Sophie hungert. Nach Neuem.

Das Neue

Dreissig ist das neue Zwanzig,
der Mann ist die neue Frau.
Freiheit ist das neue Gefängnis,
und reich ist das neue Schlau.
Islam ist die neue katholische Kirche
und Deutschland die neue Türkei,
die Schweiz schon bald im Siebengebirge,
und jetzt ist das Neue vorbei.

Wenn du bald nach hause kommst,
dann bin ich nicht mehr hier.
Ich kann nicht bleiben, wie ich bin,
trotz dir,
und wenn du bald nach hause kommst,
dann bin ich nicht mehr hier.
Ich kann nicht bleiben wie ich bin,
trotz dir.

Zuckerberg ist der neue Kolumbus,
der Bankmann die neue Aristokratie,
Gesundheit ein neuer Exorzismus,
et la fatigue c’est la nouvelle follie.
Nichtraucher sind die neuen Raucher,
Alte fühlen sich neu immer jünger,
Intellektuelle sind neu völlig unbrauchbar,
frei zum bestehlen ist neu Sophie Hunger.

Und wenn du bald nach hause kommst,
dann bin ich nicht mehr hier.
Ich kann nicht bleiben, wie ich bin,
trotz dir, hier, hier, hier!
Wenn du bald nach hause kommst,
dann such nicht mehr nach mir.
Ich kann nicht bleiben, wie ich bin,
trotz dir.

Wenn du bald nach hause kommst,
dann such nicht mehr nach mir.
Ich kann nicht bleiben, wie ich bin,
mit dir.
Wenn du bald nach hause kommst,
dann such nicht mehr nach mir.
Ich kann nicht bleiben, wie ich bin,
trotz dir, hier, hier!

Kommst du nach hause?
Komm bitte nach hause!
Zu mir!

Sophie Hunger

Von Chrysostomos

Als Diplomatentochter groß zu werden, birgt Abwechslung. Sophie Hunger, vor knapp drei Jahrzehnten in Bern geboren, wuchs in Bonn, London, Teheran und Zürich auf. Zu ihrer weitläufigen Verwandtschaft zählen der Maler und Radierer Albert Welti und Albert Jakob Welti, Schriftsteller und Maler. Über den Vater, der Punk und Jazz hörte, kam Sophie zur Musik. Den Durchbruch schaffte Hunger 2008 mit dem Album „Monday‘s Ghost“, zuletzt veröffentlichte sie „The Danger of Light“, darauf zu finden ein Klassiker wie „Ne me quitte pas“ und „Das Neue“. Gute, sehr gute, handgemachte Musik ist das, in mehreren Sprachen.

Daß die Zeiten sich ändern, davon wußte schon Bob Dylan ein Lied zu singen. Davon handelt auch „Das Neue“ von Sophie Hunger. Persönliche und gesellschaftliche Veränderungen stehen an. „Ich kann nicht bleiben, wie ich bin.“ Auf also zu neuen Ufern.

NB: Sophie Hunger war bereits beim Würzburger Hafensommer zu hören und beim Bardentreffen in Nürnberg zu erleben. Ihre Alben erscheinen bei dem Label Two Gentlemen.

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