Marseille – la vieille

Hafen von Marseille. Foto: Anna Mohr, 2013

Marseille ist 2013 zusammen mit rund 80 weiteren Städten und Dörfern der Provence Kulturhauptstadt 2013. Das Stadtentwicklungsprojekt Euroméditerranée hat seine Spuren hinterlassen. Im ältesten Stadtteil, der Panier über dem Alten Hafen, wurde aufgeräumt: „Feuchte, billige Altstadtquartiere, Spelunken und kleine Krämerläden haben sich in teure Eigentumswohnungen, Boutiquen und Designerläden verwandelt. Dahinter beginnt das ganz neue Marseille. Mehrere Milliarden Euro kostet das neue Geschäftsviertel Euromediterranée zwischen dem ehemaligen Industriehafen und dem einst verrufenen Bahnhofsbereich. Wer nicht mithalten kann, muss wegziehen. Die Armut sammelt sich in den Betonsilos am Stadtrand.“ Dabei ist der Hafen alt: Seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. wird hier Handel getrieben, an der schroffen Südküste Frankreichs waren geschützte Landeplätze rar, da bot sich der Zufluss der Rhone als natürlicher Hafen an.

In unserem studentischen Reisebericht darf der Hinweis auf die Verköstigung nicht fehlen. Zwar stammt die Bouillabaisse aus Marseille. In den Restaurants von Marseille gehört diese ursprünglich von Fischern aus nicht verkauften Fischen, Crevetten und Muscheln gekochte Suppe zum Standard. Die studentische Empfehlung läuft auf Pizza hinaus, darf jedoch bei einem Besuch dieser herrlichen Stadt landestypisch ausgereizt werden.

Anna Mohr

Marseille – la vieille

Ein studentischer Reisebericht

Die Anreise mit dem TGV ist ein Erlebnis und eine tolle Alternative zum Flugzeug. Wir bekommen einen ersten Eindruck und können uns auf die zweitgrößte Stadt Frankreichs und Kulturhauptstadt Europas 2013 freuen. Nach etwa acht Stunden Fahrt von Bamberg aus, begrüßt uns Marseille mit einem lauen Abend, wir beschließen, zum Hotel zu laufen. Imposant liegt in der Ferne die Basilika Notre-Dame de la Garde. Recht erschöpft von der langen Reise, fallen wir in unsere Betten.

Fernsicht auf die Basilika Notre-Dame de la Garde. Foto: Christophe Moustier (CC BY 3.0)

Den ersten der zwei Tage beginnen wir typisch französisch, mit Café au lait, Brioche und Baguette. Und ja! Die Sonne lacht.

Wir machen uns an den Aufstieg zur Basilika Notre-Dame de la Garde. Anstelle einer mittelalterlichen Wallfahrtskapelle wurde sie ab 1853 errichtet. Sie steht sich auf einem 147 m hohen Kalkfelsen.

Basilika Notre-Dame de la Garde. Foto: Anna Mohr, 2013

„La Bonne Mère“, wie sie im Volksmund genannt wird, birgt eine große Sammlung an Votivbildern. Vor allem die Kuppel prägen den byzantinischen Gesamteindruck. Von den Aussichtsplattformen hat man einen spektakulären Blick über die Stadt. Einmal oben angekommen, genießen wir den Blick aufs Meer, die dort liegenden Inseln, das Château d’If und natürlich die Stadt selbst. Die Basilika ist zwar ein Touristenmagnet, doch am Vormittag ist der Ansturm noch nicht allzu groß, sodass man sich ungestört umschauen und den Blick schweifen lassen kann.

Basilika Notre-Dame de la Garde. Foto: Anna Mohr, 2013

Wir verlassen den Berg auf einem anderen Weg, als wir gekommen sind und gelangen in einen malerischen kleinen Park, durch den ein Bach fließt, der sich am Ende in einen kleinen Wasserfall ergießt. Wer in Marseille Hunger bekommt, der kann als Student getrost auf eine der vielen Pizzerien zurückgreifen, die die Stadt zu bieten hat. Denn nicht nur die Italiener beherrschen die Pizzabäckerei.

Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg zum Vieux Port, wohl einem der schönsten und bekanntesten Orte der alten Hafenstadt. Gerade ist auch ein Musikfest in der Stadt, das uns nun mit allerlei verschiedenen Klängen unterhält. Arabische Einklänge sind natürlich in Marseille nicht zu überhören, denn schließlich ist das „Tor zum Mittelmeer“ wie kaum eine andere Stadt durch Einwanderer geprägt, heute dürften 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung von Marseille arabischer Abstammung sein.

Marseille. Foto: Anna Mohr, 2013

Wir kaufen uns Fahrkarten für eine kurze Seereise zur Insel Frioul. Die Besatzung des Schiffes erlaubt sich wohl jeden Tag aufs Neue einen etwas derben Scherz mit den Touristen, die diese Fahrten bevölkern. Zu Beginn werden wir freundlich darauf hingewiesen, dass wir ein wenig nass werden könnten. Lediglich zwei Passagiere des Oberdecks nehmen die Warnung ernst und verlassen es auf schnellstem Wege. Der Rest harrt der Dinge, die da kommen. Und sie kommen, und wie sie kommen! Dinge? Nein, Wellen! Man könnte meinen, der Kapitän rammt jede Welle, die sich ihm bietet. Binnen weniger Sekunden sind wir nass bis auf die Haut und sehen aus wie begossene Pudel. Doch wir nehmen es mit Humor und lassen uns anschließend von der Sonne wieder trocknen, bevor wir noch einen kleinen Rundgang über die Insel starten. Auf der Rückfahrt sind wir klüger und nehmen gleich im Unterdeck Platz.

Am Abend wollen wir in ein Restaurant im arabischen Viertel der Stadt. Das Restaurant finden wir zwar nicht, doch wir staunen! Hier fühlt man sich wirklich wie in einer anderen Welt. Faszinierend ist, dass man nur in eine andere Gasse oder Straße abbiegen muss und schon hat man wieder ein ganz anderes Bild vor Augen.

Unser zweiter Tag führt uns direkt zum Vieux Port, der Historie und Moderne besonders gut miteinander vereint. Dort befinden sich noch Hafenanlagen aus dem ersten Jahrhundert. Wir entdecken einen Künstlermarkt direkt am Hafenbecken und schlendern durch die Ausstellung, die viele, aufregende kleine Details zu bieten hat.

Kathedrale La Major. Foto: Anna Mohr, 2013

Wir machen uns auf den Weg zur Kathedrale am Westrand der Altstadt oberhalb des Quai de la Joliette. Anstelle der Vieille Major aus dem 4./ 5. Jahrhundert, deren Fundamente ergraben wurde, erhebt sich nun die Nouvelle Major, errichtet ab 1852 – tatsächlich nachdem Napoleon III. den Grundstein für den Neubau gelegt hatte. Die Kathedrale La Major wird gerade renoviert, auch hier trifft Alt auf Neu. So können wir sie zwar „nur“ von außen betrachten, aber der Anblick ist trotz Baugerüst und Kran bemerkenswert.

Platz vor der Kathedrale La Major. Foto: Anna Mohr, 2013

Zum Mittagessen finden wir eine wunderschöne kleine Pizzeria am Fuße des alten Stadtteils von Marseille. Le Vieux Clocher verwöhnt uns mit schmackhafter Pizza und ausgezeichneten Salaten. Diese Adresse sollten Sie sich merken, liebe Leser. Sie ist einen Abstecher wert.

Nun gilt es, das alte Stadtviertel unsicher zu machen. Wir shoppen Mitbringsel, schlecken Eis und entdecken die Street Art von Marseille, die wir sogleich mit einigen Fotos festhalten und verewigen:

Street Art in Marseille. Foto: Anna Mohr 2013

Wir beschließen den Tag dort, wo wir ihn angefangen haben, am Vieux Port. Den Blick auf den Hafen gerichtet, sinnieren wir über die Zitate von Van Gogh und anderen berühmten Persönlichkeiten, die anlässlich der Kulturhauptstadt Eingang gefunden haben auf Blumenkübeln.

Auf bald, Du Kulturhauptstadt Europas. Das nächste Mal werden wir länger verweilen.

Ein Gedanke zu „Marseille – la vieille

  1. Man sagte mir: „Entweder, du liebst Marseille oder du hasst es!“
    Ich liebe diese wunderschöne, majestätische und aufregende Stadt und freue mich schon jetzt auf ein baldiges Wiedersehen!

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