Suggestive, zu Akkorden geschichtete Farben

Monika Beer

Der Bamberger Künstler Karlheinz Beer präsentiert im Rahmen der alljährlichen „Giornate Wagneriane“ seine Einzelausstellung „purpurrosa“ im Palazzo Albrizzi in Venedig

Karlheinz Beer an der Rückseite des Palazzo Vendramin, wo Richard Wagner am 13. Februar 1883 starb. Foto: Monika Beer

Karlheinz Beer an der Rückseite des Palazzo Vendramin, wo Richard Wagner am 13. Februar 1883 starb. Foto: Monika Beer

Schon als junger Mann entdeckte Karlheinz Beer Venedig für sich, jetzt können umgekehrt die Venezianer entdecken, wie der seit 1997 in Bamberg lebende Maler und Bühnenbildner die Lagunenstadt sieht – und mit ihr einen ihrer berühmtesten sporadischen Bewohner: Am 30. November wird im Palazzo Albrizzi Beers Einzelausstellung „purpurrosa“ eröffnet, eine Hommage an Richard Wagner und an die Stadt, in der der Dichterkomponist aus Bayreuth im Februar 1883 starb.

Die Ausstellung der Associazione Culturale Italo-Tedesca (ACIT) läuft bis zum Jahresende und ist Teil des diesjährigen Programms der „Giornate Wagneriane“, die der Richard-Wagner-Verband Venedig alljährlich Ende November veranstaltet und dazu internationale Künstler einlädt. Gezeigt werden mehr als vierzig Gemälde aus einer Schaffensperiode von fast zwanzig Jahren bis heute, ergänzt durch Skizzen und Skizzenbücher. Ein umfangreicher Ausstellungskatalog, der für die Präsentation dieser Bilder 2013 im Kunstverein Schwetzingen erschienen ist, wird auch in Venedig aufliegen. Dort präsentiert Beer darüber hinaus weitere und neue Bilder.

Palazzo Giustiniani, Öl auf Leinwand © Karlheinz Beer/VG-Bild-Kunst, Bonn 2014

Palazzo Giustiniani, Öl auf Leinwand © Karlheinz Beer/VG-Bild-Kunst, Bonn 2014

Die Ausstellung dokumentiert das enge Verhältnis und das vielfältige Beziehungsgeflecht zwischen Karlheinz Beer, Wagner und Venedig. In „purpurrosa“ verbindet der Künstler seine Liebe zu Venedig mit seiner Affinität zur Musik Richard Wagners – und vielleicht auch zur Lieblingsfarbe beider Künstler. Die Hommage an Wagner und Venedig geht durch die intensive und glutvolle Farbigkeit der Werke eine innige Verbindung ein.

Fenstervorhang vor caput mortuum, Öl auf Leinwand © Karlheinz Beer/VG-Bild-Kunst, Bonn 2014

Fenstervorhang vor caput mortuum, Öl auf Leinwand © Karlheinz Beer/VG-Bild-Kunst, Bonn 2014

Gängige Wagner-Themen bildet Beer nicht ab, sie schwingen allenfalls untergründig mit. Er verarbeitet sie auf seine Weise und zeigt suggestiv und vielfach völlig abstrakt, aufgelöst in Farbe und Farbigkeit, oft unter Verzicht auf jede Gegenständlichkeit die Aura, das Imaginäre, Diffuse, das Schwebende und Schwingende, nicht Greifbare. „Es genügt ihnen“, sagt der Künstler über seine Bilder, „Farbe zu sein, vergleichbar mit Musik, die nicht Nachahmung der Natur, nicht ihr Abbild ist. Die Farben werden komponiert, zu Akkorden geschichtet. Sie sollen wirken, bewegen, ergreifen.“

Großes Sterbesofa, Öl auf Leinwand © Karlheinz Beer/VG-Bild-Kunst, Bonn 2014

Großes Sterbesofa, Öl auf Leinwand © Karlheinz Beer/VG-Bild-Kunst, Bonn 2014

Für den Schwetzinger Kurator Dietmar Schuth steht Karlheinz Beer mit seinen venezianischen Zimmerstücken in der schönen Tradition des „Balkonzimmers“ von Adolph Menzel oder den Interieurs der Impressionisten: „Auch er löst die scharfen Konturen der Realität mit einem impressionistischen Pinsel auf und pflegt ein poetisches Sfumato, das alle Gegenstände zunehmend abstrahiert.“

Palazzo, Öl auf Leinwand © Karlheinz Beer/VG-Bild-Kunst, Bonn 2014

Palazzo, Öl auf Leinwand © Karlheinz Beer/VG-Bild-Kunst, Bonn 2014

Die Kunsthistorikerin Michaela Grammer stellte bei Beers letzter Einzelausstellung in dessen Geburtsstadt Amberg fest: „Der Künstler Beer kennt als Komponist seiner Bilder die Psychologie der Farbe, kennt die Wirkung seiner Kompositionen, und seine eigenen Stimmungen werden konkret – bewusst oder unbewusst – in seinen Werken. Nichts ist gestisch-abstrakt, sondern eine tiefe Sinnlichkeit und Intuition leitet den Farbkompositeur, wobei das große kunsthistorische Wissen des Künstlers immer spürbar ist und nirgends negiert wird.“

Was schon früher auch der Kunstgelehrte und Dichter Eugen Gomringer konstatierte, der in einem Katalogtext über den Maler schrieb: „Im Gefühlsmäßigen stehen Karlheinz Beer die Schwermut eines Deutschrömers, die Flammenschrift eines El Greco, im lichten Höhenflug die Klarheit eines mediterranen Geistes zur Verfügung. Er vermag die Peinture, die man in der Malerei so lange vermisst hat, wieder in ihren Rang bei der Bewertung einzusetzen.“

Karlheinz Beer  ist 1953 im oberpfälzischen Amberg geboren, lebt in Bamberg und hält sich so oft wie möglich in Venedig auf. Seit 1983 ist er als Maler bekannt, er entwirft seit Jahrzehnten außerdem Bühnenräume und Kostüme für Schauspiel und Oper, u.a. für das E.T.A.-Hoffmann-Theater und das Landestheater Coburg. Immer wieder schuf er auch für Uraufführungen die Ausstattung, darunter für „Leubald“, ein verloren geglaubtes Frühwerk von Richard Wagner an der Studiobühne Bayreuth. Beer war Stipendiat der Wagner-Stipendienstiftung (für seinen Bilderzyklus „Wagners Welten“) und erhielt 1996 ein USA-Stipendium mit Atelier und Ausstellung dort, 1999 wurde er beim Wettbewerb zur Woche für das Leben mit dem „Preis der Stadt Bamberg“ ausgezeichnet. Über 100 Ausstellungen in Kunstvereinen und Museen in Deutschland, Frankreich, USA, im Polnischen Nationalmuseum Wroclaw/Breslau u.a. – Werke von Karlheinz Beer befinden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen, Bayerische Staatsgemäldesammlungen München u.a.

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