Das „Lorscher Arzneibuch“ der Staatsbibliothek Bamberg im UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes

Mitteilung aus der Staatsbibliothek Bamberg

Festveranstaltung zur Urkundenübergabe am 2. September 2014 

Die Urkunde wurde vom Präsidenten der Deutschen UNESCO-Kommission Minister a. D. Walter Hirche (1. v. r.) an den Direktor der Staatsbibliothek Bamberg Prof. Dr. Werner Taegert (4. v. r.) überreicht. Außerdem auf dem Bild: Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle (3. v. l.) und Dr. Rolf Griebel, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek (2. v. l.); Foto: Staatsbibliothek Bamberg, Elisa Unger.

Die Urkunde wurde vom Präsidenten der Deutschen UNESCO-Kommission Minister a. D. Walter Hirche (1. v. r.) an den Direktor der Staatsbibliothek Bamberg Prof. Dr. Werner Taegert (4. v. r.) überreicht. Außerdem auf dem Bild: Wissenschaftsminister Dr. Ludwig Spaenle (3. v. l.) und Dr. Rolf Griebel, Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek (2. v. l.); Foto: Staatsbibliothek Bamberg, Elisa Unger.

Am 18. Juni 2013 wurde das in der Staatsbibliothek Bamberg verwahrte „Lorscher Arzneibuch“ vom Internationalen Komitee für das UNESCO-Programm „Memory of the World“ in das Weltregister des Dokumentenerbes aufgenommen. Im Rahmen einer Festveranstaltung wurde am 2. September 2014 die Urkunde über diese Akkreditierung an die Bibliothek überreicht.

Eine ansehnliche Schar illustrer Gäste gab im Lesesaal der Staatsbibliothek Bamberg diesem herausragenden Ereignis die Ehre. Angereist war auch eine Delegation der Karolingerstadt Lorsch, zusammen mit dem Bürgermeister Christian Schönung und dem Leiter der UNESCO-Welterbestätte Kloster Lorsch Dr. Hermann Schefers.

Grußworte sprachen der Bayerische Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst Dr. Ludwig Spaenle (mit ihm nahm erstmals ein Staatsminister an einer Veranstaltung dieser Institution teil) und der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek Dr. Rolf Griebel.

Den Festvortrag zum Thema „Tradition des Wissens in der Heilkunst. Das Lorscher Arzneibuch im Gedächtnis der Menschheit“ hielt Professor Dr. Joachim-Felix Leonhard, der Vorsitzende des Nationalen Nominierungskomitees für das UNESCO-Programm „Memory of the World“. Die Urkunde wurde vom Präsidenten der Deutschen UNESCO-Kommission Minister a. D. Walter Hirche an den Direktor der Staatsbibliothek Bamberg Prof. Dr. Werner Taegert überreicht.

Das „Lorscher Arzneibuch“ ist das älteste erhaltene Buch zur Klostermedizin aus dem abendländischen Frühmittelalter. Es markiert den Beginn der wissenschaftlichen Medizin im westlichen Europa. Entstanden ist es um das Jahr 795 in der südhessischen Benediktinerabtei Lorsch (seit 1991 UNESCO-Weltkulturerbe). Vor 1000 Jahren gelangte es durch Kaiser Heinrich II. nach Bamberg.

Die Handschrift stellt einen Meilenstein in der Medizingeschichte dar. Sie ist ein einzigartiges Zeugnis für die Neubewertung der antiken Medizin im Zuge der karolingischen Renaissance unter Karl dem Großen. Sie verbindet erstmals die Erkenntnisse der antiken, d.h. griechisch-römischen Medizin mit christlichen Glaubensinhalten. Seither galt die Behandlung Kranker nicht mehr als unstatthafter Eingriff des Menschen in den Heilsplan Gottes, sondern als Akt christlich gebotener Nächstenliebe.

Das Weltregister der UNESCO umfasste bislang bereits etliche kultur- und wissenschaftsgeschichtlich herausragende medizinische und pharmazeutische Dokumente, die verschiedenen Kulturkreisen und Epochen angehören. In diesem virtuellen Ensemble füllt nun das Lorscher Arzneibuch als erstes europäisches Dokument aus dem (frühen) Mittelalter eine eklatante Lücke.

Auf www.bamberger-schaetze.de ist ein Digitalisat der gesamten Handschrift einschließlich deutscher Übersetzung zu finden.

Zwei in der Staatsbibliothek Bamberg verwahrte Reichenauer Bilderhandschriften aus der Zeit um die erste Jahrtausendwende gehören bereits seit 2003 zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Das seit 1992 bestehende Weltregister des Gedächtnisses der Menschheit umfasst aktuell 300 Einträge aus 96 Ländern, davon 17 Einträge aus Deutschland.

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