Mehr Bäume für Bamberg

Redaktion
Blick von der Keßlerstraße auf den Gabelmann. Foto: Erich Weiß

Blick von der Keßlerstraße auf den Gabelmann mit den Platanen. Foto: Erich Weiß

Bäume verändern unsere Umwelt. Zumal in diesen heißen Tagen steigt die Wertschätzung für und infolge auch die Sorge um die Stadtbäume. Sie verbessern die Luftqualität, speichern Wasser, schützen vor intensiver Sonnenstrahlung, auch bei Wind und Regen. Die Lufttemperatur ist in der Nähe eines Baumes kühler als dort, wo keine Bäume sind. Je größer der Baum, desto größer ist der Kühlungseffekt. Es gelingt den Bäumen, die Abstrahlungshitze eines aufgeheizten Gehsteigs und Hauses zu lindern.

Bäume sind der Reichtum einer Stadt

Nachweislich verbessern sie die Luftqualität. Die Blätter filtern die Luft, die wir atmen, und befreit sie von Staub und anderen Partikeln. Der Regen wäscht diese dann von den Blättern. Diese absorbieren Kohlendioxid aus der Luft und wandeln es in Kohlenhydrate um, die wiederum in der Struktur der Pflanze und für deren Funktion gebraucht werden. In diesem Prozess absorbieren die Blätter auch andere Umweltgifte, wie Ozon, Kohlenmonoxyd, Schwefeldioxid – und geben sie wiederum als Sauerstoff ab. Ein europäischer Laubbaum trägt durchschnittlich 30.000 Blätter. An warmen Sommertagen kann der Baum mehrere hundert Liter Wasser verdunsten. An sonnigen Tagen können nur 25 m² Blattfläche den Sauerstoffbedarf eines Menschen decken.

Bäume erhöhen die Lebensqualität einer Stadt. Viele gesunde alte Bäume sprechen für günstige Standortbedingungen und eine Wertschätzung.

Stressfaktoren für Stadtbäume

Das Wohlergehen von Stadtbäumen ist durch eine ganze Palette von Stressfaktoren bedroht: Auto-Abgase, Hunde-Urin, versiegelte Böden und winterliches Streusalz nehmen die Bäume tagtäglich hart ran. Schädlinge haben dadurch oft leichtes Spiel. Beengte Baumgruben und Nachverdichtung des Bodens durch Verkehrs-Erschütterungen schaden Stadtbäumen nachweislich. Ihre Stresssituation wird sich durch die klimatischen Veränderungen mit zunehmendem Trockenstress im Sommer und steigenden Durchschnittstemperaturen sowie häufigere Extremwetterereignisse noch verstärken. Das macht sie anfälliger für Schädlinge, die

  • bisher kaum in Erscheinung getreten sind (z.B. Prachtkäfer),
  • eingewandert sind (z.B. Wollige Napfschildlaus) oder
  • eingeschleppt wurden (z.B. Asiatischer Citrusbockkäfer) und
  • verschiedene Pilz- und bakterielle Erkrankungen (insbesondere Gefäßmykosen).

Die GAL hat nun jüngst auf die Lavaschotter in den Baumscheiben hingewiesen. Bereits bei 30% der Baumscheiben im Bamberger Stadtgebiet hat Lava Einzug gehalten. Zu Füßen unserer Stadtbäume sollten sich Kleinstlebewesen tummeln und ein baumfreundliches Mikroklima herrschen, die Garanten für die Standfestigkeit unserer Stadtbäume sind.

Lavaschotter am ZOB. Foto: Christiane Hartleitner

Lavaschotter am ZOB. Foto: Christiane Hartleitner

GAL-Mitteilung

„Lavaschotter ist wie STOPP-Schild für Natur“

GAL will Baumscheiben als naturnahe Kleinstlebensräume erhalten, denn die Stadt ist der Biodiversität verpflichtet

Man sieht sie mittlerweile allerorten, nicht nur in der Innenstadt, auch in der Gartenstadt, in Bamberg-Ost, in der Wunderburg …: Straßenbäume, die von braunen Lavasteinen umgeben sind. Eine bedenkliche Entwicklung aus Sicht der Bamberger Grünen, denn die so genannten Baumscheiben stellen in der Stadt einen nicht zu vernachlässigenden Lebensraum für Insekten und Pflanzen dar. Die umweltpolitische GAL-Sprecherin Gertrud Leumer stellt deshalb jetzt einen Antrag, mit dem sie erreichen will, dass die zunehmende „Versteinerung von Baumscheiben“ gestoppt bzw. rückgängig gemacht wird. Stattdessen möchte sie, dass das Gartenamt naturnahe Alternativen umsetzt und mit einem Programm die Biodiversität in Baumscheiben fördert. Außerdem sollen Baumpatenschaften von AnwohnerInnen gezielt gefördert werden.

„Es ist erstaunlich, wie wichtig selbst so kleine Flächen wie die rund um Straßenbäume für die Biodiversität sind“, erklärt die gelernte Landespflege-Ingeneurin, „sie dienen als Trittsteine, die es ermöglichen, dass sich Tier- und Pflanzenarten über die Stadt verbreiten. Doch wenn man sie mit lebensfeindlichen Steinen füllt, ist das wie ein STOPP-Schild für die Natur.“ Bereits 30% der Bamberger Baumscheiben sind mit Lavasteinen bedeckt, unter denen ein Unkrautvlies liegt, um jeglichen Pflanzenwuchs zu verhindern. Diese Zahl nannte das städtische Gartenamt auf Anfrage der GAL. Dort ist man zufrieden darüber, denn die Pflege solcher Baumscheiben sei kostengünstig und wenig arbeitsintensiv.

Doch der Kostenfaktor ist für die GAL nicht der einzige Aspekt, der zählt. „Bamberg ist im Jahr 2010 dem Bündnis ‚Kommunen für biologische Artenvielfalt‘ beigetreten“, erinnert Gertrud Leumer, „da können wir nicht ein paar Jahre später systematisch Kleinstlebensräume zerstören – das ist ein Unding.“ Der Lavaschotter in den Baumscheiben hat laut Leumer mit der Zeit unerwartete Ausmaße angenommen. Mit der Befüllung von besonders schwer zu pflegenden Baumscheiben in der Innenstadt habe sich vor Beginn dieser Entwicklung der Naturschutzbeirat einverstanden erklärt. „Aber dass es nun fast ein Drittel aller Straßenbäume in ganz Bamberg betrifft, ist ein Schuss weit übers Ziel hinaus – und völlig in die falsche Richtung“. Sie will deshalb den Naturschutzbeirat als fachlich beratendes Gremium erneut mit dem Thema befassen.

Gertrud Leumer äußert allerdings auch Verständnis für das Gartenamt, das mit knappen Personalressourcen vielfältige Aufgaben bewältigen muss. Doch aus ihrer Sicht gibt es Alternativen in der Grünflächengestaltung, die mit anspruchslosen standortnahen Wildkräutern arbeiten, „so dass wenig Pflege und Kosten anfallen und dennoch natürlicher Lebensraum geschaffen wird.“

Die GAL-Stadträtin befürchtet zudem, dass die Stadt mit ihren Baumscheiben ein schlechtes Beispiel gibt: „Immer mehr Privatleute gestalten ihre Vorgärten als sterile und naturfeindliche Steinwüsten, obwohl auch kleine Gartenflächen so wertvolle Naturoasen in der Stadt sein könnten. Die Stadt sollte dem entgegenwirken, über Biodiversität im urbanen Raum aufklären und ein positive Vorreiterrolle übernehmen.“

 

3 Gedanken zu „Mehr Bäume für Bamberg

  1. Dies Lavascheiben sind in der Tat furchtbar. Auf Nachfrage im entsprechenden Amt der Stadt, bereits kurz nach der Installtion damals, begründete der durchaus freundliche Mitarbeiter, die Maßnahme mit Wartungszeit- und weiteren Kosten (zu den Bäumen hinfahren und Gießen in heissen Sommern etc.).
    Die Begründung hat sich mir schon da nicht erschlossen und offenbar bin ich mit der Meinung nicht alleine.
    Hatte dann auf Anlandung von etwas Flugerde gehofft und ein paar Blumensamen in die Lavaplatte gestreut – es ging keine einzige noch so kleine Pflanze auf. Nicht mal Unkraut.
    Die Vorteile von Grün in der Stadt sind klar, aber was wird in Bamberg gemacht? Das akurate Gegenteil: Mit der lächerlichen Begründung um den Pflegeaufwand wird der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben und das bißchen Grün mit dem Lavaschotter ausgerottet, der vermutlich auch noch für teures Geld beschafft und aufgebracht werden mußte. Da war die Arbeitszeit für die Wartung wohl nicht zu aufwendig?
    Ich bin sicher, es würden sich Baumpaten finden, wenn die Stadt nicht bereit ist, für die Luftqualtät dort ein paar Kröten unserer Steuern für ein wenig Baumpflege einzusetzen.
    Ist ja nicht die einzige und erste von Aufgabe, für die Steuern gezahlt werden, – und wofür ich auch ausnahmsweise genau denke, daß ich genau dafür auch Steuern zahle. – Jedoch landet dieses Geld anscheinend woanders, ja wo denn bloß, in Taschen von allerlei Geschmeiss rund um die Mächtigen?
    Ein weiteres Armutszeugnis. Der Wahnsinn im Kleinen wie im Großen.

    P.S. Und mag man jetzt sagen, Bamberg hat gerade ganz andere Sorgen – die Natur und ihr Erhalt ist die größte aller Sorgen, weil, wenn sie weg ist, alle anderen gar nicht mehr existieren. Nur die Zeit davor wird extrem unschön.

  2. Immerhin bleibt Bamberg konsequent:

    Die Stadt ist Mitglied im Klimabündnis, hat indes ihre selbstgesteckten Ziele bislang zu 0 % erreicht. Insbesondere im Verkehr gibt es keine nennenswerte Bewegung.

    Bamberg nennt sich fahrradfreundlich. Doch Maßnahmen, die den Radverkehr betreffen, haben nur eine Chance auf Umsetzung, wenn sie

    – vorrangig dem Autoverkehr nützen (Verdrängung auf ungeeignete und gefährliche Radverkehrsanlagen, um die Fahrbahn von Fahrrädern freizuhalten);

    – keinesfalls dem Autoverkehr irgendetwas abverlangen – die Umwandlung eines Autostellplatzes in sechs bis zehn Fahrradstellplätze hätte nahezu keine Chance auf Realisierung;

    – überwiegend bis vollständig von anderen finanziert werden (Fahrradparkhaus am Bahnhof), so daß geringem Eigenaufwand hochwertige Imagepflege gegenübersteht.

    Bamberg strebt angeblich Barrierefreiheit an. Doch rücksichtslos zugeparkte Gehwege, die kaum Raum für Rollstühle, Rollatoren, Kinderwagen etc. belassen, sind von den Ordnungsbehörden großzügig übersehener Normalzustand. Mehrfach ist das Gehwegparken sogar widerrechtlich angeordnet, ohne daß genügender freier Gehwegquerschnitt verbleibt.

    Bamberg erhebt den Anspruch, familienfreundlich zu sein. Vom Mangel an bezahlbarem Wohnraum bis zum Fehlen sicherer Verkehrswege – zugeparkte Gehwege (siehe vorstehende Ausführungen!); eklatanter Mangel sicherer (!) Fahrbahnquerungen an Hauptverkehrsstraßen; … – reiht sich ein Kritikpunkt an den anderen.

    Daß auch die Mitgliedschaft im Bündnis „Kommunen für biologische Artenvielfalt“ in erster Linie eine leere, vor allem der Imagewerbung dienende Hülse ist, verwundert daher wenig.

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