Bamberg im Kalten Krieg beim vierten Vortrag von „Bamberg: Militär und Stadt“

Redaktion
Dr. Gabriele Wiesemann, der Referent PD Dr. Christian Müller, Prof. Dr. Sabine Freitag. Foto: A. Schmidtpeter, Togomedia

Dr. Gabriele Wiesemann, der Referent PD Dr. Christian Müller, Prof. Dr. Sabine Freitag. Foto: A. Schmidtpeter, Togomedia

Während des Kalten Krieges war die U.S. Army in Deutschland stationiert, um auf westlicher Seite den Eisernen Vorhang zu bewachen, erläuterte der Potsdamer Historiker PD Dr. Christian Müller in seinem Vortrag „GIs und Einheimische. Die U.S. Army in Bamberg während des Kalten Krieges“. Die Grenze zwischen den Staaten des Warschauer Paktes und der Nato verlief mitten durch Deutschland. Dementsprechend hoch sei die Präsenz des Militärs auf beiden Seiten gewesen, sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik habe es eine große Zahl ausländischer Truppen gegeben.

Bamberg ist am 14. April 1945 von der U.S. Army eingenommen worden. Die amerikanischen Truppen wurden in den ehemaligen Wehrmachtskasernen untergebracht, die Offiziere hingegen in beschlagnahmten Wohnhäusern und Hotels, schilderte Müller die Situation in der frühen Nachkriegszeit. In den fünfziger Jahren seien dann direkt neben der Kaserne die beiden Wohnsiedlungen Pines Area und Flynn Village neu gebaut worden. Auch die dortige Infrastruktur sei den Bedürfnissen der Soldaten angepasst worden. Es entstanden ein Warenhaus, ein Supermarkt, eine Buchhandlung, ein Friseur, eine Bank, eine Poststelle und andere Dienstleistungsunternehmen. Außerdem gab es zur medizinischen Versorgung ein Ambulatorium. Auch für Sport, Freizeit und Bildung wurde gesorgt. Die Kaserne habe sich zu einer weitgehend unabhängigen Stadt entwickelt.

Die amerikanische Garnison wurde in der Stadt Bamberg ganz unterschiedlich bewertet. Es habe verschiedene militärtypische Probleme gegeben, wie zum Beispiel die Beschädigung von Straßen durch Übungsmanöver. Die Einleitung von Benzin in die Kanalisation an der Pödeldorfer Straße habe 1951 zu einer Kanalexplosion geführt. Bis in die 1960er Jahre hinein hatten die Amerikaner im Hauptsmoorwald einen Müllverbrennungsplatz, von dem immer wieder dicke Rauchschwaden bis in die Stadt zogen. Auch die Lärmbelästigung durch die U.S. Army sei ein großes Problem gewesen, insbesondere für die direkten Anwohner der Kaserne, so Müller. Viele Jahre bestand auf der Breitenau eine Flugabwehrraketen-Stellung. Dort waren mehrere Dieselgeneratoren installiert, die rund um die Uhr betrieben wurden. Nach Protesten der Anwohner habe man versucht, die Geräusche durch einen Wall aus Sandsäcken zu dämpfen.

Doch Müller stellte auch dar, dass es viele positive Aspekte der Truppenstationierung für die Stadt Bamberg und ihre Bürger gab. Die U.S. Army war ein wichtiger Arbeitgeber. Oft wohnten Soldaten außerhalb der Kaserne und zahlten für die angemieteten Wohnungen eine höhere Miete als sonst üblich. Um die Kontakte zwischen den amerikanischen Soldaten und der Bevölkerung herzustellen, gab es mehrere deutsch-amerikanische Vereine. Zu den freundschaftlichen Ritualen gehörten gegenseitige Einladungen. Die Stadt Bamberg bat zur Weihnachtszeit amerikanische Kinder zur Krippenschau und zum Bratwurstessen. Die Garnison hingegen ließ immer wieder einen Tag der offenen Tür stattfinden, dort gab es einen Imbiss, eine Waffenschau sowie deutsch-amerikanische Sportwettkämpfe.

Der Referent PD Dr. Christian Müller

Der Historiker PD Dr. Christian Müller Historiker hat an der Berliner Humboldt-Universität studiert und an der Universität Potsdam promoviert. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter war er zunächst am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam und anschließend mehrere Jahre am Hamburger Institut für Sozialforschung. Nach seiner Habilitation 2010 war Müller Privatdozent an der Universität Potsdam. Seit 2013 vertritt er dort den Lehrstuhl Militärgeschichte / Kulturgeschichte der Gewalt.

Seine Forschungsschwerpunkte sind: die Geschichte des Kalten Krieges, die Militärgeschichte der Neuzeit, Militärsoziologie, Militär und Gesellschaft im geteilten Deutschland sowie die kasernierte Vergesellschaftung und militärische Subkultur.

Am Hamburger Institut für Sozialgeschichte war Dr. Christian Müller Mitorganisator einer Reihe von international besetzten Konferenzen zum Kalten Krieg. Er ist Mitherausgeber der Tagungsbände „Heiße Kriege im Kalten Krieg“ (2006), „Krisen im Kalten Krieg“ (2008), „Angst im Kalten Krieg“ (2009) sowie „Ökonomie im Kalten Krieg“ (2010).

Seine Habilitationsschrift trägt den Titel „US-Truppen und Sowjetarmee in Deutschland. Erfahrungen, Beziehungen, Konflikte im Vergleich“. Als westdeutsches Fallbeispiel einer Stadt mit amerikanischer Garnison wählte Dr. Müller Bamberg aus. Anhand von Quellen und Interviews rekonstruierte er das Verhältnis zwischen der U.S. Army und der städtischen Bevölkerung in Bamberg. Seit 2011 liegt die Studie als Buch vor.

Die Vortragsreihe „Bamberg: Militär und Stadt“

Die Vortragsreihe „Bamberg: Militär und Stadt“ findet anlässlich der bevorstehenden Konversion statt. Im September 2014 zieht die U.S. Army aus Bamberg ab. Mehrere Kasernen und die Muna werden überplant. Die Vortragsreihe widmet sich der Geschichte der Kasernen und des Bamberger Militärs.

Die Vortragsreihe wird organisiert von Dr. Gabriele Wiesemann, Kunsthistorikerin in Bamberg, und Prof. Dr. Sabine Freitag, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Bamberg.

Sie wird veranstaltet mit freundlicher Unterstützung der Schutzgemeinschaft Alt-Bamberg e.V, dem Bürgerverein Bamberg-Mitte e.V., dem Historischen Verein Bamberg e.V. sowie der Universität Bamberg.

Den nächsten Vortrag hält am Donnerstag, den 10. Juli 2014 die Bamberger Historikerin Prof. Dr. Sabine Freitag. Sie spricht über „Militär und Systemwechsel. Bamberg in Krise und Übergangszeit nach dem Ersten Weltkrieg“. Der Vortrag findet wie gewohnt statt: um 18 Uhr, im Hörsaal 00.25, An der Universität 2 (hinter der Martinskirche).

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