Demokratie in Bayern

Neue Veröffentlichung des Stadtarchivs Bamberg zum Jubiläum der Bamberger Verfassung von 1919 erschienen

Strahlen mit Bürgermeister Dr. Christian Lange (2.v.l.) und Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz um die Wette: Die Herausgeber Hans-Joachim Hecker (Archivdirektor a. D., München), Horst Gehringer (Leiter des Stadtarchivs) und Prof. Dr. Hans-Georg Hermann (Vorsitzender der Gesellschaft für Bayerische Rechtsgeschichte, München). Foto: Stadtarchiv Bamberg / Jürgen Schraudner

2019 steht unter dem Vorzeichen der demokratischen Verfassungstradition des Freistaats Bayern. Am 14. August 1919 wurde im Spiegelsaal des Harmonie-Gebäudes in Bamberg die erste demokratische Verfassung des Freistaats verabschiedet. Bamberg wurde damit zu einem bedeutenden Erinnerungsort für die Demokratie in Bayern. Diesem Jubiläum trägt das Stadtarchiv Bamberg mit dem neuen Band seiner Schriftenreihe Rechnung, der unter dem Titel „Demokratie in Bayern. Die Bamberger Verfassung von 1919“ erschienen ist. Der Band fasst die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Tagung zusammen, die die Gesellschaft für Bayerische Rechtsgeschichte und das Stadtarchiv Bamberg gemeinsam durchführten. Im Beisein von Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz und Bürgermeister Dr. Christian Lange wurde der Band vorgestellt.

Mit der Konstitution von 1808 und der Verfassung von 1818 wurde der Verfassungsstaat als konstitutionelle Monarchie realisiert. Der Durchbruch zur Demokratisierung Bayerns erfolgte bereits mit den Reformen Anfang November 1918 noch vor der Revolution. Ministerpräsident Kurt Eisner von der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei rief am 7./8. November 1918 den Freistaat in München aus. Eisner hatte zuvor Schlüsselpositionen in der Stadt mit bewaffneten Soldaten besetzt. Der Umsturz verlief daher nicht gewaltfrei, aber unblutig. Der Freistaat Bayern wurde begründet und damit die republikanische Verfassung.

Welche Ausprägung sich allerdings durchsetzen sollte – der Rätegedanke, evtl. ein System nach den Sowjets (= Räte) russischer Prägung oder eine parlamentarische Demokratie – darüber waren die Meinungen unterschiedlich. Mangels eigener Fachleute wurden im Auftrag der neuen Regierung Vertreter des alten Systems, die Staatsrechtler Piloty und Grassmann, mit der Arbeit am neuen Verfassungstext beauftragt. Politisch wurde der Konflikt mit den ersten Landtagswahlen vom 12. Januar 1919 entschieden, bei dem Eisner mit 2,5 Prozent der Stimmen eine herbe Niederlage erlitt. Aber mit den Attentaten in München, bei denen der Ministerpräsident am 21. Februar und ein Landtagsabgeordneter ermordet sowie der Innenminister schwer verletzt wurden, begann eine schon von den Zeitgenossen so bezeichnete „Zweite Revolution“.

Bayern erhielt zwar im März mit dem bisherigen Kultusminister Johannes Hoffmann (SPD) einen neuen Ministerpräsidenten an der Spitze eines vom Landtag legitimierten und handlungsfähigen Kabinetts. Allerdings veranlassten die bürgerkriegsähnlichen Unruhen Landtag und Staatsregierung, München zu verlassen. Sie setzten ihre Arbeit, vor allem die Bemühungen um eine neue Verfassung des Freistaats, in Bamberg fort. Hier wurde schließlich am 14. August 1919 die Verfassung verabschiedet.

Bereits 2017 veranstaltete die Stadt Bamberg zusammen mit der Gesellschaft für Bayerische Rechtsgeschichte des Leopold-Wenger-Instituts der Universität München eine Tagung in Bamberg. Landes- und Verfassungshistoriker, Juristen und Archivare referierten zu diesem Thema auf dem aktuellen Forschungsstand im Stadtarchiv und im Spiegelsaal der Harmonie, dem Ort der Landtagsberatungen von 1919. Der nunmehr vorliegende Tagungsband fasst diese Vorträge in erweiterter und überarbeiteter Form zusammen. In den zwölf Beiträgen werden unterschiedliche Herangehensweisen an das Thema deutlich. Lokal- und landeshistorische Bezüge stehen dabei ebenso im Fokus wie biographische Methodik und vergleichende Verfassungsgeschichte mit Bezügen zu den übrigen deutschen Verfassungen nach 1918, v. a. mit dem benachbarten Thüringen, aber auch mit den österreichischen Ländern bis hin zur Bayerischen Verfassung von 1946.


Horst Gehringer, Hans-Joachim Hecker, Hans-Georg Hermann (Hrsg.):
„Demokratie in Bayern. Die Bamberger Verfassung von 1919.“
Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bamberg; 217 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, ISBN 978-3-929341-58-4.

Der Band ist im Buchhandel zum Preis von 23,95 Euro
oder direkt über das Stadtarchiv Bamberg, Untere Sandstr. 30a, 96049 Bamberg, stadtarchiv@stadt.bamberg.de, (gegebenenfalls plus Versandkosten) erhältlich.

 

Ein Gedanke zu „Demokratie in Bayern

  1. welche Demokratie, Bayern ist für mich ein Saustall aus Politikern ihren Schergen und Lakaien, ich erinnere:

    der BayernLB-Skandal, der größte Schaden für das bayrische Staatswesen seit Hitler, das Banken-Tschernobyl der bayrischen Nachkriegsgeschichte, nur mit dem Unterschied, dass die Verantwortlichen und Beteiligten am Steuerpult der Schaltzentrale nicht verstrahlt wurden bzw. sich für die Milliardenschäden, wenn nicht sogar Billionenschäden, verantworten mussten, sondern mit einem Posten, Geldregen oder königlich, kaiserlich feudalen Altersversorgungen belohnt wurden, auch mit Orden, Huldigungen oder auf Leinwand gebrachte Ebenbilder wird nicht gespart. Politik ist halt ein Marionettenspiel, man muss es nur schaffen seine Eier an den Schlüsselpositionen im Staat abzulegen und schlüpfen zu lassen und damit die Fäden in den Händen zu behalten und die eigenen Marionetten an den Schlüsselpostionen in Stellung zu bringen und schon werden aus den unfähigsten Saulusen die honorigsten Pauluse.

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