Forderung des Bund Naturschutz: Kein Industriegebiet im Hauptsmoorwald – Jetzt Einspruch erheben!

Bund Naturschutz

Die Stadt Bamberg hat an einem höchst problematischen Standort ein Planungsverfahren eingeleitet: Unter dem Namen „Gewerbepark Geisfelder Straße“ soll im Hauptsmoorwald auf dem ehemaligen Schießplatz, dem Muna-Gelände und auf Waldgebieten östlich davon ein riesiges Industrie- und Gewerbegebiet ermöglicht werden.

Der BUND Naturschutz lehnt diese Planung ab und hat eine ausführliche, fachlich begründete Stellungnahme dazu verfasst.

Im Mittelpunkt der Kritik steht:

  • Die Flächen sind aufgrund von Arten- und Biotopschutz nicht für Gewerbe oder gar Industrieansiedlung geeignet
  • Immenser Eingriff in den Hauptsmoorwald. Durch die Planung würden über 85 ha Wald zerstört
  • Erhebliche fachliche Mängel in der Planung

Die Planung kann nur gestoppt werden, wenn sich möglichst viele Bamberger Bürgerinnen und Bürger dagegen wenden. Der Bund Naturschutz bittet Sie deshalb, im Rahmen des öffentlichen Beteiligungsverfahrens den „Gewerbepark Geisfelder Straße“ abzulehnen.

Ihre Stellungnahme können Sie bis 8. Februar an folgende Adresse senden

Stadtplanungsamt

Stadt Bamberg
Untere Sandstraße 34
96049 Bamberg

oder ganz einfach online hier einreichen unter:

Der Bund Naturschutz hat folgenden Mustertext verfasst, der sehr gerne für Ihre Stellungnahme verwendet werden kann:


Flächennutzungsplan-Änderung für den Bereich des ehemaligen Schießplatzes östlich der Armeestraße und den Bereich der ehemaligen Muna östlich der Gutenbergstraße

Bebauungsplanverfahren Nr. 429 Bereich des ehemaligen Schießplatzes östlich der Armeestr. und Bereich der ehemaligen Muna östlich der Gutenbergstraße.

Frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit nach § 3 Abs. 1 Satz 1 BauGB

Ich lehne die Flächennutzungsplanänderung und den Bebauungsplan aus folgenden Gründen ab.

Die Größe der Bauflächen des geplanten Industriegebietes im Hauptsmoorwald und an dessen Rand beträgt 100,15. Damit sprengt diese Planung die bisherigen Dimensionen von Gewerbegebietsausweisungen und die Grenzen der Verhältnismäßigkeit.

Der tatsächliche Bedarf ist anzuzweifeln und bisher in keiner Weise nachgewiesen.

Durch die Bebauung würden über 85 ha Wald zerstört werden. Neben den Waldflächen auf der Muna und dem Schießplatz gehören dazu auch weitere große, bisher nur forstlich genutzte Bereiche des Hauptsmoorwaldes.

Aus naturschutzfachlicher Sicht sehr wertvolle Offenlandbereiche würden zerstört oder beeinträchtigt werden. Dazu gehören neben verschiedenen offenen und halboffenen Bereichen innerhalb der Muna vor allen Dingen das Naturschutzgebiet (NSG) Muna und nördlich davon gelegene Flächen (Bereich Sendemast) sowie der Schießplatz. Die Sandmagerrasen des NSG Muna und der nördlich davon gelegenen Bereiche würden durch die geplanten Gewerbeflächen und Erschließungsstraßen vollständig isoliert werden.

Die Freiflächen des Schießplatzes gehören zu den wertvollsten Flächen der „Sandachse Franken“ und weisen bayernweite Bedeutung auf. Sie bestehen aus verschiedenen gesetzlich besonders geschützten Biotopen. Die Sandmagerrasen liegen in einer basenreichen Ausbildung vor und gehören damit zu einem prioritären Lebensraumtyp der FFH-Richtlinie. Es kommt eine Vielzahl von Pflanzen und Tierarten vor. So konnten z.B. 22 Pflanzen der Roten Liste, 150 Schmetterlingsarten (darunter 11 der Roten Liste) und 130 Nachtfalterarten (darunter 6 der Roten Liste) nachgewiesen werden. Weiterhin sind besonders geschützte Tierarten gefunden worden: Zauneidechse, Dunkler Ameisen-Wiesenknopfbläuling, Goldammer, Heidelerche, diverse Fledermausarten und die Blauflügelige Ödlandschrecke.

Nach der vorgelegten Planung wird ca. die Hälfte der wertvollen Sandmagerrasen-Komplexe des Schießplatzes überplant. Im Wesentlichen soll nur die Fläche der mittleren Schießbahn erhalten bleiben, allerdings nicht in ihrer Gesamtheit, sondern geteilt durch eine Erschließungsstraße. Von dem großen Offenlandbereich Schießplatz blieben also zwei voneinander getrennte, weitgehend durch umgebende Straßen und Gewerbeflächen isolierte Teilflächen übrig. Damit würde die ökologische Wertigkeit der Sandmagerrasenkomplexe sehr stark abnehmen.

Die Erholungsfunktion bisher naturnaher Waldflächen würde zerstört werden und angrenzende Waldflächen durch die Industriegebiete in ihrer Erholungsfunktion beeinträchtigt (Lärm, Licht, Sicht). Die ohnehin sehr eingeschränkten Naherholungsmöglichkeiten in der Natur im Bamberger Osten/Südosten werden durch die Industrieansiedlungen eingeschränkt.

Die überwiegend im Gebiet vorhandenen Sandböden (Terrassen-Sande mit Flugsanddecken) haben nur eine geringe Rückhaltewirkung für Schadstoffe. Zusammen mit dem hoch anstehenden Grundwasser ist die Nutzung als Industriegebiet deshalb äußerst problematisch.

Die Rodung von 85 ha Wald sowie die Versiegelung großer Flächen wird für die westlich benachbarten Siedlungsflächen in klimatischer und lufthygienischer Hinsicht negative Auswirkungen haben.

All diese Aspekte zeigen, dass wesentliche Schutzgüter, speziell die Arten- und Biotopausstattung, in der Planung nicht im gebotenen Umfang Berücksichtigung finden. Die Planungen lehne ich deshalb ab.

Mit freundliche Grüßen

 


Wer sich ausführlich über das Thema informieren möchte, hat am 19. Februar dazu Gelegenheit:

Unter dem Titel „Natur in Gefahr – Fallen 85 ha Wald und Sandmagerrasen einem Industriegebiet zum Opfer?“ lädt die GAL zu einem Bürger-Infoabend ein. GAL-Stadträtin Ursula Sowa wird die konkreten Pläne für Industrie und Gewerbe erläutern sowie die Inhalte der zahlreichen Gutachten zu Kampfmittelbelastung, Boden und Grundwasser zusammenfassen. Zwei Gastreferenten des Bund Naturschutz, Martin Bücker und Hermann Bösche, legen anhand von Lichtbildern dar, welch hohe Relevanz für den Naturschutz die zum Teil sehr seltene Tier- und Pflanzenwelt auf dem Gelände, das für die Öffentlichkeit derzeit nicht zugänglich ist, hat.

Die Veranstaltung findet um 19 Uhr in der Gaststätte des Sportpark FC Eintracht, „Domreiter Stübla“ statt.

 

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