Die Rosengarten-Serenaden machen einen Ausflug nach Italien. Ein spannender Abend zur Geschichte der Musik für Violine im italienischen Barock, bis hinein in die frühe Klassik.

Von Musicouskuß

Gerhard Olesch, der spirtus rector der Bamberger Rosengarten-Serenaden, brachte es in seiner kurzen Ansprache vor dem Konzert im Kaisersaal der Residenz auf den Punkt: Es war ein „ausgewähltes Publikum“, das sich zu einem „ausgewählten Programm“ eingefunden hatte. Der Kölner Geiger Stephan Schardt und die Cembalistin Sonja Kemnitzer aus Frankfurt nahmen die Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte der Sonatenliteratur für Violine, wie sie sich im Italien des Barock bis in die frühe Klassik hinein entwickelt hat.

Ganz unbekannt ist Schardt den Bambergern nicht, denn er war einige Male bei der Bayerischen Staatsphilharmonie als Aushilfe engagiert. Orchestererfahrung sammelte er unter anderem bei der Dresdner Staatskapelle und beim WDR in Köln. Von 2000 an bis zu ihrer Auflösung im November 2006 war Schardt Konzertmeister der Musica Antiqua Köln. Schardt versteht sich mithin auf die historische Aufführungspraxis, wobei sein Rerpertoire auch in die Moderne reicht, beispielsweise bis hin zu dem Oberpfälzer Max Reger, zu Béla Bartók und Paul Hindemith.

Schardts Rosengarten-Programm war sehr kundig zusammengestellt und chronolisch aufgebaut. Zunächst erklang Giovanni Antonio Pandolfi Meallis Sonata Quarta, gedruckt 1660 in Innsbruck, wo Pandolfi Mealli, über dessen Leben nur wenig bekannt ist, als Geiger am Habsburgischen Hof wirkte. Die Sonata war ein, wie es dem sogenannten Sylus Phantasticus entspricht, recht freier, der Improvisation naher Auftakt zu einem spannenden Rezital. Den Fantastischen Stil kennzeichnete der aus der Rhön gebürtige Universalgelehrte Athanasius Kirchner als eine „freie Art der Instrumentalmusik, die der Phantasie der Komponisten keine strikten Regeln auferlege / die […] dem Komponisten weite Entfaltungsmöglichkeiten gibt und Gelegenheit an die Grenzen seiner Kunst zu gehen / in freien Formen wie Fantasien, Toccaten, Ricercare und Sonaten“.

Seinen Ruf als begnadeter Komponist begründete Arcangelo Corelli mit der zu Jahresbeginn 1700 in Rom als Privatdruck erschienenen Sonatenfolge Opus 5, die als makellos gilt. Dem Erstdruck sollten binnen weniger Jahre mehr als zwei Dutzend Ausgaben folgen. Makellos kann man guten Gewissens auch Schardts Interpretation der g-moll Sonate aus op. 5 nennen: Ein funkelnder, feurig heller Ton und eine blitzende Bogentechnik paarten sich mit sicherer Intonation und sauberem Zusammenspiel mit Sonja Kemnitzer am Cembalo.

Die musikalische Zeitreise setzte sich fort mit einer Sonate (1717) des Corelli-Schülers Francesco Geminiani und einer Sonate aus dem Jahr 1744 von Franceso Maria Veracini. Sie schloß mit der B-Dur-Sonate aus den in Paris 1770 erschienenen „Sonates avec les Adagios brodés“ von Pietro Nardini, dem bekanntesten Schüler Giuseppe Tartinis. Von Nardinis virtuosem Geigenspiel war Leopold Mozart begeistert und konstatierte, „daß in der Schönheit, reinigkeit, gleichheit des Tones und im Singbaren Geschmacke nichts schöneres kann gehöret werden“. Und Friedrich Daniel Schubart bemerkte: „die Zärtlichkeit seines Vortrags läßt sich unmöglich beschreiben: jedes Comma scheint eine Liebeserklärung zu seyn. Man hat eiskalte Fürsten und Hofdamen weinen gesehen, wenn er ein Adagio spielte“. Im Kaisersaal der Residenz weinte niemand. Schardts feine Vortragskunst ging aber ans Herz, und da sich die Zärtlichkeit seines Spiels unmöglich beschreiben läßt, belassen wir es hierbei und erwähnen lediglich noch, daß naturgemäß eine Zugabe nicht fehlen durfte.

NB: Weiter mit den Rosengarten-Serenaden geht es an diesem Samstag. Zu Gast ist das Ensemble Cordial. Das Hornquartett wird im Kaisersaal der Neuen Residenz Werke von Richard Wagner, von Richard Strauss und Giocchino Rossini, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und anderen zu Gehör bringen. Das Konzert beginnt um 20 Uhr

NBB: Gemeinsam mit dem Pianisten Philipp Vogler legte Schardt im vergangenen Herbst eine CD mit Salonmusik von Ferdinand David vor. David war eng mit Felix Mendelssohn befreundet, der ihn als Konzertmeister in das Gewandhausorchester holte. Erschienen ist die CD bei dem feinen Detmolder Label Dabringhaus und Grimm. Ein anders Mal mehr dazu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.