Hjorth & Rosenfeldt: Die Toten, die niemand vermisst

Franziska Lamm

In den Bergen von Jämtland stürzt eine Wanderin einen Hang hinunter und legt dabei ein Massengrab frei. Schnell ist für die örtliche Polizei klar, dass sie Verstärkung von der Reichsmordkommission aus Stockholm benötigen. Kommissar Höglund reist mit seinem Team und dem Kriminalpsychologen Sebastian Bergmann in die Provinz. Die Identitäten der sechs Skelette kann nicht geklärt werden. Niemand scheint sie zu vermissen.

Wie immer in den Krimis von Hjorth & Rosenfeldt plagen die Ermittler auch private Probleme. Trokel Höglund wird mit dem ersten Freund seiner großen Tochter konfrontiert, außerdem ist er mit seiner Beziehung zu seiner Kollegin Ursula unzufrieden. Diese wiederum muss die Trennung von ihrem Mann verarbeiten und versucht eine Beziehung zu ihrer Tochter aufzubauen. Sebastian Bergmann beschäftigt sich mit dem möglichen Weggang seiner Tochter Vanja Lithner, die zu einer FBI-Ausbildung in die USA aufbrechen will. Doch alles kommt anders als gedacht. Plötzlich wird Vanjas „Vater“ Waldemar verhaftet.

Parallel zu diesen Ereignissen schildern Hjorth und Rosenfeldt das Schicksal der afghanischen Frau Shibeka Khan, die mit ihrer Familie in Schweden Asyl gefunden hat. Vor ein paar Jahren verschwanden ihr Mann Hamid und ihr Cousin Said spurlos. Die Behörden sprechen von einer „unkontrollierten Ausreise“, da ihnen die Abschiebung gedroht hätte. Der Rest der Akten ist allerdings unter Verschluss. Shibeka Khan will sich damit nicht zufrieden geben und versucht, die Wahrheit herauszufinden.

Hjorth und Rosenfeldt kreisen um eine Hauptfigur, die streng genommen ein Widerling ist, und schaffen dabei überaus spannende Kriminalromane, auch wenn dieses Mal die privaten Probleme des Ermittlerteams vorherrschen. Wieder ist ein spannender und vielschichtiger Fall entstanden, der erstmal sehr gemächlich anfängt. Denn in erster Linie geht es den beiden Autoren um die Psychologie der Figuren. „Die Toten, die niemand vermisst“ ist hochbrisant und aktuell, denn man erhält einen Einblick in die Arbeit des Geheimdienstes.

Leider verheddern sich die Autoren in ihrem Netz aus parallelen Erzählsträngen und unzähligen Charakteren. Der rote Faden ist nur schwer zu erkennen. Erst nachdem man  300 Seiten gelesen hat, kommt die ganze Handlung in Fahrt und ein Ereignis folgt dem anderen.

„Außerdem war der Weg dorthin diesmal so unglaublich langweilig“, fuhr Sebastian fort (…). (S. 589)

Bereits am Ende wird ein Cliffhänger für den vierten Band mitgeliefert. Den Fans bleibt zu hoffen, dass dieser von Anfang an spannend ist.

Hjorth, Michael / Rosenfeldt, Hans
Die Toten, die niemand vermisst
Ein Fall für Sebastian Bergman
Übersetzt von Allenstein, Ursel
Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 978-3-499-26701-7
Preis: 14,99 Eur
592 S. – 21,0 x 13,5 cm
Paperback

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