Bamberger Tourismus boomt weiterhin

Redaktion

Touristen vor dem Dom. Foto: Erich Weiß

Insgesamt 546.600 Übernachtungsgäste im Jahr 2012 in Bamberg. Die Zahl der Tagestouristen kann auf über 7 Millionen geschätzt werden.

Erneuter Anstieg bei den Übernachtungsgästen

546.600 Übernachtungen im Jahr 2012 bedeuten einen erneuten Rekord. So verwundert nicht, dass der für BAMBERG Tourismus & Kongress Service verantwortliche Bürgermeister Werner Hipelius bei der Präsentation der Tourismuszahlen des Jahres 2012 verkündete: Bamberg hat seinen Ruf als besucher- und gastfreundliche Stadt mit Nachdruck unter Beweis gestellt“. Bemerkenswerte 510.452 Übernachtungen aus dem letzten Jahr wurden somit nochmals um 11,5 % überboten. Als Gründe für diese erneute Wachstumsexplosion sind vor allem die beiden Großereignisse – die Feierlichkeiten zum 1000-jährigen Bestehen des Bamberger Doms und die Landesgartenschau – zu nennen. Seit dem Jahr 2009 gab es nicht nur in drei aufeinanderfolgenden Jahren zweistellige Wachstumszahlen, sondern auch insgesamt eine Mehrnachfrage um 40 %.

Übernachtungszahlen nur die halbe Wahrheit

Für die Gesamtzahl der Besucher in Bamberg müssen bei der Erfassung auch die Tagestouristen berücksichtigt werden. Offizielle Zahlen liegen dem BAMBERG Tourismus & Kongress Service hierzu für das Jahr 2012 allerdings nicht vor.

Nimmt man jedoch die für 2010 vom dwif (Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr e.V. an der Universität München) ermittelten Zahlen als Basis – es wurden 503.000 Übernachtungen und 6.3 Millionen Tagesreisende ermittelt – ergibt sich für das vergangene Jahr eine Tagesbesucherzahl von über 7.071.530 Reisenden. Auf jeden Bürger Bambergs entfielen somit im letzten Jahr 100 Touristen.

Die Definition „Tagestourist“ erfährt jedoch eine vielfältige Bedeutung. So können laut Tourismusdirektor Christel sowohl Ausflugreisende der Region ebenso dazu gezählt werden, wie eine auf der Durchreise für ein Mittagessen im Restaurant haltende Familie. Sogar der im Rosengarten schlendernde Memmelsdorfer fällt unter diese Rubrik.

Wie viel Tourismus verträgt das Weltkulturerbe?

Soweit die Zahlen und Fakten. Doch was bedeutet das nun für Stadt und Bürger? Klar ist: die Zahl der Touristen erreicht ein neues Rekordhoch. Über eine halbe Million Übernachtungen, die Zahl der Tagestouristen dürfte durch die Landesgartenschau im Verhältnis zu 2010 eher noch gestiegen sein. Der Tourismus in Bamberg boomt. Das klingt doch gut oder etwa nicht?

Immer häufiger fragen sich die Bamberger was noch zumutbar ist und wie viele Touristen die Stadt aufnehmen kann? Für viele Bürgerinnen und Bürger ist diese Grenze bereits (seit Jahren) erreicht. Während die Stadt sich mit den neuesten Zahlen schmückt, sorgen sich viele Domstädter um den ursprünglichen, zum Teil bereits eingebüßten Charme.

Bei Debatten verweisen Tourismus-Befürworter vornehmlich auf die wirtschaftlichen Aspekte. Tourismus belebt die Innenstadt, schafft Arbeitsplätze und sichert somit Existenzen.

Gegner halten dagegen und wehren sich gegen den Massentourismus. Dieser müsse „überschaubar“ bleiben. Das Weltkulturerbe solle nicht noch weiter beworben werden – im Gegenteil Werbekampagnen sollten zurückgefahren werden.

Wirtschaftliche Aspekte entscheidend – doch welche?

Gerade der wirtschaftliche Aspekt wird von der Stadt genannt, wenn es um die Legitimierung des Tourismus geht. Die Fakten sind jedenfalls nicht von der Hand zu weisen. Für das Jahr 2010 bezifferte das dwif den touristischen Bruttoumsatz in Bamberg auf 225,4 Mio €. Dabei errechnete das Institut einen theoretischen Wert von 4.810 Personen, die durch den Tourismus in Bamberg ihren Lebensunterhalt (21.025,– € pro Einwohner bei Abzug der Mehrwertsteuer und geschätzten Abzügen der direkten und indirekten Einkommenswirkungen des Tourismus) bestreiten könnten. Ein Drittel des Bruttoumsatzes – genauer 74,2 Mio € – auf die Übernachtungsgäste. 151,2 Mio € und damit zwei Drittel des Umsatzes sollen durch die Tagesreisen eingenommen worden sein. Profiteure sind in beiden Fällen der Einzelhandel, das Gastgewerbe sowie die Dienstleistungsbranche.

Auch wenn keine offiziellen Zahlen für 2012 vorliegen, ist von einem Anstieg des Bruttoumsatzes seit 2010 auszugehen. Zugleich stellt sich die Frage, wer von den Tagestouristen profitiert.

Laut der Studie entfielen 2010 von den 74,2 Mio € aus den Übernachtungen 63,6 % auf das Gastgewerbe, 19,7 % auf den Einzelhandel und 16,7 % auf den Dienstleistungssektor. Bei den Tagesbesuchern verschob sich der Anteil zugunsten des Einzelhandels mit 45,8 %, gefolgt vom Gastgewerbe mit 44,6 % und 9,6 % der Dienstleistungen. Somit profitiert der Einzelhandel erheblich von den Tagestouristen. Schwer vorstellbar, dass dies mittlerweile anders ist.

Durch die Einnahmen aus Steuern verdient auch die Stadt an den steigenden Touristenzahlen. Diese füllen die klammen Kassen, was letztendlich den Bürgern zugutekommen kann. Ist der Tagestourist also ein „notwendiges Übel“?

Tagestouristen – Segen oder Fluch?

Was aber passiert, wenn die Touristen nur für einen Stundenausflug anreisen? Wohin gehen die „Boat-People“? Jene Touristen, die per Schiff anreisen und aufwendig mit dem Bus vom Hafen in die Innenstadt gefahren werden? Was bringen sie den Gastronomen und vor allem den Hoteliers, wenn sie ein „All Inclusiv“-Angebot des Reiseveranstalters wahrnehmen?

Immer mehr Bamberger Stimmen hinterfragen das Verhältnis des wirtschaftlichen Ertrags mit der verminderten Lebensqualität. Die überfüllte Innenstadt oder die Risse in unter Denkmalschutz stehenden Häusern an der südlichen Promenade – um nur zwei zu nennen.

Haltestelle vor der Villa Wassermann. Foto: Erich Weiß

Aber kann die Stadt auf Steuergelder und Arbeitsplätze verzichten? Wohl kaum. Auch der Besucherstrom wird nicht abreißen – auch nicht der aus dem Ausland. Ausgehend von 55.085 übernachtenden Besuchern im Jahr 2002, pendelte sich diese Zahl der ausländischen Gäste seit 2010 bei ca. 85.000–90.000 ein. Spitzenreiter sind hier nach wie vor die Gäste aus den USA mit knapp 17.000 Besuchern im letzten Jahr. Auch wenn gerade bei den US-amerikanischen Touristen unklar bleibt, inwieweit es Familienbesuche sind – Klein-Venedig und Co. bleiben gefragt.

Und hat die Welt nicht auch einen Anspruch darauf, das UNESCO-Weltkulturerbe sehen zu dürfen?

Fakt bleibt: Wer sich Weltkulturerbe-Stadt nennt, muss sich mit einem einhergehenden Zuwachs an Touristen auseinandersetzen. Ganz gleich, woher sie kommen und wie lange sie bleiben. Der persönliche Umgang bleibt jedem selbst überlassen, die Stadt jedoch steht in der Verantwortung, für das Wohl ihrer Bürger zu sorgen, z.B. durch eine bessere Organisation von Stadtführung großer Gruppen, um somit Fußgänger mit Kinderwagen und Radfahrer den nötigen Platz einzuräumen.

3 Gedanken zu „Bamberger Tourismus boomt weiterhin

  1. Die Internationalisierung hat Bamberg sicher gut getan. Was Bamberg (und jedem anderen Ort) nicht gut tut, sind die Massen. Die UNESCO kennt dieses Phänomen, Venedig ist ein Beispiel für die negativen Folgen: der Druck auf die heimische Bevölkerung, die sich ihre Heimat schlichtweg nicht mehr leisten kann, und die Entfremdung durch die Zurschaustellung, die Verkehrsbelastung und so vieles mehr. Klar, können die wirtschaftlichen Zahlen beeindrucken – aber sind Arbeitsplätze in der Gastronomie und im Hotel das, was wir wollen? Für unsere jungen Leute? DA muss doch mehr drin sein: hochwertige Arbeitsplätze, Forschung ….

  2. Den Bamberger Bürger stören doch in Bamberg zwei Sachen:
    Touristen und Studenten!

    Aber genau ohne diese wäre es ein genau so trostloses und verlassenes Nest, wie (sagen wir mal) Schweinfurt ….

    Nur mit dem volkswirtschaftlichen Ertrag der Bamberger Bevölkerung wäre das Weltkulturerbe nicht zu halten. Es fragt sich auch, warum es den Titel dann überhaupt bräuchte….

    [Wer ein Omelett will, muss Eier zerschlagen. Das ist nun mal so.]

    • Das mit den Eiern und dem Omlett ist ja ein interessantes Bild.

      Es wären also die finanziellen Vorteile für die Bamberger Gastronomie/Hotellerie/Geschäfte/Gästeführer das Omlett – so ist es wahrscheinlich gemeint?

      Nur, was ist jetzt das Ei, mit dessen Verlust wir leider unvermeidlich rechnen müssen? Die historische Bausubstanz an der Promenade? Unser aller Nerven, wenn wir auf den Bürgersteigen vor Menschenmassen nicht mehr laufen können? Die Nachtruhe in den Altstadtstraßen, die rund um die Uhr von Touristen geflutet werden?

      Bei diesem Konflikt geht es ja nicht um Touristen rein oder Touristen raus. Wir hätten gerne mal einen Umbau der Langen Straße, einfach damit Platz ist für die verdoppelte Menge an Touristen und auch noch für uns. Und wir hätten gerne einen klugen Bus-Leit-Plan, der Touristenströme schadlos lenkt. Warum macht das eigentlich keiner? Niemand zuständig? Lieber Eier zerschlagen? Ist auch einfacher, gebe ich zu.

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