Krieg ist Frieden; Freiheit ist Sklaverei; Unwissenheit ist Stärke

Pankraz Springteufel

Rathaus JournalOb George Orwells „Ministerium für Wahrheit“ als Vorwegnahme der Pressestelle der Stadt Bamberg gedacht war, ist nicht bekannt, doch auch für Bamberg gilt: Der große Bruder sieht dich an.

Denn was einst das Amtsblatt der Stadt Bamberg war, ist zur Andreas-Starke-Werbetrommel geworden: das „Rathaus-Journal“ mit dem der Erfolg des Oberbürgermeister herbeigehudelt wird. „Bamberg geht es gut!“: Dies ist die heimliche Überschrift zu restlos allen Wortbeiträgen des „Journals“, und wessen Verdienst das ist, daran wird kein Zweifel gelassen: Kaum ein Beitrag, in dem des Oberbürgermeisters Name nicht fällt, kaum ein Bild, ohne daß er dich ansieht.

Doch während Orwells „1984“ niemals plump ist, schreiben sich Bambergs Berufsjubler ihre heile Welt irgendwo zwischen Sandmännchen und Sesamstraße zusammen. Nur ein Beispiel: „Mobile Treppe erleichtert Zugang zum Sportbecken“ – „Bambados-Sauna erhält immer mehr Zulauf“. Was die Überschriften androhen, machen die Folgephrasen wahr: Die Schreib-Claqueure klatschen Beifall, als ob sie bei der nationalen Volksversammlung Chinas in die Lehre gegangen seien, während Nordkoreas Diktator eine Rede hielt. Daß der Weihrauch gerade jetzt in der Diskussion um das Bamberger Defizitbad aus den Seiten mieft, ist kein Zufall. Das Bad schwimmt den Bach hinunter, in Bambergs Wellnessoase verdampfen Jahr für Jahr die Millionen, doch derlei majestätsbeleidigende Einwände stören nur beim Kniefall der Pressestelle vor ihrem Herrn und Brötchengeber. Vergelts Gott! Und der dankts. Mit reichlich Schreiber-Stellen. Da macht das Wort vom „abhängig Beschäftigten“ doch endlich einmal Sinn. Daß die oberbürgermeisterliche Propagandaabteilung so aufgebläht ist wie die PR-Seifenblasen, die sie in die Stadt pustet, geschieht natürlich wiederum zum Nutzen ihres Meisters. Ehre sei Gott in der Höhe! Gotteslästerung verboten! Starkes Fünfte Kolonne trompetet noch die allerletzte Worthülse ihres Vorgesetzten hinaus, und schreibt die größten Desaster schön – aber erst wenn sie sich nicht mehr verschweigen lassen. OB befiehl, wir folgen Dir! Die Kosten der populistischen Nebelkerzen sind egal. Doch nicht nur die städtischen Jubelperser wärmen sich am Monatsscheck die Hände. Anzeigenverkauf: Stadtmarketing. Konzept, Grafikdesign, Layout, Gesamtherstellung: creo Druck & Medienservice, Gutenbergstraße. Abo-Service: Mediengruppe Oberfranken. Erscheinungsweise: Beilage im Fränkischen Tag. Pfui, nicht was Sie denken! Daß die lokale Berichterstattung die Mitteilungen der Pressestelle abdruckt, liegt allein an der journalistischen Arbeitsüberlastung, und nicht am politisch-medialen Komplex. Falls Sie aber denken: „Rathaus-Journal“ abschaffen, „Amtsblatt“ wieder einführen, dann liegen Sie goldrichtig, denn ein Personality-Werbeblättchen braucht die Stadt nicht, Sozialarbeiter in den Schulen dagegen schon. Sozialarbeiter statt Wortquarkpanscher? Die wundersame Stellenmehrung der Pressestelle zurücknehmen? Die Mitarbeiterzahl auf ein vernünftiges Maß schmelzen? Vorsicht! Hochverrat! Da wird der Andy böse. Ob er die oberbürgermeisterliche Wahlwerbung für seine SPD selbst platziert?

Nichts für Ungut! Mä sochd ja nigs, mä red ja bloß! Ihr Pankraz Springteufel

3 Gedanken zu „Krieg ist Frieden; Freiheit ist Sklaverei; Unwissenheit ist Stärke

  1. Es ist ja gut und richtig, der Pressestelle ihre Phrasendrescherei satirisch überhöht vorzuwerfren. Aber ganz ehrlich, Herr Springteufel: „städtische Jubelperser“, „Starkes Fünfte Kolonne“, „Schreib-Claqeure“, „bei der Volksversammlung Chinas in die Lehre gegangen, während Nordkoreas Diktator eine Rede hielt“,… – um ein gerüttelt Maß an Phrasendrescherei sind Sie nun auch nicht gerade verlegen, was? A weng weniger wär‘ hier mehr g’wesen.

  2. … tja das zeigt uns, wo der Barthl den Most gekauft hat:) Da sind halt Profis am Werk..
    Hat irgendjemand ernsthaft erwartet, dass der (vorbereitete) Apparatschik nicht benutzt wird??? Juristisch fiskalisch einwandfrei…
    Verlierer ist der demokratische Wähler/ Bürger.. unbewusst und geblendet wählt er „seine Schlächter selber..“ Lobbyisten haben viel Geld für PR, Demokraten wenig… Aber víelleicht wird ja doch noch alles gut:)) Klasse Artikel Dr.Springteufel!

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