Klimaallianz Bamberg: Warum Stahl statt Holz nicht CO2 neutral sein kann

Redaktion

Bamberg und Landkreis wollen bis 2035 CO2-neutral werden. Das nahm man sich vor sechs Jahren vor (hier). Der städtische Energieversorger, die Bamberger Stadtwerke, sollten hierbei eine Vorreiterrolle spielen. Seitdem wirbt man mit Öko-Angeboten und einem Bambados in Passivhausbauweise, wo ein Blockheizkraftwerk, das CO2-neutral mit Holz über eine Holzvergasungsanlage betrieben werde, die Klimabilanz zusätzlich verbessere.

Nicht nur das Bambados verbessert die Klimabilanz. Das Hainbad ist längst die Grande Dame

Das vor über 80 Jahren nahezu ausschließlich aus Holz errichtete Hainbad dürfte in seiner Ökobilanz die Grande Dame in Sachen CO2-Neutralität gewesen sein. Und das bis heute. Keinerlei Heizkosten zur Erwärmung von Becken fallen an, der Energie- und Wasserverbrauch ist gering, der Emissionsausstoß ebenso, die Badbesucher kommen zu Fuß oder mit dem Fahrrad – in allen Punkten dürfte das Hainbad absoluter Spitzenreiter aller Bamberger Bäder sein. Eine Beobachtung, die übrigens bereits 2010 publiziert wurde: Das Hainbad in Bamberg – Ort des Genusses, S. 90–91.

Hainbad, Steg. Foto: Christiane Hartleitner

Hainbad, Steg. Foto: Christiane Hartleitner

Hainbad, Ortstermin. Foto: Christiane Hartleitner

Hainbad, Ortstermin. Foto: Christiane Hartleitner

CO2 Neutralität ist die „Königsdisziplin“ beim klimaschonenden Bauen

Und nun möchten die Stadtwerke tatsächlich bei den Arbeiten am Steg Stahl statt Holz einsetzen.

Detail Plan geplante Maßnahmen. Stadtwerke Bamberg

Detail Plan geplante Maßnahmen. Stadtwerke Bamberg

Sehr kurz gedacht. Denn der Wald ist eine besondere Fabrik, weil Bäume nachwachsend sind. Mit CO2, Wasser und Licht wird der Rohstoff Holz umweltfreundlich produziert. Nebenbei entsteht Sauerstoff. Mit dem Grundprinzip der Natur, der Photosynthese, wird diese wichtige heimische Ressource umweltverträglich produziert. Einfach genial – genial einfach. Darüber hinaus wird im Holz klimawirksames CO2 gespeichert. Im Baustoff Holz findet eine CO2-Speicherung über die Nutzungsdauer des Holzes statt. Holz entzieht der Atmosphäre während seines Wachstums mehr CO2, als bei seiner Verarbeitung zu Schnittholz oder Holzwerkstoffen freigesetzt wird. So treten durch die Ernte des Holzes mit Motorsäge und Traktor nur 0,7 Prozent der Menge an Kohlendioxid in die Atmosphäre, die das Stammholz gebunden hat.

Stahl speichert kein CO2. Stattdessen wird bei der Herstellung, beim Transport und der Weiterverarbeitung jede Menge CO2 freigesetzt. Die ETH Zürich hat Dank ihres House of Natural Resources errechnet, dass Stahl momentan für 20 Prozent des Treibhausgasausstoßes verantwortlich ist. Laut Umweltbundesamt ist die deutsche Eisen- und Stahlindustrie mit 36 Mio. t Kohlendioxid-Emissionen die Industriebranche mit den höchsten Emissionen in 2014 (hier). Und erst beim Multirecyceln glättet sich die Ökobilanz von Stahl ein wenig. In der Stahlindustrie ist nach dem heutigen Stand der Technik keine CO2-neutrale Produktion möglich (hier).

Die Baubranche steht wegen ihres riesigen ökologischen Fussabdrucks immens unter Druck. Und die Stadtwerke Bamberg sollten hinsichtlich klimaschonender Bauweise sensibilisiert sein. Stahl statt Holz – und schon kann man die CO2 Neutralität vergessen. Und die Bamberger Klimaallianz ebenso.

 

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