Wir wollen hier rein!

Redaktion
Hauptsmoorstraße. Foto: Erich Weiß

Hauptsmoorstraße. Foto: Erich Weiß

Ein schöner Gedanke: Der Zaun aufgerollt, der Weg freigemacht, die Schlüssel liegen bereit, die Menschen können die Wohnungen beziehen. Nicht nur an der einen Stelle, Ecke Zollnerstraße/Hauptsmoorstraße, sondern an immer mehr Stellen würde der Zaun aufgerollt bis er letztlich gänzlich abtransportiert ist. Und Bamberger Bürger, die großzügige, luftige, helle und gut ausgestattete Wohnungen suchen, könnten ihr Grundbedürfnis nach Wohnraum nicht nur gerade mal so befriedigen, sondern in menschenwürdiger Weise leben. Diesem Ansinnen widmete sich ein Flashmob.

Der Zaun wird "aufgerollt". Foto: Erich Weiß

Der Zaun wird „aufgerollt“. Foto: Erich Weiß

Am Samstag, den 14. März um 14 Uhr, dem 100. Tag nach Übergabe des Konversionsgeländes an die BImA rief die GAL zu einem Flashmob auf, dem trotz des feucht-kalten Wetters ca. 35 Menschen folgten. Uschi Sowa forderte unter anderem: „Seit 100 Tagen sind die Wohnungen nicht mehr im militärischen Besitz – am 4. Dezember 2014 wurden sie dem Bund übergeben und stehen – sogar schon lange davor – einfach leer! Der Stadtrat hat zwar fraktionsübergreifend beschlossen, dass unsere StadtBau GmbH die Wohngebäude schnellstmöglich vom Bund erwirbt, aber die Verhandlungen werden aus Sicht der GAL Bamberg nicht mit Hochdruck betrieben. Scheinargumente, man brauche noch mehr Gutachten, lassen wir nicht gelten! Das Gutachten für die Gebäudeschadstofferkundung der Pines Housing liegt seit 16.1.2015 mit Handlungsempfehlungen vor. Nichts passiert. Unsere Aktion soll Nachdruck verleihen endlich in die Gänge zu kommen … Die nächste Aktion planen wir in wiederum 100 Tagen – am 22.6.2015! Es sei denn, die Wohnungen werden bis dahin bezogen sein.“

Vielleicht wird aus der Sumpfgrube nach der Zaunöffnung eine Goldgrube. Foto: Erich Weiß

Vielleicht wird aus der Sumpfgrube nach der Zaunöffnung eine Goldgrube. Foto: Erich Weiß

Auf bunte Schlüssel schrieben die anwesenden Bürger ihre Forderungen und banden diese an den Zaun in der Hoffnung, dass die Wünsche in Erfüllung gehen mögen.

Forderungen hängen am Zaun. Foto: Erich Weiß

Forderungen hängen am Zaun. Foto: Erich Weiß

Bamberg platzt aus allen Nähten, günstige und ausreichend große Wohnungen stehen dem Wohnungsmarkt nur ganz ganz selten zur Verfügung – stattdessen werden hochpreisige Wohnbauten meist als Neubauten für Verkaufspreise ab 4000 € pro Quadratmeter im Überfluss errichtet. Und auf dem Konversionsgelände stehen Wohnungen für 5000 Menschen leer. Wohnungen, die bezahlbar sein dürften, sowohl als Mietwohnungen als auch als Eigentumswohnungen, wenn die Vergabe in städtischer Hand bleibt und der Preisvorteil an die Bürger weitergeleitet wird und nicht Zwischenhändler das große Geschäft machen.

Wir wollen hier rein

Es wird schon mal aufgesperrt. Foto: Erich Weiß

Es wird schon mal aufgesperrt. Foto: Erich Weiß

Ein Schlüssel passt schon. Foto: Erich Weiß

Ein Schlüssel passt schon. Foto: Erich Weiß

Klare Botschaft. Foto: Erich Weiß

Klare Botschaft. Foto: Erich Weiß

Wotan freut sich schon auf sein neues Zuhause. Foto: Erich Weiß

Wotan freut sich schon auf sein neues Zuhause. Foto: Erich Weiß

Doch das ehemalige Kasernengelände bietet mehr als Wohnraum, das Gebiet wäre ein vollständig entwickeltes Stadtgebiet. Hinter dem Zaun sind zu finden:

  • Sporthallen
  • Fitnesscenter
  • Schulen
  • Volkshochschule
  • Kinderspielplätze
  • Kindergarten
  • Kirche
  • Kino
  • Veranstaltungssäle
  • Hallen
  • Medizinisches Zentrum
  • Werkstätten für Handwerksbetriebe
  • Gewerbegebäude und -flächen
  • Verwaltungsgebäude
  • Polizeigebäude
  • Hotel und Pension
  • Kantinen/Gaststätten
  • Supermarkt
  • ein ausgebautes Wegenetz
  • große Grünflächen mit Baumbestand
  • und vermutlich noch einiges mehr
Mögliche Gewerbegebäude und -flächen auf dem Konversionsgelände. Foto: Erich Weiß

Mögliche Gewerbegebäude und -flächen auf dem Konversionsgelände. Foto: Erich Weiß

Mögliche Gewerbegebäude und -flächen auf dem Konversionsgelände. Foto: Erich Weiß

Mögliche Gewerbegebäude und -flächen auf dem Konversionsgelände. Foto: Erich Weiß

Fazit: ein ausgebautes Stadtquartier, das alleine lebensfähig war und immer noch ist. Soweit ist keine städtebauliche Planung – und vor allem erstmal kein Abriss oder Neubau – nötig. Eine kleine Stadt, die einfach nur bezogen werden muss.

Oder ein Naherholungsgebiet. Foto: Erich Weiß

Oder ein Naherholungsgebiet. Foto: Erich Weiß

Die Stadtverwaltung sollte es ermöglichen, dass Bamberger Bürger das Gelände zum Beispiel am Wochenende betreten können und sich selbst ein Bild von der Situation machen dürfen. Die Berliner machen es mit der Nutzung des ehemaligen Flughafen-Geländes am Tempelhof vor und nutzen die ehemaligen Start- und Landebahnen als Skaterbahnen, zum Drachensteigen oder Zum-Auf-der Wiese-liegen – eben als Naherholungsgelände.

Da muss man wenig planen, nichts abreißen, nichts neu bauen. Erstmal muss man das Gelände für die Menschen öffnen und einer ungeplanten Entwicklung eine Chance geben.

Berufsbedingt wehrt sich die Immobilienbranche dagegen. Und wenn man die Stimmung im Stadtrat betrachtet, könnten dort Verbündete sitzen.

2 Gedanken zu „Wir wollen hier rein!

  1. Der zitierte Passus findet sich, anders formuliert, im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland wieder. In Artikel 14, Absatz 2, heißt es: „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

    Leider ist dieser auch für nichtreligiöse Politiker und Verantwortungsträger bindende Ausfluß der gern in anderem Zusammenhang beschworenen „christlichen Leitkultur“ offenkundig weitgehend unbekannt. Seit der ideologische Gegenpart im europäischen Osten verschwunden ist, wurde die zwar mängelbehaftete, aber doch richtungsweisende Soziale Marktwirtschaft immer weiter den „Regeln“ des ungehemmten, allenfalls noch zu Gunsten der ohnehin Stärkeren regulierten Marktes geopfert.

  2. Mir ist Bamberg – neben seiner herausragenden Rolle als Hauptstadt des guten Bieres – vor allem als sehr christliches Pflaster bekannt.

    In der Pastoralkonstitution Gaudium et Spes (1965, Nr. 69) des Zweiten Vatikanums ist folgender Grundsatz formuliert:
    „Gott hat die Erde mit allem, was sie enthält, zum Nutzen aller Menschen und Völker bestimmt; darum müssen diese geschaffenen Güter in einem billigen Verhältnis allen zustatten kommen (…) Darum soll der Mensch, der sich dieser Güter bedient, die äußeren Dinge, die er rechtmäßig besitzt, nicht nur als ihm persönlich zu eigen, sondern muß er sie zugleich auch als Gemeingut ansehen in dem Sinn, daß sie nicht ihm allein, sondern auch anderen von Nutzen sein können.“ (Quelle: Wikipedia)

    Insofern wäre eine Hausbesetzung mehr als legitim.

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