Sind die Bamberger Straßen der Innenstadt für Lastverkehr ausgelegt?

Stuckdecke Kesslerstraße

Christiane Hartleitner

Risse in tragenden Wänden, Schranktüren, die sich wie durch Geisterhand öffnen, klirrende Gläser und bröselnde Stuckdecken – die bedenklichen, teilweise Substanz gefährdenden Beobachtungen an Häusern und in Wohnungen im Bereich der Innenstadt rütteln Besitzer und Baufachleute immer wieder wach. Mehrere alarmierende Briefe erreichen die Öffentlichkeit, Villa Wassermann und Haus Nonnenbrücke. Grundsätzliche, den Verkehr begrenzende Maßnahmen sollten endlich diskutiert werden. Denn die Schwingungen setzen sich über das Fachwerk fort, das bei den meisten Häusern im mittelalterlichen Kern drunter liegt – manche Stuckdecke hat hier ihre Haltung verloren (Abb. Kesslerstraße, Vogelstuck 1730).

Die Straßen sind nicht für ein hohes Verkehrsaufkommen gemacht. Widmen wir uns der Promenade, wo ein neues “Konzept” für die zahlreichen Transferbusse von Schiffstouristen jüngst vom Stadtrat abgesegnet wurde, wo zwar Proteste der Anwohner aufhorchen ließen, ohne dass allerdings die zentrale Frage nach Belastbarkeit der Straßen hinreichend geprüft wurde. Geht man der Frage nach der Belastbarkeit an der Promenade auf den Grund (Abb. Uraufnahme in: Breuer/Gutbier: Innere Inselstadt, 1990, Abb. 8), spielt mal wieder die Regnitz eine Rolle:

Promenade nach der Umgestaltung, Uraufnahme 1821/22

Ein Erdwall als Fundament für die Promenade

Die Regnitz ist ein mäandrierender Fluss. Schlingen und Bögen charakterisieren den wandelnden Flusslauf, das Regnitztal ist eine Auenlandschaft mit Altarmen. Alte, funktionslos gewordene Flussschlingen sind Zeugen eines dynamischen Flusses. Er versucht, dem Hindernis, dem erosionsbeständigen Sandsteinkeuperhang des Berggebiets auszuweichen in Richtung Osten, wo der Feuerletten ihm bereitwilliger Platz macht (genauer: A.J.: Beziehungen zwischen Stadt und Fluss. In: Gunzelmann, Thomas: Stadtdenkmal und Denkmallandschaft (= KDB Oberfranken), S. 998–1063, im Druck). Das Schwarze Wasser war bis in die Barockzeit solch ein Nebenarm des rechten Regnitzarms, traf östlich der Langen Straße auf die Grenzen der mittelalterlichen Stadt. Immer wieder sorgte ein Hochwasser für ein Überspülen der Inselstadt, die Hochwassermarken sind deutlich in der Kesslerstraße bis heute zu erkennen. Die „Schanz“ sollte als Wallanlage das verhindern, musste aber ständig ausgebessert und erneuert werden. Der Fluss drängte in sein ursprüngliches Bett, wohl Richtung Weide.

Schanz: Grundriss und Schnitt, 1764

… aufgefüllt mit Schutt vom Domberg

Um künftig verheerende Folgen durch Hochwasser unterbinden zu können, sollte eine Regulierung der beiden Regnitzarme erfolgen, in deren Konsequenz Nebenarme – auch aus hygienischen Gründen – verfüllt wurden. So auch das Schwarze Wasser. Da kam es gelegen, dass seit dem 17. Jahrhundert allenthalben die Befestigungsanlagen überflüssig schienen und durch Boulevards ersetzt wurden, nicht nur in Bamberg, auch in Paris (Abb. in: Breuer/Gutbier: Innere Inselstadt, 1990, Abb. 170). Die „Schanz“ wurde zur Promenade, in zwei Reihen mit Bäumen bepflanzt.

Promenade 1895, Photo: Alois Erhardt

Dazwischen war ein Spazierweg von der heutigen Hauptwachstraße zur ehemaligen Salzlecke (in der Nähe des heutigen Schönleinplatzes). Laut Breuer/Gutbier war der Stadtgraben zwischen dem Eingang zur Langen Straße und der Garküchenstraße (heute Franz-Ludwig-Straße) schon 1764 in einen überwölbten Kanal verwandelt, von dort bis zur Hauptwache lag ein Teil des „Schwarzen Wassers“ noch offen, man vermutet hier ehemals Fischteiche. Innerhalb der nächsten 10–15 Jahre sollte Schutt vom Domberg an die Promenade mit Ochsenkarren verbracht werden, mitunter 80 (!) Fuhren Schutt täglich, die bei der Tieferlegung des Domberg und der Karolinenstraße anfielen und die man hierher karrte. Die Promenade im Bereich Rosengasse bis Franz-Ludwig-Straße gründet – das wissen wir sicher – auf Schutt. Das haben auch Grabungen im Jahr 2000 anlässlich der Neugestaltung der nördlichen Promenade ergeben (Abb. Schnitt in: Stadt Bamberg, Neugestaltung der Nördlichen Promenade, 2003, Abb. 3).

Nördliche Promenade, Schnitt durch Straße und Unterbau

Ist das Fundament ausreichend für die hohe Belastung?

Es stimmt nachdenklich, wenn klar ist, dass zwar der Erdwall „Schanz“ netterweise im 18. Jahrhundert zum Fußgänger-Boulevard mit Baumbepflanzung umfunktioniert wurde, aber 2012 zum stark frequentierten Haltepunkt für zahlreiche Busse bestimmt wird. Reichen einfache Wegeaufbauten des 18. Jahrhunderts für Verkehrsbelastungen durch Busse von 2012? Wurde die Belastbarkeit der Straßen – nicht nur hier an der Promenade, sondern auch an der Nonnenbrücke und anderswo – genügend geprüft? Grundsätzlich besteht ein Schutz der baulichen Substanz von Gebäuden vor Erschütterungen, die vom Straßenverkehr ausgehen. Der Eigentümer braucht das nicht hinzunehmen und die Straßenverkehrsbehörde darf nicht tatenlos zusehen.

In einer Stadt, deren bauliche Substanz von der Weltgemeinschaft gekürt wurde, müsste der Schutz der Denkmäler auf der Prioritätenliste weit vorne stehen – in Verkehrsfragen, aber auch wenn die Verlegung des Plärrers mit Achterbahn am Maxplatz und die Einrichtung einer Großbaustelle am Quartier an der Stadtmauer überlegt wird. Die Auswirkungen von Erschütterungen sind erheblich, längst bekannt und unbedingt zu vermeiden. Hiermit sei an das Versprechen des Oberbürgermeisters Starke anlässlich der UNESCO-Vertreter erinnert:

I will do everything that the world heritage will be preserved …

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