Bamberg bassd scho!

Redaktion

Verkehrte Welt. Denkt man bei einem Wahlkampfauftakt der CSU an Volks-und-Blasmusik,  so liegt man wohl meist richtig, oder lag meistens richtig – in 2013 in Bamberg ist das nun anders: Am 29. November 2013 eröffnete die CSU den Wahlkampf mit einem Kabarettprogramm von Florian Herrnleben – ein neuer Weg. Vermutlich sind viele CSU-Anhänger irritiert ob dieser Zustände, denn leider war der Saal nicht voll besetzt. Zu Beginn der Veranstaltung war es für das Publikum doch reichlich ungewöhnlichen, einem Kabarettprogramm ausgesetzt zu sein. Florian Herrnleben, Johannes Speckamp, Helge Treybig und Florian Schilling schafften es, im Fortgang die Atmosphäre aufzulockern.

Herrnleben, der bekanntlich auf der CSU-Liste für den Stadtrat kandidiert, begrüßte schon in Politikmanier die anwesenden Gäste und entschuldigte die Nicht-Anwesenden: so OB Starke „er war bei Firmen zu Besuch“ und „Kulturmanager Stieringer überlege noch, ob „er Kultur mit „h“ schreiben soll oder nicht“.

Die ausgezeichneten Musiker, die mal Gitarre, mal Tuba, mal Akkordeon spielten, interpretierten bekannte Klassiker von Udo Jürgens bis Monty Python. Die Liedtexte von Herrnleben drehten sich immer wieder mal um das gute Bamberger Bier, um das uns der Rest Deutschlands beneidet, aber auch um den Puff im Bamberger Norden, der vor einigen Jahren ohne Gegenstimmen durch den Stadtrat gewunken wurde.

Auch brandaktuelle Themen, wie das anstehende Konzert einer rechtslastigen Band in Bamberg, wurden thematisiert – „seit 66 Jahren braucht sie keiner mehr“. In diesem Zusammenhang wurde Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar zitiert „die Band sei in Bamberg nicht willkommen, mehr könne man eben nicht machen“. Aber vielleicht mache sich ja der allgegenwärtige Sponsor Brose Gedanken über den Imageverlust durch solche Festivals in der brose-Halle.

Weiter ging’s mit Elvis Presley „in the Ghetto, wo du dich (die Stadt Bamberg) für deine Bürger schämst und sie versteckst“: Bamberg empfange seine von der Autobahn abfahrenden Gäste mit einem Ghetto hinter Mauern.

„Dass das Kesselhaus wieder aufgesperrt wird, ist so wahrscheinlich wie ein Waldbrand auf dem Maxplatz“

Die Gestaltung des Maxplatzes kam im Programm häufiger vor, Vergleiche mit der Domplatte in Köln oder sonstigen Brachflächen tun sich auf, „man kann drunter parken und oben drüber gehen, das ist doch schon was“. In einem anderen Text formuliert Florian Herrnleben eine Ahnung, „dass das Kesselhaus wieder aufgesperrt wird, ist so wahrscheinlich wie ein Waldbrand auf dem Maxplatz“.

Über die Lokalzeitung in Bamberg heißt es „vom Geld lässt du dich treiben, von Siebenhaar dich schreiben“ – was zu spontanen Bravo-Rufen aus dem Publikum führte. Stadtmarketingchef Klaus Stieringer wurde ebenso persifliert, mit dem Schal um den Hals singt Herrnleben „ohne mich ist alles schlecht, ohne mich ist’s bitter“. Erholung brachte die Hymne auf Gunda, die legendäre Bedienung im Schlenkerla, die den Gast sicher durch die Nacht führe.

Nach reichlichem Biergenuss bleibe nicht aus, dass man auf dem nächtlichen Heimweg Bedürfnisse der Entleerung verspürt und beim besten Willen keine Gelegenheit findet, denn „bei den Altglasbehältern ist das Loch zu hoch und die Bedürfnisanstalt am ZOB ist nachts abgesperrt,“ so bleiben eben manchmal „Spuren im Sand, die angepisste Wand …“

Als Rausschmeißer muss der griechische Wein herhalten, denn „das Taxi nimmt mich nicht mit und dann griiech ich hald haim …“, und „aner gehd noch nei – bis ich schbei“.

Bamberg bassd scho!

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