70% der Geflüchteten in staatlichen und kommunalen Unterkünften ohne Traumabehandlung

Befragung von Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit mit beachtenswerten Ergebnissen!

unserVETO

Eine ausführliche Januar-Umfrage von unserVETO unter ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer*innen in Bayern zeigte deutlich, dass in den Flüchtlingsunterkünften weiterhin erhebliche Missstände herrschen, die durch die Pandemie an Bedeutung gewonnen haben. Die Arbeit der Ehrenamtlichen ist mehr denn je unverzichtbar!

Fast Dreiviertel aller schutzbedürftigen Flüchtlinge wird nicht besonders betreut, Beratungs- und Unterstützungsstellen für Gewaltenschutz sind kaum bekannt.

Jeder vierte Befragte stellte fest, dass es keine Hygiene- und Schutzmaßnahmen in den von ihnen betreuten Unterkünften gibt. Sie fordern eine Entzerrung der Belegung, Erhöhung der Hygienemaßnahmen und eine bessere Information der Bewohner.

In mehr als der Hälfte der Fälle, in denen schulpflichtige Kinder und Jugendlichen wohnen fehlt die Möglichkeit, am online-Unterricht teilzunehmen. Neben fehlendem WLAN und den entsprechenden Endgeräten gibt es keine Räumlichkeiten zum ruhigen Lernen.

Der größte Veränderungswunsch unter den Flüchtlingen bzgl. der Unterkünfte ist das Bedürfnis nach Privatsphäre. Keinen Rückzugsort für sich und die Familie zu haben, fehlende Räume zum ruhigen Lernen, keine Spielzimmer für Kinder – das ist eine große Belastung für die dort lebenden Menschen.

Diese Situation wird dadurch verschärft, dass eine große Anzahl belasteter Personen in den Unterkünften lebt: Alleinerziehende, Menschen mit Behinderungen, Personen mit psychischen Erkrankungen, die Folter, Vergewaltigungen oder sonstige Formen psychischer, physischer oder sexualisierter Gewalt erfahren haben. Für diesen besonders schutzbedürftigen Personenkreis gibt es selten angemessene Unterstützungsangebote. Ketten-Quarantänen, in die ganze Unterkünfte oder Stockwerke aufgrund einer COVID19-Erkrankung gestellt werden, verschlechterten die Lebensbedingungen erheblich.

Seit der Pandemie ist der Zugang zu Behörden, staatlichen Organisationen und Wohlfahrtsverbänden nur noch telefonisch oder online möglich; die Hilfestellung durch Ämter ist zurzeit nicht gegeben. Dieses fordert die Ehrenamtlichen in besonderem Maße, da es einen hohen Unterstützungsbedarf beim Ausfüllen von Formularen gibt. Durch schlechte Internetanbindungen und fehlende Endgeräte wird die dafür notwendige Kommunikation über digitale Medien extrem erschwert.

Bettina Riep, Vorsitzende von unserVETO, betont „Gerade in Zeiten der Pandemie ist eine Entzerrung der Belegung in den Unterkünften dringend geboten! Die Hauptberuflichen haben sich aus den Unterkünften zurückgezogen und sind nur noch telefonisch oder über soziale Medien erreichbar. Es kann nicht sein, dass Ehrenamtliche, die oft zur Corona-Risikogruppe gehören, zunehmend die Hauptlast tragen.“

In der Umfrage haben zahlreiche ehrenamtliche Flüchtlingshelfer*innen enttäuscht geäußert, dass sie von der Politik nicht geschätzt werden und Ämter ihre Arbeit behindern.

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