Der Zauber barocker Musik. Die Bamberger Symphoniker spielen sich auf historischen Instrumenten beim zweiten Kammerkonzert der laufenden Saison in die Herzen der Zuhörer.

Von Musicouskuß

2013, das ist, das war bald das Jubiläumsjahr beispielsweise nicht nur eines Benjamin Britten, eines Witold Lutosławski, eines Richard Wagner und eines Giuseppe Verdi. Nein, auch Arcangelo Corelli durfte gefeiert werden, und das taten drei Bamberger Symphonikerinnen und zwei Gäste zum ersten Advent beim Kammerkonzert im Joseph-Keilberth-Saal der Konzerthalle. Weil wir unser Mittagsschläfchen übergebührlich in die Länge gezogen hatten, verzichteten wir in die Einführung, die immer von 16.30 Uhr an von den Ausführenden selbst gehalten wird.

Zum Instrumentarium sei aber immerhin so viel gesagt, daß Angela Stangorra und Sabine Lier auf historischen Barockviolinen musizierten, daß Verena Obermayer, die seit einem Jahrzehnt den Bamberger Symphonikern angehört, ein Cello von Paul Alletsee aus dem Jahr 1721 spielte und daß Thomas Ihlenfeldt, der mit seinem Ensemble „Capella Orlandi Bremen“ das Augenmerk auf die praktische Wiederbelebung der Musik aus der Barockzeit legt, auf einer Chitarrone zu hören war, also der Baßlaute, deren Kennzeichen ein sehr, sehr langer Hals ist und die im 17. Jahrhundert als volltönendes Generalbaßinstrument Verwendung fand. Die bezaubernde Rebecca Maurer schließlich, die in Freiburg bei Robert Hill, zudem in Amsterdam und an der Cornell University in New York State studiert hat, gefiel durch ihr ungemein feinfühliges Spiel an Cembalo und Orgelpositiv (das von der Bamberger Orgelbauwerkstätte Thomas Eichfelder zur Verfügung gestellt worden war). Nebenbei sei noch angemerkt, daß Maurer heuer mit dem Kulturförderpreis der Schweizerischen hibou-Stiftung bedacht worden ist und in ihrer Heimatstadt Nürnberg seit nunmehr drei Jahren sehr erfolgreich die „Konzertgespräche im Hirsvogelsaal“ leitet.

Als roter Faden zogen sich Sonaten Arcangelo Corellis durch das klug konzipierte und im gut besuchten Keilberth-Saal – unter den Zuhörern war auch der neue Intendant der Bayerischen Staatsphilharmonie, Rudolf Marcus Axt – wunderbar umgesetzte Programm. Corelli? Geboren 1653 in der etwa in der Mitte zwischen Bologna und Ravenna gelegenen Kleinstadt Fusignano, ließ er sich als junger Mann in Rom nieder, um als höchst erfolgreicher Geiger, Dirigent und Komponist zu wirken. Am 8. Januar 1713 verstarb er wenige Wochen vor seinem Sechzigsten. Begraben ist Corelli, dessen Formgebung, Stil und Instrumentaltechnik zeit seines Lebens und noch lange hernach großen Einfluß hatten, in Santa Maria della Rotunda, dem römischen Pantheon.

Da war aber auch, neben Corelli, Bernardo Pasquinis (1673 bis 1710) Toccata con lo Scherzo del Cucco für Cembalo solo mit dem fast durchgängig zu vernehmenden Kuckucksruf, den Maurer sehr schön zu verlebendigen wußte; und da war Francesco Saverio Geminianis Sonate für Violoncello und basso continuo a-moll op. 5 Nr. 6, mit welcher Verena Obermayer begeistern konnte. Geminiani, 1687 in Lucca geboren und 1762 in Dublin gestorben, war ein Geigenschüler von Corelli und hatte zumal in England, wo er mit Händel befreundet war, und in Irland enormen Erfolg.

Vor allem mit den viersätzigen Kammer- und Kirchensonaten Corellis sorgten Angela Stangorra, die mit Sabine Lier sich als Primaria abwechselte, & Co. für glückliche Gesichter im Publikum. Dazu zählte auch das der inzwischen emsigen Konzertbesuchbegleiterin, die schon – obgleich am ersten Adventssonntag, anders als die Instrumente, etwas verstimmt und unguter Dinge – ganz leise in Nebenhin dankend sprach: „Schön, daß Du mich mitgenommen.“

NB: Die Kammermusikreihe der Bamberger Symphoniker wird am 19. Januar ihre Fortsetzung finden mit Harmoniemusik und anderen Werken für Holzbläser (und, am Kontrabaß, Georg Kekeisen) von Joseph Haydn, von Franz Liszt und von Felix Mendelssohn-Bartholdy.

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