Welterbe zu unseren Füßen, Teil II

 Redaktion
Dominikanerstraße 2014. Foto: Erich Weiß

Dominikanerstraße 2014. Foto: Erich Weiß

Wie in Welterbe zu unseren Füßen angekündigt, folgt nun der Beitrag „Welterbe zu unseren Füßen, Teil II“ von Frau Dr. Karin Dengler-Schreiber. Ihre Beiträge waren ehemals in den Welterbe-Notizen publiziert. Teil I widmete sich in einem Überblick den Pflasterarbeiten der Gesamtstadt seit dem späten Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert, nun in Teil II wird die grundsätzliche Gestaltung dargelegt, wobei die Verwendung unterschiedlicher Materialien – bis hin zu Klinker – ein Schwerpunkt ist.

Dr. Karin Dengler-Schreiber im Mai 2009, Welterbe-Notiz Nr. 25

Verkehr ist nicht nur ein Problem unserer Tage. Auch früher schon hat dessen Zunahme die Stadtbewohner gezwungen, nach neuen Lösungen für eine sinnvolle Aufteilung des Straßenraums zu suchen. Als die Zahl der Fuhrwerke in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr zunahm, begann man auch in Bamberg mit dem Bau von Gehsteigen, die – etwas erhöht angelegt – die Fußgänger vor Unfällen schützen, aber auch der Verschönerung der Stadt dienen sollten. Man wollte damit dem Vorbild der Großstädte nacheifern.

Die städtische Pflasterkommission sah seit 1880 jedes Jahr bestimmte Straßenzüge für die Anlage von neuen Trottoirs vor. Man begann mit der „Nachrüstung“ bei den Hauptstraßen und versah natürlich auch die neuen Straßenzüge damit. Zum Unterhalt der Bürgersteige waren von Anfang an die Anlieger verpflichtet. Es gibt einzelne Gassen, in denen das Programm bis heute nicht angekommen ist und in den Fußgängerzonen hat es sich inzwischen wieder umgedreht.

Die schützenden Randsteine der Gehsteige bestanden meist aus Tütschengereuther Sandstein oder dem härteren Granit und an einigen Stellen haben sich in ihnen die Aushöhlungen erhalten, durch die das Regenwasser abgeleitet wurde, das von den Dachrohren über offene Rinnen abfloss. Solche Details entdeckt man nur, wenn man um den historischen Zweck weiß.

Die Gehsteige waren meist mit Klinkerplatten belegt, wobei die Hauseinfahrten mit stärker belastbaren strukturierten Platten befestigt wurden, während man dazwischen glatte und preiswertere Klinkerquadrate (35 x 35 cm) verlegte. Bei späteren Umpflasterungen wurden die jeweils noch brauchbaren Klinker weiterverwendet und heute liegen sie meist in buntem Durcheinander auf den Gehwegen. Aber glücklicherweise sind insgesamt noch viele von ihnen erhalten und die Stadt versucht alles zu tun, dass das weiterhin so bleibt. Denn jede einzelne von ihnen ist wie ein individuelles kleines Kunstwerk: sie zeigen die unterschiedlichsten Farben – blau, rot, gelb und viele weitere Farbschattierungen, die ineinander verlaufen.

Die unterschiedlichen Strukturierungen der Hauseinfahrtsplatten sich auch graphisch faszinierend, wie eine Arbeit des Fotografen Elmar Hilgart zeigt. Er hat auch versucht, die – inzwischen meist verschwundenen – Produktionsorte der Klinker herauszufinden. In Bamberg wurden z.B. Platten aus Muldenstein bei Waldsassen, Nürnberg und München verwendet. Doch angeblich gab es auch in Bamberg selbst eine solche Ziegelei. Über sie haben wir jedoch bisher nichts herausfinden können. Wenn Sie, verehrte Leser/innen, Kenntnis davon haben, wären wir für eine Nachricht sehr dankbar (Zentrum Welterbe Bamberg, Rathaus Maxplatz, 96047 Bamberg). Wir wünschen jedenfalls allen beim nächsten Spaziergang durch die Stadt viele kleine quadratische Entdeckungen.

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Welterbe zu unseren Füßen / Kunst, die man mit Füßen tritt oder ein Plädoyer für unser Bamberger Pflaster.

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