Vier Hörner bei den Rosengarten-Serenaden. Das Ensemble CORdial gefiel mit einem bunten Programm zwischen Mozart und Charleston.

Von Musicouskuß

(Fränkische) Hörner stehen gerade hoch im Kurs. Bedeutende Orchesterstellen sind frei (Chicago, Berlin, Bamberg, jeweils das koordinierte Solo-Horn), in Bayreuth darf Michael Lösch von der Staatsphilharmonie Nürnberg den heiklen Siegfried-Ruf intonieren, im Lucerne Festival Orchestra unter Maestro Claudio Abbado freut sich Hasko Kröger von den Bamberger Symphonikern auf Beethovens hornsatte „Eroica“, während dessen Kollege aus der Bayerischen Staatsphilharmonie, Christoph Eß, im Festspielorchester auf dem Grünen Hügel Dienst hat. Darüber hinaus hat Eß gemeinsam mit seinen Kollegen von german hornsound gerade eine erste Silberscheibe herausgebracht („Siegfried und Violetta“, bei genuin, in Leipzig) und tourt mit diesem Wagner und Verdi geltenden Programm nicht nur durch die deutschen Lande.

Ein weiteres Hornquartett mit fränkischem Einschlag – das Ensemble CORdial – war nun bei den Rosengarten-Serenaden im Kaisersaal der Residenz zu Gast, eine Premiere innerhalb dieser Konzertreihe. Nach langen Jahren in Orchestern wie der Radiophilharmonie des NDR Hannover und den Nürnberger Sinfonikern schlossen sich Iris Arnal, Charly Hopp (ehemals beim Windsbacher Knabenchor), Gabi Lüdenbach und Hendrik Wächter, die heute als freischaffende Hornisten und Pädagogen tätig sind, zu dem Ensemble CORdial zusammen. Im Namen trägt es ihr Instrument, das Horn, aber auch das Herz, Herzlichkeit, Harmonie. Eigenschaften, die sich bei der Rosengarten-Serenade aufs Schönste bemerkbar machten.

Blechbläser eröffnen ihre Konzerte gern mit einer Fanfare. Die hört dann zumeist auf den Namen „Fanfare for the Comman Man“, stammt aus dem Kriegsjahr 1942 und aus der Feder von Aaron Copland. CORdial aber wählte zum Auftakt die „Fanfare for Barcs“, die der Texaner Kerry Turner, ein ehemaliger Schüler des legendären Hermann Baumann und seit vielen Jahren Hornist im Orchestre Philharmonic du Luxembourg, 1989 komponierte. Auch bei den Sechs Quartetten von Nikolai Tscherepnin, einem Schüler von Rimsky-Korsakow, handelte es sich um eine Originalkomposition für Hornquartett, entstanden 1910. Anklänge an Brahms, an Schumann („Konzertstück für vier Hörner“), an die deutsche Romantik waren da auszumachen, etwa in der Nocturne zu Beginn und in der munteren „La chasse“. Sehr vital und sehr sauber in der Intonation gab das Ensemble diese sechs programmatischen Petitessen.

In seinen Symphonien gestand Anton Bruckner dem Horn exponierte Stellen zu, beispielsweise zu Beginn der Vierten, der „Romantischen“. Auch sein Andante in Des-Dur vermittelte diesen typischen Bruckner-Klang, ehe sich CORdial des B-Dur-Quartetts op. 38 des Russlanddeutschen Constantin Homilius (er teilt sich mit Verdi und mit Wagner das Geburtstsjahr, und ist 1902 gestorben) annahm. Vor allem im finalen Presto konnten Iris Arnal, in deren Händen auch ein Großteil der Moderation lag, und ihre Kollegen ihre fulminante Technik ausspielen.

Der zweite Programmteil war dann nahezu ausschließlich Bearbeitungen vorbehalten, darunter die Ouvertüre zur „Zauberflöte“, ein Querschnitt durch den „Figaro“, eine Arie aus dem „Rosenkavalier“ des immens hornaffinen Richard Strauss und Wagners Pilgerchor. Mit einer Auswahl der jazznahen „Fripperies“ von Lowell Spike Shaw (1930 in Joliet, Illinois, geboren, wo einige Mitglieder des eingangs angeführten Chicago Symphony Orchestra zuhause sind) endete der offizielle Teil. Ein feiner Abend mit vier feinen Musikern, der lange noch nachhallte.

NB: An diesem Samstag gastiert das Mozart Quartett Salzburg mit Werken seines Namensgebers, von Luigi Boccerini und von Giovanni Battista Sammartini bei den Rosengarten-Serenaden im Kaisersaal. Konzertbeginn ist um 20 Uhr.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.