Warum Piero Terracina sein Schweigen brach

Buchneuerscheinung: Erich Weiß Verlag

Piero Terracina wurde mit 14 Jahren von Rom nach Auschwitz deportiert, wo man seine gesamte Familie ermordete. Erst 1992 begann er, seine Geschichte zu erzählen, ist seither jedoch unermüdlich als Zeitzeuge unterwegs und in Italien längst eine Institution. Dieses Buch, das seine Geschichte und Reaktionen auf seine Tätigkeit mit interdisziplinären Texten zur Problematik der Shoah verknüpft, soll ihn einem deutschen Publikum bekannter werden lassen. Die vier geisteswissenschaftlichen Beiträge setzen sich methodisch mit dem Gedanken des Lernens durch Befremdung auseinander.

Wie viele Überlebende beginnt auch Piero Terracina erst in fortgeschrittenen Jahren wirklich zu erzählen. Nahezu jede Woche ist er zu Vorträgen in Italien als Zeitzeuge unterwegs, zu Vorträgen vor Schulklassen, aber auch vor riesigen Auditorien. Wer ist dieser Mann, der zehntausende Zuhörer in den Bann zieht, der mit beeindruckender und unerbittlicher Aufrichtigkeit und Ruhe erzählt, wie er vor Mengele steht, wie seine Eltern aussortiert werden für die Gaskammer.

»Erzählend« tritt Piero Terracina aus dem Schatten der Anonymität, bekommt ein Gesicht, wird wieder Mensch, das, was er in Auschwitz nicht mehr war, wie er selbst sagt. Ein Mensch im Spannungsfeld seiner ungeheuerlichen Vergangenheit und seiner gegenwärtig nahezu unbegreiflichen Güte und Liebe zum Leben soll in Buch und Ausstellung den Betrachter, Zuhörer, Leser in Wort und Bild und Ton nahegebracht werden.

Einen Einzelnen ins Licht rücken in seiner Menschlichkeit und Größe, die er trotz ungeheuerlicher durchlittener Unmenschlichkeiten bewahrt hat, macht deutlich, wie kostbar und unantastbar das Leben eines jeden ist und war. Darum soll es vor allem gehen. Zu dieser Erkenntnis soll dieses Buch beitragen. Der Titel wurde gerade deshalb gewählt, weil es auf die Frage, warum Piero Terracina sein Schweigen brach eben keine einfache Antwort gibt, weil man sich auf diese individuelle Geschichte, die für so viele andere steht, einlassen muss, um auch nur eine leise Ahnung von der Unendlichkeit von Leid und Verbrechen zu bekommen, die damit verbunden sind.

Auf der beigefügten CD hinten im Buch befindet sich ein Ausschnitt aus einem Radiobeitrag von Andrea Pomplun über Piero Terracina für den Bayerischen Rundfunk.

Ausstellung in der Stadtbibliothek Erlangen (Marktpaltz 1) noch bis 16. November 2013.

„Warum Piero Terracina sein Schweigen brach“, herausgegeben von Matthias Kaufmann, Georg Pöhlein und Andrea Pomplun, Erich Weiß Verlag, 112 Seiten, 46 Fotografien und einer CD, 21 x 26 cm, gebunden, ISBN: 978-3-940821-30-0, Preis: 18 Euro.

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