Funkenflug-Läufer erreichen Bamberg und stürmen das Rathaus

Jérôme Grad

Funkenflieger stürmen das Rathaus. Foto: Jérôme Grad

Vom Funkenflug-Lauf berichteten wir bereits gestern. Schüler aus verschiedenen Städten in ganz Deutschland laufen zu Fuß nach Berlin für eine Bildungswende.

Funkenflug-Läufer erreichen Bamberg

Auch in Bamberg machen die Idealisten Halt. Gestern Abend kamen Joshua, Marie, Nils, Fynn und Krishna in der Domstadt an. Heute Morgen kam spontan Jonathan dazu. Er ist eigens aus Berlin angereist, um den langen Lauf zurück in die Hauptstadt auf sich zu nehmen.

Angetrieben sind sie von der Idee einer Bildungswende. Eine Wende zu mehr Potentialvielfalt, individuellen Lernprozess, Teamfähigkeit und Solidarität um somit nachhaltig die Gesellschaft zu verändern.

Funkenflug Initiator Krishna. Foto: Jérôme Grad

Krishna, der Leiter der Gruppe und einer der Initiatoren, bemerkte bei den Schülern zunächst ein Potenzial, welches aber nicht adäquat umgesetzt werden konnte. Daraus fasste er zusammen mit anderen den Entschluss, neue Wege im Bildungssystem gehen zu wollen. Dieser Lauf soll der erste Schritt sein. Für den studierten Filmregisseur ist in erster Linie auch nicht die Zahl der teilnehmenden Schüler und Schülerinnen entscheidend, sondern, die Erkenntnis, bei allen Beteiligten, dass man etwas verändern kann. Alle Beteiligte, das bedeutet nicht nur die Läufer.

Wenige Läufer, viele Sympathisanten und Unterstützer

Sympathisanten für diese Aktion gibt es viele, fügt Jonathan an. Nicht nur die Läufer müsste man zählen, auch diejenigen, die für Übernachtungsmöglichkeiten sorgen und die kostenlose Nahrung zur Verfügung stellen, wie z.B. Bauern oder Nonnen und Mönche in Klöstern.

Auch der Unterstützung der Eltern dürfen sich die Teenager auf ihrer sechswöchigen Reise durch die Bundesrepublik gewiss sein, wie der in Stuttgart auf den Bildungsmarsch eingestiegene Joshua dankend anmerkt. „Meine Eltern unterstützen mich moralisch und auch finanziell.“ Seine Motivation rührt daher, wie bei allen, dass das jetzige Schulsystem zu sehr auf das einheitliche Leistungsprinzip beruht. Vielmehr solle jeder sich individuell ausleben und in seiner Kreativität gefördert werden.

Auch Marie, die seit dem ersten Kilometer in Freiburg mitläuft, zeigt sich vom jetzigen Schulsystem genervt. Sie wurde sogar vom Schulleiter freigestellt, der am liebsten selbst mitgelaufen wäre. Dass sie seit geraumer Zeit mit Krücken laufen muss aufgrund einer Verletzung hindert sie nicht, für ihre Überzeugung weiter zu marschieren.

Überzeugungen, die sie in den diversen Städten auch gerne den Politikern und Lehrern mitteilen möchten. Dabei stoßen sie auf zumeist offene Gesprächspartner. Und wenn eine Diskussion kontrovers verläuft, so ziehen sie daraus weiteren Input für ihr Ideen.

Bürgermeister Hipelius empfängt Funkenflieger

Funkenflieger im Rathaus v.l.n.r. Joshua, Fynn, Jonathan, Marie, Nils. Foto: Jérôme Grad

Auch Bambergs Bürgermeister Werner Hipelius empfing die Funkenflieger in einem spontan anberaumten Treffen in seinem Zimmer. Über eine halbe Stunde nahm er sich für die Belange der Schüler Zeit und signierte im Anschluss noch das „Logbuch“. Nach dem lockeren Gespräch mussten sich die Funkenflieger beeilen, um noch rechtzeitig vor Ferienstart in die Bamberger Schulen zu kommen. Am Nachmittag haben sich Bayreuther Studenten angekündigt, die sofort Feuer und Flamme für diese Idee waren und eigens zu einem gemeinsamen Treffen nach Bamberg anreisen.

Schule soll nicht nur Leistungszwang sein

Bei ihren Besuchen in den Schulen aller Städte möchten sie den Kindern zeigen, dass Schule viel mehr sein kann, als nur Leistung und Noten. Deshalb gehen sie in die Schulen und erzählen von ihren Ideen. „Die Fantasie anregen, was alles Schule sein kann und soll, das ist das Credo bei jedem Schulbesuch“, so Krishna. Dabei kommen oftmals zu Beginn die stereotypischen Antworten wie „länger Pausen“, „mehr Ferien“. Doch im Laufe der Diskussionen erhalten die Funkenflieger auch persönliche, lebensnahe Wünsche, die dann von den Schülern und Schülerinnen auf Zetteln aufgeschrieben werden. Ein vielfach genannter Wunsch, auch von Lehrern, ist die Abschaffung von G8. Zudem soll die Schule auf das Leben vorbereiten. Bislang haben die Funkenflieger zwischen 2000 – 3000 Wünsche bis Bamberg gesammelt. Es dürften nochmal so viele bis Berlin dazu kommen.

Wunsch eines Schülers. Foto: Jérôme Grad

Mehr Individualität statt Massenabfertigung

Für sich selbst wünscht Marie, dass in der Schule nicht nur auf den Abschluss, sondern auch auf das „lebendige Leben“ vorbereitet wird. „Jeder sollte seinen Interessen nachgehen können und mit Spaß lernen“, fügt das zurzeit einzige Mädchen der Gruppe an. Jonathan ging sogar noch weiter und fordert, dass sich die Schule an die Schüler anpassen solle. Ein an und für sich lobenswerter Gedanke, der aber sicherlich in der Realität schwer durchzusetzen sein wird.

Morgen geht es dann weiter Richtung Berlin. Ankunft soll der 5. Juni sein. Dort werden sie dann auf die anderen Gruppen treffen. Über 700 Kilometer werden sie dann gelaufen sein. Knapp über 22 Kilometer pro Tag, ohne Pausen und mit ca. 10 Kilo Gepäck auf dem Rücken.

Wer mehr über diese Initiative wissen möchte, kann sich hier informieren. Ständige Updates von den Läufern gibt es hier auf dem Blog.

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