Thomas Dehler in Bamberg

Von You Xie
Gedenktafel am Hause Willi-Lessing-Straße 4 in Bamberg. Foto: You Xie

Gedenktafel am Hause Willi-Lessing-Straße 4 in Bamberg. Foto: You Xie

In Bamberg gibt es noch die Gedenktafel im Kaiser-Heinrich-Gymnasium Bamberg Altenburger Straße 16 und die Gedenktafel im Justizpalast Bamberg Wilhelmsplatz 1.

Thomas Dehler war von 1945 bis 1947 Generalstaatsanwalt beim Oberlandesgericht Bamberg, ab 1946 auch Generalankläger am Kassationshof beim Bayerischen Staatsministerium für Sonderaufgaben. Von 1947 bis 1949 war er dann Präsident des Oberlandesgerichtes Bamberg.

Dehler wurde schon 1926 in die Freimaurerloge Zur Verbrüderung an der Regnitz in Bamberg aufgenommen. Nach deren Verbot in der NS-Zeit gehörte er 1946 zu den Wiederbegründern der Loge, der er bis zu seinem Tod 1967 angehörte.

Von Juni 1945 bis 1946 war er von der US-Militärregierung ernannter Landrat des Kreises Bamberg.

Nach der Bundestagswahl 1949 wurde er am 20. September 1949 als Bundesminister der Justiz in die von Bundeskanzler Konrad Adenauer geführte Bundesregierung berufen.

Der im oberfränkischen Lichtenfels am 14. Dezember 1897 geborene Thomas Dehler war der Sohn eines Gastwirts und Metzgers. Sein Vater hieß Georg Dehler und seine Mutter Elisabeth Dehler. Sein Sinn fürs Familiäre ist so groß, dass der Verband der Kriegsopfer ihm vorwarf, er habe seine Stellung als Justizminister benutzt, eine Rente für seine verwitwete Schwägerin Therese Dehler aus Lichtenfels zu erlangen – er hatte in einem Sieben-Zeilen-Brief die Landesversicherungsanstalt Oberfranken um eine Überprüfung eines anfänglich ablehnenden Rentenbescheids gebeten.

Nach einem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Würzburg, Freiburg und München promovierte er 1920 in Würzburg mit einer Arbeit über „Die Begründung des Strafurteils“ zum Dr. jur. Anschließend begann er sein Referendariat. Schon früh engagierte er sich auch politisch.

Bereits in seiner Studienzeit stand er in Verbindung mit demokratischen Kreisen um Theodor Heuss, Friedrich Naumann und der Deutschen Demokratischen Partei. Auch kandidierte er nach 1922 mehrmals für den Reichstag.

Nach seiner Promovierung schloss sich seine Referendarzeit an, danach war Dehler ab 1924 in München berufstätig und ließ sich 1926 als Rechtsanwalt in Bamberg nieder.

In der Zeit des Dritten Reiches lebte Dehler eher zurückgezogen, hatte aber Kontakt zum Widerstand. Bereits Ende 1938 war Thomas Dehler infolge der Reichspogromnacht für kurze Zeit in Haft gekommen und 1944 wieder von der Gestapo vorübergehend verhaftet. Dass er viele auf ihn zielende nationalsozialistisch motivierte Anwürfe parieren konnte, kann vermutlich auch damit begründet werden, dass er bereits vor 1933 in der Bürgerschaft Bambergs vielfältige Kontakte besessen und sich unter den dortigen Richtern und Staatsanwälten einen guten Ruf erworben hatte.

Im Eiltempo vollzog sich auch Dehlers politische Karriere vom bayerischen Landesvorsitzenden der von ihm mitgegründeten Freien Demokratischen Partei (FDP) in Bayern zum Mitglied des Deutschen Bundestages. Im ersten Kabinett Adenauers folgte dann die höchste Sprosse seiner politischen Leiter: Thomas Dehler wurde zum Bundesjustizminister ernannt.

In Dehlers Amtszeit als Justizminister wurden die Obersten Bundesgerichte eingerichtet. „Ich will keine loyalen Richter“, so Dehler bei der Eröffnung des Bundesgerichtshofs, „sondern Richter, die den Mut haben, illoyal zu sein gegen das Unrecht.“ [1]

Insgesamt 120 Gesetze und Rechtsverordnungen wurden unter Dehlers Federführung verabschiedet, wobei die meiste Arbeit in der Ausmerzung von NS-Gesetzen und dem Ersetzen durch demokratisches Recht bestand. Im Rahmen einer Strafrechtsreform wurden die bedingte Strafaussetzung und die Bewährung in das deutsche Strafrecht eingeführt. In einer der brillantesten Reden vor dem Bundestag wandte sich Dehler zudem gegen die beantragte Wiedereinführung der Todesstrafe. Er war sehr menschlich, hat sich stark für seine Überzeugungen eingesetzt. Wir Menschen sind auch gegen die Todesstrafe, denn keiner verdient es zu sterben.

Am 21. Juli 1967 starb der Jurist, der zu diesem Zeitpunkt Vizepräsident des Deutschen Bundestages war.


[1]: Bei der Eröffnung des Bundesgerichtshofes; Max Mechow, Namhafte CCer, Historia Academica, Band 8/9, S. 37.

http://www.frankfurter-verbindungen.de/biographien/d/dehlerthomas.html

 

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