Bildungspolitik mit Nebenwirkungen

Antrittsvorlesung der Bamberger Professorin für Bildungsökonomik

G8 oder doch G9? Die Kürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre ist umstritten. Das Ziel der Bildungspolitik bei derartigen Entscheidungen sollte stets sein, das Bildungssystem so zu gestalten, dass es maximale Bildungsergebnisse erzielt. Dabei können aber unbeabsichtigte Folgen auftreten. Über diese Auswirkungen spricht die Professorin Dr. Silke Anger in ihrer Antrittsvorlesung an der Universität Bamberg mit dem Titel „Schule mit Nebenwirkungen? Unbeabsichtigte Folgen von Bildungspolitik in Deutschland“ am Mittwoch, den 12. November 2014.

Silke Anger geht der Frage nach, wie unbeabsichtigte Folgen von Bildungspolitik die wirtschaftlichen Bedingungen, Persönlichkeit, Einstellungen und Verhaltensweisen der Betroffenen beeinflussen können. Bei ihrem Vortrag stellt die Inhaberin des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Bildungsökonomik, neben der G8-Reform eine weitere bildungspolitische Entscheidung vor: Bis in die späten 60er Jahre wurden Linkshänder in Deutschland dazu gezwungen, mit rechts zu schreiben. So wollte man ihnen Schwierigkeiten in einer Welt von Rechtshändern ersparen und ihre Leistungen in der Schule steigern. Ein Vergleich von Rechtshändern, natürlichen Linkshändern und umgeschulten Linkshändern zeigt jedoch, dass sich diese Maßnahme nachteilig auf umgeschulte Linkshändern ausgewirkt hat: So erhalten sie beispielsweise geringere Löhne als natürliche Linkshänder.

Es ergeht herzliche Einladung!

Der Vortrag beginnt um 19.15 Uhr in der Feldkirchenstraße 21, Hörsaal F21/01.37.
Der Eintritt ist frei.

Biografie:

Nach ihrem Studium der Europäischen Wirtschaft an der Universität Bamberg wurde Prof. Dr. Silke Anger 2005 an der Humboldt-Universität in Berlin promoviert. Anschließend war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und habilitierte sich 2013 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Silke Anger ist Leiterin des Forschungsbereiches Bildungs- und Erwerbsverläufe am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und seit November 2013 Inhaberin des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Bildungsökonomik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Ein Gedanke zu „Bildungspolitik mit Nebenwirkungen

  1. Nun gibt es eine Wirkung, die entscheidenden Einfluß hat: Die extreme Leistungsverdichtung, welche in den letzten Jahren an Hochschule (Bologna) und Schulen (G8) vollzogen wurde, beläßt kaum noch Freiräume, sich gesellschaftlich zu engagieren. Daß genau dies indes keineswegs eine unbeabsichtigte (!) Nebenwirkung ist, erscheint mir offensichtlich. Denn nichts ist Politikern und Behörden suspekter als Menschen, die sich mit Sachkunde und Engagement den von eben diesen Politikern und Behörden zu verantwortenden Mißständen widmen.

    Hierzu paßt, daß das „Ehrenamt“ nahezu ausschließlich da umworben wird, wo es durch soziales Engagement Defizite staatlichen Handelns ausbügelt (böse Stimmen interpretieren: soviel Druck aus dem Kessel läßt, daß keine große Protestbewegung entsteht). Sofern die Ehrenamtlichen aber versuchen, sich in politische Entscheidungsprozesse einzubringen (Hinterfragung der autoorientierten Verkehrspolitik, Umweltorganisationen, …), sinkt die „öffentliche“, sprich: staatlich gelenkte Anerkennung deutlich.

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