Beschwingtheit und farbiger Rausch

Stadt Bamberg

Stefanie Brehm – Volker-Hinniger-Preisträgerin 2020 – wurde jetzt ausgezeichnet und zeigt ihre Kunst in der Stadtgalerie Bamberg – Villa Dessauer

Endlich war es soweit: „Die Ausstellung ist eröffnet!“ Mit diesen Worten beschloss Dr. Regina Hanemann, Direktorin der Museen der Stadt Bamberg, die Preisverleihung und Stefanie Brehm kann nun ihre Kunst in der Stadtgalerie Bamberg – Villa Dessauer bis zum 3. Oktober 2021 präsentieren. Bereits im Herbst 2019 hat der Senat für Bildung, Kultur und Sport der Stadt Bamberg die Entscheidung der Jury befürwortet, den derzeit mit einem Preisgeld von 3.000 € dotierten Volker-Hinniger-Preis 2020 der in Bamberg geborenen Künstlerin Stefanie Brehm zu verleihen. Mit der Preisverleihung ist meist eine Ausstellung der Werke der Preisträgerin/des Preisträgers in der Stadtgalerie Bamberg – Villa Dessauer verbunden. Preisverleihung und Ausstellung mussten Pandemie bedingt leider verschoben werden. Nun endlich konnte Stefanie Brehm offiziell geehrt werden: Bambergs Zweiter Bürgermeister Jonas Glüsenkamp überreichte ihr in Vertretung von Kulturreferentin Ulrike Siebenhaar die Preis-Urkunde, gratulierte im Namen des Oberbürgermeisters und der Stadt Bamberg zur Auszeichnung und wünschte der Künstlerin weiterhin viel Erfolg. „Es ist heute mehr denn je wichtig, das kreative Potential der Gesellschaft zu fördern, nach vorne zu schauen und konsequent neue Perspektiven zu suchen“, betonte Glüsenkamp. Gleichzeitig habe Adornos Auffassung, dass es die Aufgabe von Kunst heute sei, Chaos in die Ordnung zu bringen, nichts an Aktualität eingebüßt.

Dr. Regina Hanemann erinnerte an Gretel Hinniger, Begründerin dieses Bamberger Kunstpreises. Sie hatte zum Gedenken an ihren verstorbenen Sohn, den Bamberger Künstler Volker Hinniger, 1990 jene Stiftung ins Leben gerufen, die 2020 den begehrten Kunstpreis bereits zum zwölften Mal vergeben konnte. Dr. Barbara Kahle, Jurymitglied und Vorsitzende des Bamberger Kunstvereins gab eine ausführliche Einführung zu Stefanie Brehms künstlerischem Schaffen. Ihre Werke sind überwiegend in den Materialfeldern Keramik und Kunststoff verortet. Bei beiden Werkgruppen verbindet sich Skulptur mit Malerei. „Farbe und Skulptur sind Partner, gehen ein Bündnis ein auf der Basis intuitiven Verstehens von Form, Stoff und Bild.“ Bei den Keramiksäulen ergeben sich je nach Standpunkt unterschiedliche Bilder, die ineinander übergehen und im Umschreiten gelesen werden wollen. „Ganz wichtig ist natürlich das einfallende Licht, das die glasierte glatte Oberfläche reflektiert, so als wollte sie auf ihre spezifische Eigenart hinweisen. Sie müssen also unbedingt öfter in die Ausstellung kommen, um die Folgen des wechselnden Lichteinfalls wahrnehmen zu können!“ forderte Kahle das interessierte Publikum auf. „In den letzten Monaten der Pandemie war oft von Systemrelevanz der Kunst zu hören, von einer Kunst, in der unsere Gesellschaft ihre Werte problematisiert und aushandelt, wo Debatten angestoßen und Gewissheiten hinterfragt werden.“ Kultur mutiere dabei oftmals zu Gesellschaftspolitik, so Kahle weiter. „In erster Linie ist sie aber systemrelevant, weil sie Orte der Poesie schafft, der Phantasie, des Schönen. Lassen Sie sich in diesem Sinne von der Beschwingtheit und dem farbigen Rausch mittragen!“, lautete abschließend die Empfehlung von Frau Dr. Kahle an das Publikum.

Stefanie Brehm dankte allen Beteiligten und Förderern von Herzen. Sie hätte es sich früher, als künstlerisch interessiertes junges Mädchen nie träumen lassen, einmal selbst in der Stadtgalerie Bamberg eine eigene Einzelausstellung zu haben. Musikalisch umrahmt wurde die Preisverleihung von Claudia Raab (Gesang) und Katharina Görtler (Piano) mit wunderbar vorgetragenen Liedern von Franz Schubert, Joseph Haydn und Felix Mendelssohn Bartholdy. Brehms künstlerische Arbeiten sind nun – wenn auch nur für kurze Zeitbis 03. Oktober 2021, (Do-So 12-18 Uhr) in der Stadtgalerie Bamberg-Villa Dessauer zu sehen. Mehr Information erhalten Sie unter www.museum.bamberg.de oder auf der Seite der Künstlerin unter www.stefaniebrehm.de.

Vita

Stefanie Brehm (*1980 in Bamberg) begann ihre künstlerische Laufbahn 2002 mit einer Ausbildung zur Keramikerin an der Berufsfachschule für Keramik in Landshut. Die Ausrichtung auf Keramik bestimmte auch das Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München ab 2006 bei Norbert Prangenberg, das sie 2016 mit einem Diplom abschloss. Stefanie Brehm hat sich ganz intensiv der Keramik verschrieben: weg von der Gebrauchsware, weg von Funktionalität zum freien Kunstobjekt. Nach anfänglichen experimentellen Studien im Bereich plastischer Gestaltung aus Ton sowie Erfahrungen in Performance Kunst widmet sie sich der Herstellung farbiger Säulen unterschiedlichster Größen. Diese entstehen in einzelnen Wachstumsschritten auf der Drehscheibe. Nach dem ersten Brand wird die Säule mit farbiger Glasur überzogen, ein aufwändiger Akt, der den kontrollierten Zufall, das Unvorhersehbare als Mitspieler einbezieht, wirken diese aufgesprühten Farben nach dem Brand doch ganz anders als beim Auftragen. Im fertigen Zustand begegnen sich die Kraft der Grundform und die Schönheit der Glasur. Im Namen der Jury begründet Dr. Barbara Kahle die Entscheidung folgendermaßen: Stefanie Brehms Arbeiten zeigen, dass die Keramik eine Wechselwirkung zwischen Malerei, Bildhauerei und Objektkunst entfaltet und die verschiedenen Gattungen vereint. Mal farbkräftig, mal zart schillernd erinnern Farben und Motive bisweilen an Graffiti, gestisch gesetzte Farbkompositionen und ein starker Duktus sind imstande, immer wieder neue Farbenspiele zu entfesseln.“

Farbe zur Geltung zu bringen und das in direkter Unmittelbarkeit, ist auch das Thema von Stefanie Brehms zweitem künstlerischen Feld: den großflächigen, reliefartigen Bildern aus Kunststoff (Polyurethan). „Diese Farbstücke brechen in kulturell tradierte Sichtweisen und kunsthistorisch festgelegte Gattungen ein, ohne aber ihre Beziehung zur abstrakten Malerei der Gegenwart wie zur Plastik gänzlich auf zu geben“, so Kahle weiter. „Es handelt sich um halbtransparente, für sich seiende flache Objekte in dynamisch kreisenden Formen oder Diagonalbewegungen, die im Glanz des Materials und den sich ineinander vermengenden Farbräumen eine besondere Aura entfalten. Stefanie Brehms Kreativität und Leichtigkeit im Umgang mit so unterschiedlichen Materialien wie der althergebrachten Keramik einerseits und neuen Werkstoffen wie dem Polyurethan, das mühelose Aufbrechen festgelegter Gattungsgrenzen hat die Jury überzeugt, sie für den Volker-Hinniger-Preis 2020 vorzuschlagen.“

Volker Hinniger

Der Volker-Hinniger-Preis wird seit 1992 in zweijährigem bzw. seit dem Jahr 2002 in dreijährigem Turnus verliehen. 1990 hatte die Bambergerin Gretel Hinniger den Preis gestiftet, zum Gedenken an ihren 1988 verunglückten Sohn, den Künstler Volker Hinniger. Der Preis soll der Förderung junger Künstler dienen. Laut Stiftungssatzung wird der Preis an eine junge Künstlerin bzw. einen jungen Künstler verliehen, die/der zum Zeitpunkt der Preisverleihung nicht älter als 41 Jahre sein darf. Der Preis ist ausschließlich auf die bildende Kunst beschränkt. Die Jurymitglieder stellen mögliche Kandidatinnen/Kandidaten in der Jurysitzung vor. Die Höhe des Preisgeldes errechnet sich aus den Erträgen des Schenkungskapitals. Die Preisverleihung ist meist mit einer Ausstellung der Werke der Preisträgerin/des Preisträgers in der Stadtgalerie Bamberg-Villa Dessauer verbunden. Stefanie Brehm stellt ihre Werke dort nun vom 12. September bis 3. Oktober 2021 aus.

STEFANIE BREHM. VITA

  • 1980 geboren in Bamberg
  • 1999 Abitur (Clavius Gymnasium Bamberg)
  • 2000-2002 Studium der Soziologie, Universität Heidelberg
  • 2002-2005 Ausbildung zur Keramikerin, BFS für Keramik Landshut
  • 2006-2016 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München, Klasse Prof. Norbert Prangenberg und Prof. Markus Karstieß
  • 2016 Diplom Freie Kunst (Bildhauerei, Malerei), AdBK München
  • seit 2016 Freischaffende Bildende Künstlerin

FÖRDERUNGEN/STIPENDIEN

2022 – ARTIST-IN-RESIDENCE-STIPENDIUM, Europäisches Keramikzentrum (EKWC) Oisterwijk, Niederlande

2020 – ARTIST-IN-RESIDENCE-STIPENDIUM Künstlergut Prösitz, Landkreis Leipzig

– DEBÜTANTEN-KATALOGFÖRDERUNG 2020 Bayerisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst; LfA Förderbank

2018 – PROJEKTSTIPENDIUM, Erwin-und-Gisela-von-Steiner-Stiftung München

– ARTIST-IN-RESIDENCE-STIPENDIUM, European Ceramic Workcentre (EKWC) Oisterwijk, Niederlande

2010 – AUSLANDSSTIPENDIUM , Studium an der ESBA Marseille, Frankreich Deutsch-Französisches Jugendwerk

PREISE / AUSZEICHNUNGEN

2021 – SI-KUNSTPREIS 2021, Soroptimist International

2021 – ARTIMA FÖRDERPREIS, Mannheimer Versicherung

2020 – VOLKER-HINNIGER-PREIS 2020, Stadt Bamberg

2016 – SENATOR-BERNHARD-BORST-PREIS (Diplompreis) Stiftung Kunstakademie München

2015 – OBB. FÖRDERPREIS FÜR ANGEWANDTE KUNST (1. Preis) Galerie Bezirk Oberbayern, München

– KUNSTKALENDER (Kalenderblatt August), LfA Förderbank Bayern

2014 – BILD DES ABENDS (1. Preis), Target & Partners München

2010 – DANNER-PREISGELD, Danner-Stiftung München, (klasseninterner Wettbewerb, AdBK München)

AUSSTELLUNGEN (Auswahl)

2021 – upcoming: FARBLUST – GRENZENLOS, Kunststation Kleinsassen, Rhön

– VOLKER-HINNIGER-PREIS 2020. STEFANIE BREHM. Stadtgalerie Villa Dessauer Bamberg

– NIVARD II, Galerie Thomas Pfarr, Maria Bildhausen, Münnerstadt

– STEFANIE BREHM – SÄULEN, Museum Schloss Ratibor, Roth

2020 – DEBÜTANTINNEN 2020, Künstlerhaus, Nürnberg

2019 – 50 YEARS EKWC – PRANGENBERG, KARSTIESS, BREHM De Pont Museum Tilburg, Niederlande

– FEEL COLOR, Galerie Judith Andreae, Bonn

2018 – TESTCASE, European Ceramic Workcentre (EKWC) Oisterwijk, NL

– SPACE IS THE PLACE, Kreativquartier München

2017 – POSITIONS Berlin Art Fair 2017, mit der Galerie Judith Andreae, Bonn

2016 – PAINTING FORWARD, Galerie Judith Andreae, Bonn

– STEFANIE BREHM UND JAIME GAJARDO, Halle 6 München

2016 – DEBÜTANTENAUSSTELLUNG, AdBK München

2016 – TALENTE, Internationale Handwerksmesse München

2015 – OBERBAYRISCHER FÖRDERPREIS FÜR ANGEWANDTE KUNST Galerie Bezirk Oberbayern München

– AICHACHER KUNSTPREIS 2015, SanDepot Halle, Kunstverein Aichach

– KLASSE KARSTIESS AND FRIENDS, Weltkunstzimmer Düsseldorf

Der Jury gehören laut Stiftungsvertrag derzeit folgende Personen an:

• Bürgermeister Dr. Christian Lange, Kulturreferent (Vorsitzender der Jury),

• Dr. Regina Hanemann, Direktorin der Museen der Stadt Bamberg,

• Dr. Barbara Kahle, Vorsitzende des Kunstvereins Bamberg

• Christa Thiel (Nachlassverwalterin von Volker Hinniger)

• Andrea Brandl M.A., Leiterin der Museen und Galerien der Stadt Schweinfurt,

• Studienrätin Johanna Keesmann, Kunsterzieherin, Bamberg,

• Prof. Jochen Flinzer, Akademie der Bildenden Künste, Nürnberg,

• Friedolin Kleuderlein, Künstler, Kunsterzieher, Bamberg.

Bisherige Preisträger:

1992 Michael Seeling, Essen (Bildhauer) / Künstlergruppe „Das Institut“, Bamberg (Dr. Hubert Sowa, Friedolin Kleuderlein, Bernhard Kümmelmann, Tom Eisen)

1994 Jürgen Knubben, Rottweil (Metallbildhauer)

1996 Christine Gruber, Bamberg (Malerin) / Bernd Wagenhäuser, Bamberg (Bildhauer)

1998 Hannes Arnold, Heroldsberg, (Bildhauer)

2000 Felicitas Aga, Kronach (Malerin)

2002 Wolfgang May, Nürnberg/Wien (Installations- und Performancekünstler)

2005 Justine Otto, Hamburg (Malerin)

2008 Richard Wientzek, Bamberg (Maler)

2011 Anke Armandi, Wien, (Malerin)

2014 Sonja Ismayr, Bamberg (Fotografin)

2017 Sebastian Troeger, Nürnberg (Maler, Installations- und Performancekünstler)

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