Ernährungstipp: Kohlenhydrate gut fürs Gehirn – ein neues Thema für die Lebensmittelwerbung?

Ein Tipp des VerbraucherService Bayern im KDFB e.V.

Die EU-weit gültige Liste der zugelassenen gesundheitsbezogenen Werbeaussagen auf Lebensmittelverpackungen wird ergänzt. So ist ab 13. Mai 2014 eine neue Werbeaussage zugelassen: „Kohlenhydrate tragen zur Aufrechterhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei“.

Ziel der sogenannten Health-Claims-Verordnung ist der Schutz der Verbraucher vor irreführender, wissenschaftlich nicht fundierter oder übertriebener Werbung. Erst wenn die von einem Lebensmittelhersteller behauptete Wirkung auf die Gesundheit einer genauen wissenschaftlichen Prüfung standhält, nimmt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den überprüften Nahrungsbestandteil in die Positivliste auf. Was nicht ausdrücklich erlaubt ist, ist also verboten. Derzeit stehen rund 230 „Health Claims“ auf dieser Liste.

Für Kohlenhydrate ist ab 13. Mai 2014 eine umstrittene Werbeaussage zugelassen: „Kohlenhydrate tragen zur Aufrechterhaltung einer normalen Gehirnfunktion bei“.

Jede Gesundheitswerbung hat Bedingungen:

Damit diese Angabe zulässig ist, sind die Verbraucher darüber zu unterrichten, dass sich die positive Wirkung auf das Gehirn erst bei einer täglichen Aufnahme von 130 g Kohlenhydraten aus allen Quellen einstellt. Die Angabe darf verwendet werden für Lebensmittel, die mindestens 20 g verstoffwechselbare Kohlenhydrate pro Portion, also v.a. Stärke enthalten. Ballaststoffe zählen nicht dazu, auch nicht Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit, Mannit oder Isomalt. Außerdem müssen die so beworbenen Lebensmittel der Nährwertangabe „zuckerarm“ oder „ohne Zuckerzusatz“ entsprechen. Süßigkeiten, die zum Großteil aus Zucker bestehen sind ohnehin ausgenommen.

Die Angabe ZUCKERARM ist nur zulässig, wenn das Produkt im Fall von festen Lebensmitteln nicht mehr als 5 g Zucker pro 100 g oder im Fall von flüssigen Lebensmitteln 2,5 g Zucker pro 100 ml enthält. OHNE ZUCKERZUSATZ heißt, dem Produkt wurden keine Einfach- oder Zweifachzucker (z.B. Glukose, Fruktose, Laktose, Saccharose) zugesetzt – auch keine süßenden Lebensmittel wie Honig, Dicksäfte oder Sirupe sind erlaubt.

Auf welchen kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln könnte sich nun in Zukunft die Werbeaussage zur Gehirnfunktion finden?

Möglicherweise nutzen Hersteller von verpacktem Brot, Backwaren oder Nudeln die Aussage, um ihrem Produkt einen „gesunden Anstrich“ zu verleihen. Dann wären aber Weißbrot, Aufbackbrötchen, Toast aus Weißmehl sowie salzige Kekse, Kühlteige wie Pizza, Strudel- oder Blätterteig oder gekühlte Gnocchi und Schupfnudeln ebenso berechtigt wie Vollkornbrot und Haferflocken. Ernährungsphysiologisch betrachtet sind Letztere jedoch vorzuziehen. Gut ist, dass viele herkömmliche Müsli- und Cerealienmischungen mit Zuckerzusätzen deutlich mehr als 5 g Zucker pro 100 g Müsli enthalten – oft 20 bis über 40 g! Hier dürfte der neue Health Claim somit nicht verwendet werden. Auch abgepackte Waffeln, Milchbrötchen, Hamburgerbrötchen oder Zwieback enthalten mehr als die vorgegebenen 5 g Zucker. Selbst manche Brotbackmischungen weisen bis zu 8 g Zuckerstoffe in Form von Karamellzucker, Malzextrakt oder Backhonig auf.

Schon jetzt ist auf jeden Fall Pflicht: Eine Nährwertkennzeichnung bei allen abgepackten Lebensmitteln, die mit einem Gesundheitszusatznutzen werben. So ist der Zuckergehalt pro 100 g erkennbar.

Kohlenhydrate und Gehirn – die Fakten

Das Gehirn deckt seinen Energiebedarf über Kohlenhydrate. Dafür müssen täglich rund 120 g Glukose, auch Traubenzucker genannt, zur Verfügung stehen. Damit verbraucht unser Gehirn tatsächlich rund ein Fünftel des täglichen Energiebedarfs. Ideale Quellen sind die komplexen, langkettigen Kohlenhydrate (Vielfachzucker) aus Vollkorngetreide, Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchten und Obst. Diese langkettigen Kohlenhydrate werden im Verdauungstrakt langsam zu Glukose abgebaut, halten den Blutzuckerspiegel so konstant und verhindern damit Leistungsabfall und Konzentrationsschwäche. Das Gehirn verfügt nämlich nicht über Energiespeicher, sondern muss kontinuierlich mit Glukose versorgt werden.

Mit Vollkorn länger konzentriert

Die großen Mengen Trauben- und Haushaltszucker aus Süßigkeiten, Kuchen oder gezuckerten Erfrischungsgetränken wie Eistee, Limonade und Cola hingegen gehen zu schnell ins Blut. Ein Abfall des Blutzuckerspiegels mit den Folgen Heißhunger, Müdigkeit und Konzentrationsmangel ist vorprogrammiert.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt bei kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln v.a. Vollkornprodukte zu verzehren als Ergänzung zu Gemüse, Obst und Hülsenfrüchten. Nur die Kombination von beiden Gruppen gewährt eine ausreichende Ballaststoffzufuhr kombiniert mit dem gesundheitsfördernden Potenzial aller Ballaststoffarten – löslicher wie unlöslicher.

Derzeit kommt die Kohlenhydratzufuhr der deutschen Bevölkerung dem Referenzwert von mindestens 50% der Gesamtenergie zwar relativ nahe, jedoch stammt leider ein wesentlicher Anteil der Kohlenhydrate aus dem Verzehr von Zucker in Süßwaren und gesüßten Getränken sowie von Weißmehlprodukten wie hellen Brötchen und Gebäck.

Der VerbraucherService Bayern empfiehlt, weniger auf Lebensmittelprodukte mit Zusatznutzen oder Heilsversprechen zu achten, sondern auf eine ausgewogene, pflanzlich betonte Ernährungsweise mit Vollkornbrot, Gemüse, Obst und vorwiegend Grundnahrungsmitteln aus der Region. Wer mehr zu dem Thema „Kohlenhydrate“ wissen möchte, dem bietet der VSB Infomaterial, einen Vortrag oder eine ausleihbare Ausstellung mit dem Titel: „Kohlenhydrate – Energielieferant oder Dickmacher?“. Erhältlich über alle Beratungsstellen in Bayern.

www.verbraucherservice-bayern.de

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