Die Tätowierung

Was einst seemännisch verwegen
oder zeugt’ vom Gangsterleben
wird heut auf jeder Haut getragen.
Ich begann mich nun zu fragen:
Warum lässt man sich tätowieren,
wie ein Rindvieh durch markieren?
Ja, ich nenn’ es Herdentrieb,
wenn tausend Mal „Ich hab dich lieb!“
auf Po und Unterarmen steht.
Doch, wenn die Lieb’ vorüber geht?
Und man einander abserviert,
wie wird „I LOVE …“ dann ausradiert?
Und wenn die Buchstaben verpurzelt,
weil der Rechtschrift fern – entwurzelt –
die Nadel in das Fleisch sich stach?
Ich frag jetzt nicht wer das verbrach …
Dann gibt es noch das Arschgeweih.
Der Trend ist out, nun schlicht – vorbei!
Versteckt es Frau jetzt unter’m Schlüpfer,
was sie entzückt als junger Hüpfer?
Auch können Falten dort entsteh’n
wo einst ein Adler war zu seh’n,
den man dann für ein Hühnchen hält.
Ob’s dem Betrachter noch gefällt?
Vielleicht lässt sich das Bild abkleben,
oder Schicht für Schicht die Haut abheben.
Wahrscheinlich würden Narben bleiben.
Erfahrung könnt’ man d’runter schreiben.

© Cornelia Stößel 2018/Februar
https://schreibwerkstatt-wortwerke.org

 

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