Stein für Stein Zukunft schenken

Carina Enhuber

Caroline Seidel (links) und Ayla Mayer (rechts) mitten in der Planung: Die beiden machen sich Gedanken über ihr neues Projekt, den Bau einer Bahnhofschule in Indien. Foto: Jana Zuber

Engagierte Hilfe für Kinder in Indien und Kenia: Die Initiative zweier Studentinnen aus Bamberg hat bereits einiges erreicht. Nun planen Caroline Seidel und Ayla Mayer den Bau einer Schule in Indien.

Bamberg / International – Es ist ein ganz normaler Nachmittag und wie es für Studenten so üblich ist, werden die freien Stunden genutzt, um sich mit Freunden zu treffen und zu quatschen. Nichts anderes als das machen die beiden Freundinnen Caroline Seidel und Ayla Mayer. Sie trinken Kaffee und quatschen. Quatschen über ihre letzten Reisen. Doch nicht über Hotel, Sonne, Meer, Strand. Nein. Caroline kommt gerade zurück aus Kenia und erzählt von ihren Eindrücken, Erfahrungen und den Problemen in Kenia. Die beiden philosophieren darüber, was man eigentlich machen könnte, um dort zu helfen und warum sie es nicht tun. Ja, warum eigentlich nicht? Das denken sich die beiden Studentinnen nach vielen Stunden und beschließen: Wir gründen einen Verein!

Während ihres Besuchs in Kenia: Caroline unterrichtet in einer Schule und bringt den Kindern Englisch und Mathe bei.

Das Ganze ist jetzt ungefähr fünf Monate her und seitdem hat sich viel getan. Seit August 2012 existiert der Verein: „Hand des Menschen – Kindern eine Zukunft geben“. Ein Verein, der Patenschaften für Kinder in Indien und Kenia vermittelt und Projekte durchführt. Bereits realisierte Projekte sind Operationen für zwei behinderte indische Kinder, der Bau von drei neuen Klassenzimmern in Indien und die Verteilung von Hygieneartikel in Slums.

Caroline verteilte Hygieneartikel im Slum: Über eine neue Zahnbürste, Zahncreme, Duschgel und Seife freuten sich die Kinder aus Indien.

Es gibt aktuell wieder ein neues Projekt, das die beiden Bamberger Studentinnen planen: eine Schule in Indien, höchstwahrscheinlich in Tamilnadu, eventuell auch in Andhra Paradesh. „Das sind beides sehr unterentwickelte und traditionelle Regionen, in denen Mädchen meistens keine Chance auf Schulbildung haben“, erklärt Caroline. Jedoch werden nicht ausschließlich Mädchen auf die Schule gehen, den oft haben auch Jungs keinen Zugang zu Bildung, wenn die nächste Schule zu weit weg oder das Schulgeld zu hoch ist. So eine Schule zu bauen, kostet natürlich Geld. Viel Geld. Doch gibt es schon eine genaue Vorstellung, wie sie zu Geld kommen: „Wir planen eine Aktion. Eine ziemlich gute Aktion. Wir verkaufen Steine.“ Natürlich keine echten Steine. In Wirklichkeit kauft man symbolisch einen Duplostein, auf dem der Name des Käufers geschrieben wird. Dann bauen Caroline und Ayla aus den verkauften Steinen ein Haus. Der Bau des Hauses wird auf Facebook zu sehen sein. Caroline ist begeistert: „So kann jeder verfolgen, wie viele Steine verkauft sind und wie viele wir noch brauchen.“

Caroline und Ayla, zwei völlig normale Studentinnen und doch unterscheidet sie vieles von ihren Kommilitonen. „Studium und die Arbeit im Verein. Das Alles ist manchmal gar nicht so einfach“, sagt Ayla. Beide haben einen Nebenjob, um sich ein Flugticket nach Indien oder nach Kenia kaufen zu können, um dort ihre Projekte voranzutreiben und die vermittelten Patenkinder zu besuchen. Sie organisieren Partys, um Geld für ihre Projekte zu sammeln. Sie telefonieren viel und schreiben oft E-Mails, um die Paten der Kinder immer auf dem Laufenden zu halten und um zu wissen, was in Indien oder Kenia gerade vor sich geht. „Und, und, und … es ist viel Arbeit, ja, aber es lohnt sich immer wieder. Ich mache das gerne, denn das schönste für mich ist das dankende Lächeln der Kinder“, so Caroline.

Auch wenn die beiden Bamberger Studentinnen vieles gemeinsam haben und vieles zusammen erreichen, so ist doch jede der beiden ihren eigenen Weg gegangen, um dort zu sein, wo sie heute sind: nach dem Abi erstmal in die weite Welt. Das ist der Plan vieler junger Leute. Zum Glück gibt es viele Organisationen, die den Abenteuerlustigen anbieten, die Welt zu entdecken, andere Kulturen und Menschen kennen zu lernen, neue Erfahrungen zu sammeln und vor Ort zu helfen. Genau das wollte Caroline Seidel jedoch nicht: „Ich wollte nicht die Hundertste sein, die mit vielen weiteren freiwilligen Helfern an vorgegebenen Projekten mitarbeitet.“ Nein, sie machte es anders. Über einen Bekannten kam sie 2011 nach Indien und half dort für fünf Monate in verschiedenen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Behindertenheimen mit. Unter anderem in einem Waisenhaus für Mädchen. Caroline erlebt, wie die Leute in Indien leben und arbeiten und ist schockiert: „Es gibt keine Unterstützung von Außerhalb. Der Staat in Indien sorgt zwar dafür, dass die Kinder Essen kriegen, aber es wird kein Fokus auf die Bildung gesetzt, vor allem bei den Mädchen nicht.“

Projekt „Dream Dancer“

Zurück in Deutschland war Caroline voller Tatendrang. So zieht die damals 19-jährige das Projekt: „Dream Dancer“ auf. Alleine. „Meine Eltern haben mich damals nicht ernst genommen“, so Caroline heute „ich kam zurück und wollte dringend irgendwas verändern. Deswegen versuchte ich durch mein Projekt, Patenschaften für die Mädchen aus dem Waisenhaus zu vermitteln, damit diese eine gute Schulbildung bekommen.“

Entwicklungsarbeit in Senegal

Eine ganz andere Geschichte hat dagegen Ayla zu erzählen. Bereits 2007 sammelte sie Erfahrungen mit Armut, Hunger und Ungerechtigkeit. Mit ihrem damaligen Lehrer gründete sie und eine Schülergruppe einen Verein, der die Entwicklungsarbeit in Senegal unterstütze. Zusammen fuhren die Schüler dann nach Senegal und bauten eine Schule aus. Für Ayla war das der Punkt, an dem sie sich sagte: „Ich muss da was machen, ich muss versuchen, was zu verändern.“ Doch Ayla zog um und es war schwierig für sie, den Kontakt zu dem Verein zu halten. Viel Zeit verging. Schließlich war sie 2011 in Sri Lanka und Indien unterwegs mit Freunden. „Und dann kamen plötzlich alle Erinnerungen wieder in mir hoch, die persönlichen Erlebnisse dort überwältigten mich erneut“, erzählt Ayla.

„Hand des Menschen – Kindern eine Zukunft geben“

Geprägt von ihren Erlebnissen und Erfahrungen treffen Caroline Seidel und Ayla Mayer im Studium aufeinander. Die eine hat viele tolle Ideen, die andere bereits eine Initiative gegründet. Und beide haben bereits praktische Erfahrungen in der Umsetzung von Projekten. „Wir sind ein gutes Team!“, da sind sich Caroline und Ayla einig. Denn eins unterscheidet den Verein: „Hand des Menschen – Kindern eine Zukunft geben“ von anderen Hilfsorganisationen. „Wir kennen die Leute, die spenden und die Kinder für die gespendet werden persönlich“, so Caroline, „ich weiß immer alles über die Patenkinder, wer heiratet, wer krank ist, alles!“ Doch nicht nur der Kontakt zwischen Spendern, Verein und den Empfängern, auch das gesammelte und gespendete Geld sowie die Briefe der Paten werden bei direkten Treffen übergeben. Ayla erklärt: „Wir haben direkte Ansprechpartner vor Ort, die auch manchmal nach Deutschland kommen. Und wir fliegen natürlich selbst ein paar Mal im Jahr nach Indien oder Kenia.“

Unter dream-dancer finden alle Interessierten nicht nur eine ausführliche Beschreibung der Projekte. Sie können auch die Entwicklungen verfolgen. Mitmachen kann jeder, erklärt Caroline: „Bei uns kann jeder seine Ideen einbringen, Veranstaltungen sowie Projekte organisieren, uns finanziell unterstützen oder Patenschaft übernehmen.“ Und Ayla ergänzt zum Schluss: „Wenn der eine oder andere einen Stein für unsere Schule kaufen will, der kann das gerne tun. Das Projekt wird ab dem 21.1.2013 starten und ein Stein wird für ein Euro erhältlich sein.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.