Ehrenring der Stadt Bamberg für Chris Fleming, Trainer der Brose Baskets?

 Redaktion

Der Ältestenrat der Stadt Bamberg tagte am Freitag Vormittag und hat offensichtlich auch über die wohl anstehende Entlassung des Basetballtrainers Chris Fleming beraten. Natürlich wird die Diskussion hierüber in Bamberg geführt. Die Saison der Bamberger Basketballer verlief eher enttäuschend. Ob’s an den Gegnern, den Spielern, dem Trainer, dem Management, einem Gemenge aus allem oder schlussendlich an einer ungünstigen Sternenkonstellation lag: Das mögen Experten oder Auguren beurteilen. Ebenso die Zukunft des Trainers.

Nun erwägt der Bamberger Stadtrat sich hierin einzumengen. Die Groko aus SPD und CSU wagt einen Vorstoß und überlegt die Auszeichnung Chris Flemings mit dem Ehrenring der Stadt Bamberg, wie Radio Bamberg berichtet. Zu einem Zeitpunkt, wo der Sieges-Stern der Basketballer in diesem Jahr nicht mit einer Deutschen Meisterschaft Bamberg erstrahlen lässt. Und zu einem Zeitpunkt, wo das Stoschek-Bashing auf einem Niveau angekommen ist, das an Populismus fast nicht mehr zu überbieten ist. Allerdings mit eher mäßig Unterzeichnern, was die onlinepetition mit weniger als 500 Zählern belegt – übrigens über 350 davon aus dem Landkreis Bamberg.

Populismus mag kurzfristig Gemüter erregen – langfristig richtet er Schaden an

Online-Aktivitäten sind prädestiniert für Populisten. Das Betreiben, Michael Stoschek, Mitglied des Aufsichtsrats der brosebaskets sowie Vorsitzender der Brose-Gesellschafter und somit mächtigster Mann im Spiel, persönlich für den verpassten F5NFER verantwortlich zu machen, ist virulent. Der SPD-Franktionsvorsitzende und Citymanager Klaus Stieringer mischt hierbei kräftig in facebook mit: „Wir müssen einen Appell an Herrn Stoschek richten, dass wir Chris Fleming behalten wollen!“ und „Mag ein Fisch … manchmal vom Kopf her stinken, so sorgt aber doch ein gesunder Körper für ein langes Leben.“ Obgleich die brosebaskets eine Entscheidung über die sportliche Zukunft von Chris Fleming in Kürze ankündigten, versucht Stieringer Stoschek zu einer Stellungnahme zu bewegen. Aus der Saisonabschlussfeier twitterte der Chefredakteur der Mediengruppe Oberfranken Frank Förtsch ein Zitat des Vertreters der Stadt, Klaus Stieringer: „Michael Stoschek hat mit der Feststellung, dass Chris Fleming nicht entlassen wird, für viel Klarheit gesorgt“, was bereits am nächsten Tag von Stoschek dementiert wurde: „Diese Aussage (Fleming wird nicht entlassen) habe ich nachweislich nicht gemacht.“ Das In-die-Enge-Treiben funktionierte nicht, unlautere Ankündigungen – noch dazu als offizieller Vertreter der Stadt Bamberg – sind schädlich für Bamberg. „Genervt“ gibt Stieringer in facebook zu Protokoll und noch eins drauf: „Unfassbar – Bamberg an Bayreuth verkauft?! Diesen Artikel empfinde ich als Schlag in das Gesicht aller Fans und Sponsoren. Ich bin gespannt, ob es ein klares Dementi gegeben wird.“ „Kämpfen Bamberg kämpfen“ – so die Parole. In diesem Licht muss man den Vorschlag der Verleihung des Ehrenrings sehen.

Der Ehrenring – der Zeitpunkt über eine Verleihung an Chris Fleming nachzudenken, ist nicht nur der Ehrung an sich unwürdig, sondern auch den bislang Geehrten sowie Chris Fleming

„Der Ehrenring der Stadt Bamberg kann nur an Persönlichkeiten verliehen werden, die sowohl allgemeines Ansehen genießen und sich durch hervorragende Leistungen um das allgemeine Wohl der Stadt Bamberg und ihrer Bürger besondere Verdienste erworben haben oder durch außerordentliche Leistungen auf den Gebieten der Kunst, der Wissenschaft, der Wirtschaft, des Sozialwesens, des öffentlichen Lebens oder der Völkerverständigung das Wohl oder das Ansehen der Stadt bedeutend gemehrt haben“, so lautet der Auftrag. Die Stadtrats-Mehrheit der Groko allein reicht für die Verleihung eines Ehrenrings nicht: Der Beschluss über die Verleihung bedarf einer Mehrheit von zwei Dritteln der stimmberechtigten Mitglieder des Stadtrates.

Der Stadtrat ist dem Allgemeinwohl verpflichtet – seinen Entscheidungen darf nicht der Anschein einer persönlichen Abrechnung innewohnen.

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Starke Ode aufs Welterbe: “Bamberg ist die g… Stadt der Welt”

 

5 Gedanken zu „Ehrenring der Stadt Bamberg für Chris Fleming, Trainer der Brose Baskets?

  1. Ich habe die „Diskussionen“ ja auch verfolgt und ähnliches beobachtet – allerdings auch, dass Obengenannter mittlerweile seine Kommentare bereinigt und die Zitate gelöscht hat. Feige.

  2. viel zu viel Aufhebens wird da gemacht.
    Ein Vorredner bemerkte schon richtig, dass es sich hier um bezahlte Show-Protagonisten handelt, deren Indentifikation mit Bamberg gegen Null gehen kann.
    Es gibt bestimmt eine Vielzahl anderer, welche für so eine Auszeichnung in Frage kämen.

  3. Bei aller Begeisterung für Sport, auch Profisport, bitte ich zu bedenken: Es handelt sich um Showgeschäft professioneller, also dafür bezahlter Darsteller. Eine Identifikation mit der Stadt dürfte bei den wenigsten derselben vorhanden sein.

    Nichtsdestoweniger haben die Serienerfolge des Vereins dem Image der Stadt zweifellos genützt – und der Trainer dürfte hieran nicht geringen Anteil haben. Auch die aktuelle Saison wurde immerhin – vor den Play-offs – auf Platz 2 der Liga beendet. Ist das nichts?

    Das Aus in der ersten Play-off-Runde ist doch kein Weltuntergang. Hier standen sich zwei gleich starke Mannschaften gegenüber – da kann der Zufall in Gestalt von Glück und Tagesform das Ergebnis bestimmen. Punktuelle Mißerfolge besagen nichts über die Qualität des Teams und seines Trainers.

    Erfolg im Profisport ist längst in starkem Maße vom eingesetzten Geld abhängig – auch deshalb verstehe ich manche Fanhysterie nicht: Es ist ein Geschäft. Anders konnte Bayern München nicht so groß werden. Andererseits birgt die Abhängigkeit von (nur) einem Sponsor enorme Risiken. Mischt er sich, ohne ausreichenden sportlichen Sachverstand aufweisen zu können, maßgeblich ein, gefährdet er den Erfolg – auch den der von ihm beabsichtigten Eigenwerbung. Verliert er die Lust (Empfindlichkeit gegen Kritik, geänderte Einschätzung des Werbeeffekts, …), stehen Mannschaft und sportlicher Erfolg vor dem Aus.

    Der Verein muß somit abwägen: Ist die Aussicht auf Etablierung in der Spitze es wert, sich in totale Abhängigkeit zu begeben? Auf die Gefahr hin, vor dem Aus zu stehen, wenn der Sponsor sich abwendet?

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