Konstantin Wecker: Freiheit für Uli Hoeneß!

Redaktion

Der Liedermacher und kritische Zeitgenosse Konstantin Wecker hat einen Aufruf formuliert: Freiheit für Uli Hoeneß! Die 11. Kalenderwoche des Jahres 2014 ist bestimmt vom Prozess um Ulrich Hoeneß und den Folgen des Turbokapitalismus sowie den Folgen für das Sozialsystem. Die Bamberger Online Zeitung darf Konstantin Wecker im Reigen seiner AutorInnen begrüßen, die Erstveröffentlichung von Freiheit für Uli Hoeneß! finden Sie hier.

Konstantin Wecker

Liebe Freunde,
Freiheit für Uli Hoeneß!
Bei Uli Hoeneß passt einfach alles. Er ist Wurstfabrikant, Spekulant, Präsident der derzeit spektakulärsten Fußballmannschaft der Welt und wohnt in einer Villa am Tegernsee. Er ist ein Bilderbuchkapitalist, hat steuervergünstigt Millionen gespendet und etliche Millionen mehr hinterzogen. Business as usual. Ein Bankensystem, das spezialisiert ist auf den Steuerbetrug superreicher Schwerverbrecher hat es ihm leicht gemacht.
Ich weiß nicht genau, was man als Hilfsarbeiter in einer Wurstfabrik verdient, aber man muss schon ein paar Stunden schuften um sich ein Ticket in der Allianz Arena zu erarbeiten.
Nirgendwo in Europa klafft die Schere zwischen arm und reich so weit auseinander wie in Deutschland.

Dieser Mann wird nie verstehen, dass er irgend etwas falsch gemacht haben soll
Gut für Menschen wie Hoeneß, der sich seinen Reichtum ja auch hart erarbeitet hat.
Zum Beispiel durch kräftezehrendes Zocken am Handy.
So funktioniert nun mal das System.
Der Uli ist ein ehrenwerter Mann.
82 Prozent der Deutschen wünschten sich noch vor zwei Jahren mehr Hoeneß in der Politik.
Das sagt mehr über uns Deutsche aus, als die meisten soziologischen Abhandlungen.
Ich habe ihn mal in einer Talkshow fragen hören, warum es denn überhaupt noch andere Parteien als die CSU brauche.
Mehr Hoeneß in der Politik?
Dieser Mann – und das kann man ihm gar nicht übel nehmen, wenn man bedenkt, wie er jahrzehntelang hofiert und angeschleimt wurde – dieser Mann wird nie verstehen, dass er irgend etwas falsch gemacht haben soll.
In seinem Universum hat er auch nichts verbrochen. So funktioniert nun mal das System und der Uli ist ein ehrenwerter Mann.
Ich wünsche niemandem den Knast. Verständlicherweise. Und auch dem Herrn Hoeneß nicht.
Warum auch. Der Mann ist sowieso nicht resozialisierbar. Ebensowenig wie seine Freunde von den Banken und Automobilkonzernen und Versicherungen.
Aber ich fordere ab sofort die Möglichkeit zur straffreien Selbstanzeige für alle Opferstockdiebe, Drogenkonsumenten, Bankräuber, Hausbesetzer, Demonstrationsvermummer, Sitzblockierer – ach, mir fielen noch viele ein.
Ich halte den Fussballmanager für nicht schuldfähig.
Er ist wie das System, das er verkörpert, verteidigt und liebt.
Ulli Hoeneß ist – und das trägt er schon lange zur Schau – der fleischgewordene Kapitalismus.
Eine wandelnde Wurstfabrik.
Und wenn man ihm eines vorwerfen kann, dann nur seinen sattsam bekannten vergeigten Elfmeter.
Wir linksradikalen Häuserbesetzer, Kryptokommunisten, Steinewerfer, Gutmenschen und Friedensdeppen sehen das eventuell anders.
Aber für jeden aufrechten Kapitalisten gibt es nur einen möglichen Kampfruf:
Freiheit für Uli Hoeneß!

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