aber um eine Lanze wenigstens für Herrn Ilk zu brechen: Er ist noch nicht mal 2 Jahre im Amt. Möglich, daß er von seinen Kollegen nur lückenhaft informiert wurde und wird. Vor seinem Amtsantritt jedenfalls wurde die Stadtspitze über die Auswirkungen der ZOB-Erweiterung informiert, und der Leiter des Stadtplanungsamtes, Herr Lang, ist lange genug dabei, um Bescheid zu wissen, und ausgerechnet er schweigt. Er wird wohl wissen warum. Da fällt mir ein: Wollte Herr Lang nicht selbst mal Baureferent werden? Egal, ich vermute, Herr Ilk, der einzige, der spontan gesprächsbereit war, sagt, was er sagt, weil er entsprechende Anweisung hat.

Die lautet?

Da kann ich nur raten. So in etwa: Die Stadtspitze hält an der südlichen Promenade fest, und will das auf dem Verwaltungsweg durchsetzen.

Wozu?

In Bamberg dreht sich mittlerweile alles um Geld und Umsatz. Ich denke daher, einerseits soll der Tourismusumsatz von Gastronomen in der Langen Straße und die Interessen des Tourismusservice, TKS, bedient werden. Andererseits: Das „Quartier an der Stadtmauer“ soll nicht noch weiter gefährdet werden. Die Einkaufsmeile wird keine Kundenparkplätze haben. Das Busaufkommen an der Südpromenade soll Investoren und Gewerbemietern ein Kundenpotential vorgaukeln, das als Busnutzer keine Parkplätze braucht, um die eh schon wackeligen Investoren bei der Stange zu halten. Nun, die Investoren werden staunen, wenn sie merken, daß in den Regionalbussen meist keiner sitzt. Das ist ja einer der üblen Witze an ihnen: 20 000 Busbewegungen für 2 Priesendorfer. Ob die Stadt da Versprechen abgegeben oder Verträge geschlossen hat, wer weiß das schon. Zudem sollen die Stadtbusse künftig an den VGN Nürnberg abgegeben werden, und der will wohl alle Busse an einem Punkt mitten in der Stadt. Ob dafür gleichfalls Absprachen existieren – müssen Sie alles die Stadt fragen.

Es wurde kein Gutachten zur Schwerlasttauglichkeit der südlichen Promenade erstellt und die Busse einfach so dorthin geschickt? Taugt die Straße über dem Alten Stadtgraben als Busbahnhof? Immerhin wird Treibsand darunter vermutet. Ein Tunnel von 1764 läuft dort entlang und der Graben wurde nur mit Schutt verfüllt (Bericht).

Das Baureferat sagt: die südliche Promenade muß für den Schwerlastverkehr ertüchtigt werden. Umgekehrt bedeutet das, daß sie nicht schwerlastgeeignet ist. Das Baureferat weiß, wie der Straßenunterbau der Südpromenade aussieht, sonst könnte es nicht herummunkeln, die „Villa Wassermann“ stehe auf ungeeignetem Baugrund des zugeschütteten Alten Stadtgrabens. Zugeschüttet? Alter Stadtgraben? Sieh an! Bisher hat man tunlichst vermieden darüber zu sprechen, wie es unter der Südpromenade aussieht. Als Baugrund nicht geeignet? Das Haus steht dort seit 150 Jahren ohne Schaden zu nehmen. Erst seit der ZOB-Erweiterung bekommt das Haus Risse.

Rissbildung durch Wand gehend. Rissbreite ca. 1,7 mm

Und wenn der Alte Stadtgraben urplötzlich nicht mehr für ein paar hundert Tonnen Hausgewicht geeignet sein soll, wie soll er dann für ein paar Millionen Tonnen Busgewicht geeignet sein? Für mich ist klar: Ämter und Bürgermeister wußten längst vor Ilks Antritt um den für einen Busbahnhof völlig ungeeigneten Zustand der Südpromenade und haben die mit der ZOB-Erweiterung entstandenen Erschütterungs-Schäden an den Promenadenhäusern absichtlich billigend und höchst fahrlässig willentlich in Kauf genommen.

Wintergarten, Westseite, Riss über gesamtes Gebäude. Abplatzungen durch die Bewegung des Gebäudes

Das Baureferat bezweifelt die Buszahlen der IG-Promenade.

Die Zahlen entstammen den offiziellen Fahr- und Linienverlaufsplänen von VGN
und Stadtwerken. Was soll daran falsch sein? Bezeichnend ist, daß sich das Amt erst nach fast drei Jahren, und erst nach Bekanntgabe der IG-Zahlen aufrafft, nachzuzählen, wieviele Busse tatsächlich über die Südpromenade rauschen. Der Grund für die Untätigkeit ist doch einfach: Die wirklichen Buszahlen sollten geheim gehalten werden, so seh ich das. Die bisherige Referats-Zahl von 50-60 pro Tag ist jedenfalls dummdreist. Allein die Stadtlinien 911 und 930 rumpeln nach ihren Fahr- und Streckenplänen im Jahresschnitt fast 100 Mal am Tag dort drüber. Oder: Die Flußtouristenbusse, die aus dem Bamberger Hafen kommen. Dem Bamberger Hafen? Hat man da ganz zufällig die Landestellen in Schweinfurt, Haßfurt, Zeil, Forchheim vergessen? Fast 4 Millionen Tonnen Buslast im Jahr nach derzeitiger Erkenntnis: das bedeutet, einmal am Tag joggt da der Eiffelturm. Lärm, Müll, Abgase kann sich jeder selbst vorstellen.

Das Baureferat sagt, die Schäden an den Häusern kommen nicht allein von den Bussen?

Dann muß es erklären, warum die Schäden an den Anliegerhäusern erst mit der ZOB-Erweiterung entstanden sind. Es muß darlegen, warum die Schäden an der „Villa Wassermann“ nicht an der Willy-Lessing-Seite sondern an der Promenadenseite auftreten, wie der ehemalige Baureferent der Stadt, Otmar Strauß, feststellte, warum an den Häusern gegenüber gleichfalls die Schäden promenadenseitig da sind und warum selbst an den beiden Neubauten, die nur mit erheblichem Aufwand für deren Fundamentierung gebaut werden durften, Schäden auf Seiten der Promenade auftauchen seit dort die Busse fahren. Die Stadt hat die Schadensursache gesetzt und weiter keiner. Alles sonst sind Ausflüchte, um sich vor der Schadensbeseitigung zu drücken. Daß Schäden entstehen, war der Stadtspitze übrigens bereits seit 2010 bekannt. Konsequenz seit bald drei Jahren: gar keine. Die Aussage, die Schäden der Denkmalhäuser werden „sehr ernst“ genommen, ist daher lächerlich. Umgekehrt bin ich sicher, die UNESCO nimmt das Bamberger Verwaltungsgebaren sehr ernst.

Das Baureferat sagt ebenso: ein Ausbau des ZOB sei nicht geplant.

Einen Ausbau des ZOB nach Süden plant das Baureferat freilich nicht, denn er hat bereits stattgefunden. Ob diese „Zusage“ zudem zukunftsbeständig ist, bezweifle ich, denn schon jetzt, wie gesagt, verhandelt die Stadt mit dem VGN, damit die Stadtbusse 2015 gänzlich in ihm aufgehen können, und dann werden wohl noch mehr VGN-Busse dort fahren. Ob der VGN in Nürnberg auf die Belange der südlichen Promenade in Bamberg Rücksicht nehmen wird? Wohl kaum. Die Stadt tuts ja schon jetzt selber nicht. Im übrigen muß das Baureferat das wohl sagen, denn sonst müßte irgendwer vielleicht erklären, warum die ZOB-Erweiterung zur Stadtbusnutzung am Stadtrat vorbeigeschmuggelt wurde.

Spielt die Stadt an der südlichen Promenade mit offenen Karten?

Noch einmal das Beispiel: Sie sprach während der „Testphase“ immer nur von 50-60 Bussen pro Tag und meinte damit vielleicht die Touristen- und Regionalbusse. Von den Stadtbussen war nie die Rede, obwohl man natürlich darum wußte, irgendwer hat ja die Fahrpläne gemacht und die Dienstanweisung an die Busfahrer herausgegeben. Ich glaube, man hat bewußt vermieden, die Öffnung der südlichen Promenade für die Stadtbusfahrten anzusprechen, um die wirkliche Belastung kleinzuschweigen. Was von der Aussage des Baureferats zu halten ist, man grüble seit Jahren über Lösungen, darüber mag sich jeder selbst ein Urteil bilden. Schließlich hieß es von Anfang an ohne Rücksicht auf Verluste: Das ist so und das bleibt so. Daran hat sich bis heute nichts geändert, und soll sich auch künftig nichts ändern, und daher ist allein das Wort „Test“-Phase schon Hohn und Spott. Zudem hat man alles getan, um Alternativen schlechtzureden. Eigene Alternativ-Vorschläge haben weder Baureferat noch Stadtplanungsamt vorgelegt. Kurz: man tut rein nichts.

Stichwort: Alternativen. Hauptsache die Busse verschwinden von der Südpromenade, sollen die anderen sie doch nehmen?

Insbesondere Frau Hochmuth hat von Anfang an Wert darauf gelegt, nicht nach dem Sankt-Florians-Prinzip zu handeln. Es geht um eine gerechte Verteilung der Lasten, und es gibt dafür viele Vorschläge, die bei der Stadt aber keiner hören will. Deren einfachster ist: Touristenbusse an die alten Regionalbushaltestellen in die Willy-Lessing-Straße. Die Flußtouristen haben damit keinen längeren Fußweg. Regionalbusse dahin, wohin sie gehören: an den Bahnhof und ebenso die Schulbusse. Chronisch bewegungsunterforderten Schülern kann ein Fußweg von 10 Minuten zugemutet werden. Die Durchfahrt der südlichen Promende für die Stadtbusse wird wie bereits vor den „Testphasen“ verboten und sie nehmen wieder ihre alten Anfahrtswege zum ZOB. Fertig. Einfach zu machen. Kosten: keine.

Oberbürgermeister Andreas Starke versprach gegenüber Mitgliedern der UNESCO-Welterbeorganisation „I will do everything that the world heritage will be preserved.“ Glauben Sie ihm das?

„To do everything“ bedeutet: alles, aber auch wirklich alles zu tun, um das Welterbe zu schützen und zu erhalten. Ob Andreas Starke Ehre hat und sein Wort etwas taugt, wird sich jetzt weisen. Nebenbei gesagt, daß das städtische Denkmalamt und das „Welterbezentrum Bamberg“ zu den Schäden an den denkmalgeschützten Häusern der südlichen Promenade nichts anzumerken haben, ist ein Armutszeugnis.

Was glauben Sie? Wie wird der Stadtrat entscheiden?

Das weiß ich nicht. Ich setze aber auf seine Vernunft, und daß er zumindest den einfachsten aller Alternativ-Vorschläge aufgreift. Was ich weiß ist: Mit der Veröffentlichung der Fakten der IG-Promenade kann sich kein Stadtrat mehr verstecken. Jedem muß jetzt klar sein, daß er nicht nur über Touristen- und Regionalbusse abstimmt, sondern zugleich über die Nutzung der südlichen Promenade durch die Stadtbusse, und daß er bei dieser Zustimmung zur Erweiterung des ZOB für sämtliche Konsequenzen verantwortlich ist.

Sind Sie von der Stadt enttäuscht?

Falls ich es bin, bin ich es nicht allein, denn ich bin mir sicher: Hunderte Bamberger Bürger, die sich für ihre Stadt engagieren oder mit enormem Aufwand dafür sorgen, daß die denkmalgeschützten Häuser erhalten bleiben, können ein ähnliches Lied singen wie die Anwohner der Promenade. Von etwelchen Mediationsverfahren gar nicht erst zu reden.

Verkehrspolitik ist ein schwieriges Thema, siehe ICE.

Ist sie. Aber: Die Stadtoberen regen sich über die Verkehrspolitik der DB auf und heucheln Krokodilstränen über Gefährdung des Welterbestatus, Immissionen, Lärmschutzwände, Sichtachsen. Bei der eigenen Verkehrspolitik an der Südpromenade hingegen handeln sie wie die DB. Immissionen? Wurscht. Erschütterungen? Egal. Schäden an denkmalgeschützten Häusern? Uninteressant, Hauptsache Verkehr und Rubel rollen. Unter gewissenhaftem Handeln einer Weltkulturerbestadt verstehe ich anderes. Arme „AG Bahnsinn“! Die Stadt Bamberg bekämpft an der ICE-Trassenplanung mit der linken Hand, was sie mit der rechten selbst tut, und kriegen das die Bahnplaner mit, lachen die sich erst krank über die Stadt, stellen die Verhandlungen ein und machen dann was sie wollen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Die Bushaltestellen und die Erweiterung des ZOB sind ein gescheitertes Experiment. Da mögen Stadtverwaltung, Stadträte oder Bürgermeister weiter den Papagei geben und die Litanei krächzen: Busse und südliche Promenade hätten sich bewährt. Eine schlechte Lüge wird durch ständiges Wiederholen auch nicht besser. Daß es keine Alternativen zur südlichen Promenade gebe, ist falsch. Es gibt sie, nur nicht den Willen zu ihnen. Und ganz ehrlich: Einmal möchte ich erleben, daß die Stadtpolitik Verantwortung für das übernimmt, was sie tut. Ein Entscheider dieser Stadt, ein Oberbürgermeister, ein Bürgermeister, egal wer, stellt sich hin und sagt: Ich habe einen Fehler gemacht, ich korrigiere ihn, ich übernehme für ihn die Verantwortung, und tut das dann auch tatsächlich! Das hätte Stil und Rückgrat!

14 Gedanken zu „Peter Braun zur Situation an der Promenade: Trouble in Paradise

  1. Lieber „Panther“,
    Ich bin mir jetzt nicht so sicher, ob ich Ihren Kommentar als blanken Kommentar verstehen soll, oder ob sich dahinter eine Frage in mich verbirgt, die ich soweit ich kann natürlich gern beantworten werde. Danke jedenfalls, dass Sie sich die Mühe machten, die offiziellen Fahr- ud Streckenpläne zur Hand zu nehmen. Sicher ist jedenfalls: erst kamen die Touristen- und die Regionalbusse an die Südpromenade, und allein durch dieses Verkehrsaufkommen entstanden bereits erhebliche Schäden an den denkmalgeschützten Häusern. Durch die danach folgende noch zusätzliche Öffnung für Stadtbuslinien, wurde alles noch weit schlimmer. Genauso sicher ist: wollen Sie an einem denkmalgeschützten Haus irgendetwas verändern, sehen sie sich einer Fülle von Auflagen gegenüber. Jede Änderung oder Baumaßnahme müssen Sie beantragen, begründen und genehmigen lassen. Und meist wird diese Genehmigung nicht erteilt. Aus gutem Grund: Unser Welterbe soll bewahrt werden. Ein politisch gewollter massiver Eingriff in das Weltkulturerbe Bamberg scheint hingegen nur eines Verwaltungsfederstrichs zu bedürfen, und schon wirds gemacht.

  2. Vor 2010 war die südliche Promenade keine Busverkehrsader. In der Presse ist seitdem von Stadtratsbeschlüssen zu Testphasen bzgl Touristenbusse und Regionalverkehr zu lesen – in den Kommentaren zumeist um Flußtouristen – kein Wort zu ZOB-Erweiterung. Hier sind doch die größte Anzahl der Busbewegungen und die größten Fragezeichen ansich. Unter http://www.vgn.de/linien/bus_bamberg/ finden sich 28 Buslinien, von denen 14 über die südliche Promenade fahren; siehe Streckenverlaufspläne. Die Fahrhäufigkeit ist über die Fahrpläne ganz leicht ermitteln: z.B. Linie 905 fährt tägl 54x über die südl.Promenade, die Linie 918 tägl 57x, Linie 930 tägl 77x etc etc … Von wegen keine ZOB-Erweiterung! Und was bedeutet „schrittweise Anpassung bis 2015“ (siehe http://www.stadtwerke-bamberg.de) für die südliche Promenade? Kommen mit Quartier-Bau noch weitere Buslinien hinzu? Kann ein Busbahnhof durch die Verwaltung erweitert werden? Regiert die Verwaltung in Bamberg? Verträge ohne Beteiligung, nicht einmal Information, der Betroffenen? – und fürs Publikum gibts nachgeschaltetes „Ringen um Lösungen“? … „Bahn-sinn“, „Bus-sinn“, Bamberg!

  3. Sehr geehrter Herr Stark,
    Tourismus ist für Bamberg ein Wirtschaftsfaktor, an dem sehr viele verdienen, und das ist gut für die Stadt. Ob das schnelle Rein-Raus des weiter ansteigenden Fluß-Stundentourismus einer gesunden Entwicklung zuträglich ist, darf hingegen bezweifelt werden, und gehört zu den grundsätzlichen Zukunftsfragen dieser Stadt: Unkontrolliertes touristisches Wachstum oder maßvolle Entwicklung, die auf Bedürfnisse der eigenen Bürger und den Schutz der Denkmäler Rücksicht nimmt. Eine Weltkulturerbestadt, die, wie an der Südpromenade geschieht, den Schutz ihrer Denmäler preisgibt, sägt jedenfalls an dem Ast auf dem sie sitzt.

  4. Sehr geehrter Herr Stark,
    die Häfen von Schweinfurt bis Forchheim wurden in die Berechnung aufgenommen, weil die Gästeführer angaben, die Flusstouristen der dort landenden Schiffe an der südlichen Promenade in Empfang zu nehmen oder sie in den Häfen direkt abzuholen. Im übrigen werden nach deren Angaben die meisten Flusstouristen nicht von Bamberger Gästeführern betreut sondern von Führern, die für die Nürnberger „Geschichte für alle“ arbeiten. Zudem sind die Busse für die Flusstouristen nicht die einzigen Touristenbusse, die die südliche Promenade anfahren. Die hohe Zahl der Touristenbusse aus anderen deutschen Städte und europäischen Ländern wurde jedoch nicht in die Berechnung aufgenommen, weil diese nur geschätzt werden können.

    • sehr geehrter Herr Braun!
      wollen sie damit sagen, dass bei den hauruck-touris vom fluss nicht einmal die TKS durch ihre führungen kassiert?

      wenn dem so wäre, dann frage ich mich warum man überhaupt busse fahren lässt? wer hat denn dann ausser dem busbetrieb „hassler“ einen nutzen von diesem schwachsinnigen tourismus? die örtlichen läden und händler jedenfalls nicht!

      diese horden die nie zur seite gehen stören den ehrlichen und anständigen touristen genauso wie alle einheimischen bürger. sie alleine sind doch schuld an der zwiespältigen diskussion um touristenüberfälle auf bamberg!

      und diese busse kommen zu den unötigen und deplazierten landbussen dazu? sorry wenn einem das verständnis dafür abhanden kommt. ich dachte die stadt ist der kräftige abzocker bei diesem kultur-feindlichem „tourismus“

  5. Auch wenn gewisse Eigen-Interessen gut kassierender Hausbesitzer besonders deutlich hervortreten, bleibt festzuhalten, dass dort keine Busse hingehören – basta! Man muss sich nur mal die schändlichen Gehsteige anschauen, die sich vor allem an der Bratwurstbude langsam auftürmen.

    Wenn die Stadt keinen Platz hat, oder die Konzerthalle nicht herhalten darf, dann darf sie keinen solch perversen Tourismus anbieten und damit Verkehr und Billigtouristen künstlich produzieren. Gäbe es dieses dumme Angebot der 15-min-Rennbesichtigung für die Schiffstouris nicht, hätten wir 2 Probleme weniger. Dann wäre evtl das Gemüt in der Lage, eine sinnvolle Lösung zu finden. Denn ohne diese Art von Touristen wäre auch die Stimmung eine andere – auf die 5 Groschen, die diese Horden in Bamberg lassen (außer beim TKS), können wir locker verzichten. Die meisten spüren diese Menschenwände eh nur als egoistische Hindernisse und nicht als Gäste.

    Zuerst sucht man einen Platz und dann macht man Angebote!
    Das gilt für diese Überfallbusse genauso wie für die anderen Busse. Warum in aller Welt muss jeder verflixte Bus mitten in die Stadt reindonnern? Kann das mal endlich jemand erklären?

    Und ein Tipp an die IG – jegliche Übertreibung kehrt an den Ursprung zurück! „Schiffs-Busse“ aus Forchheim oder Schweinfurt sind nun doch etwas weit hergeholt in eurer Statistik – 5-6000 Busse sind auch schon zuviel. Aber kein Kanonenfutter für den Gegner.

  6. Sehr geehrter Herr Braun!
    Ich habe Ihr Interwiev sehr aufmerksam gelesen und muß Ihnen in allem Recht geben was die Gebäudeschäden angeht. Nicht davon zu reden, daß in den von Ihnen genannten Hotels an einen gesunden Schlaf nicht mehr zu denken ist.
    Das Stop and Go der Busse erschüttert nicht nur die denkmalgeschützten Häuser sondern auch die Neubauten (Kreiswehrersatzamt) . Allem Anschein ist der Bamberger Stadtrat, einschließlich der Bürgermeister, bei der Bereinigung dieser Situation vollkommen überfordert!.
    Frage an die Stadtoberen:
    Wo gibt es heute noch auf der Welt einen Busbahnhof in der Stadtmitte?
    Warum werden für die kleinsten Ortschaften Straßenumführungen gebaut?
    Kann man in Bamberg vielleicht mit Schildbürgestreichen ernsthafte Politik betreiben?
    Beispiele hat es ja in der letzten Zeit genügend gegeben.
    Ich könnte so weitermachen aber die Zeit reicht wohl dafür nicht aus.

  7. Noch einmal die genauen Schiffe/Hafen-Zahlen für Sie, Herr Rudel, nach Auskunft der jeweiligen Häfen:
    Bamberg: 586
    Schweinfurt 212
    Haßfurt: 122
    Zeil: 20
    Forchheim: 19
    Laut Auskunft Gästeführer werden zwischen 2 und 6 Busse je Schiff benötigt. Gerechnet wurde daher -wie bei der Stadt Bamberg auch, die je Schiff 4 Bushaltestellen veranschlagt – gleichfalls mit 4 Bussen im Durchnitt. Das ganze gerechnet x 2, denn die Touristen werden aus dem Hafen gebracht und nach 2 Stunden wieder zum Hafen abgeholt. Macht eine Gesamtzahl von 7672 Busbewegungen Flußtouristen an der südlichen Promenade.

  8. Sehr geehrter Herr Rudel,
    Bayernhafen Bamberg gab vor Monaten die Zahl von 576 Flußkreuzfahrtschiffen für 2012 an. Dazu die Schiffe, die in Schweinfurt, Forchheim, Zeil, Haßfurt anlegen. Bürgermeister Hipelius nannte in einem Gespräch selbst die Zahl 650 im Jahr. Ich hoffe, Ihnen damit dienlich gewesen zu sein.
    Peter Braun

  9. Ich will das – in der Tat vorhandene – Problem gewiss nicht verniedlichen. Aber 7000 Fahrten von Transferbussen zu Flusskreuzfahrtschiffen? Das erscheint, wenn man einen Taschenrechner zu Hilfe nimmt, doch etwas übertrieben. Denn das würde ja bedeuten, dass JEDEN TAG, sommers wie winters, in Bamberg rund ZEHN Flusskreuzfahrtschiffe anlegen würden…
    Über einen Link, der diese Zahl BEWEISEN würde, würde ich mich freuen.
    Und: Übertreibungen sind dem berechtigten Anliegen gewiss nicht dienlich….

  10. Sehr geehrter Herr Braun,
    danke für Ihre klaren und deutlichen Worte. Ihre Sprache muss nun auch der letzte Stadtrat der Stadt Bamberg verstehen. Das ist Klartext, den Entscheidungsträger sehr wahrscheinlich nicht mögen, denn Sie müssten jetzt Farbe bekennen und handeln. Tun Sie es? Warten wir die nächste Stadtratssitzung ab!
    Vielen Dank für das Interview.
    Mit freundlichem Gruß
    Egon Sengpiel, Promenadestr. 3, 96047 Bamberg

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